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Investorensuche im Paternoster : In vier Minuten zum Geschäftserfolg

Einer der Juroren ist auch Harald Mahrer, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Obgleich er selbst erst 42 Jahre alt ist, hat er schon viel Erfahrung mit Existenzgründungen. 1999 rief er den ersten Inkubator in Österreich ins Leben, wie er sagt, also ein Gründerzentrum. Seit 15 Jahren arbeitet er als Business Angel, als Berater und Förderer junger Unternehmen. „Über meinen Schreibtisch sind schon mehr als 1000 Geschäftspläne gegangen.“ Die zeitliche und räumliche Enge der Paternosterfahrt findet Mahrer ideal, um den jungen Leuten auf den Zahn zu fühlen. „Ich frage immer zuerst nach den größten Problemen. Wenn sie sagen, sie haben keine, sind sie entweder nicht ehrlich, oder sie brauchen uns nicht.“

Die dreizehn Start-ups, die sich im Paternoster und zusätzlich an vielen bunten Ständen präsentieren, stammen aus den unterschiedlichsten Branchen und Ländern. Ein umweltbewusstes Unternehmen aus Wien stellt „Wohnwaggons“ her, auf Anhänger montierte Unterkünfte. Die bewegliche Holzhütte, die ohne Strom- und Wasseranschluss auskommt, sieht wie eine Sauna auf Rädern aus. Optoforce aus Budapest hat ein optisches Messgerät entwickelt, das verschleißfrei Druck und Kräfte misst. Um es auszuprobieren, können die Geld- und Ideengeber mit einem Holzhammer auf einen Sensor einschlagen - ein kleiner Hau-den-Lukas im 21. Jahrhundert.

Eine App für die Parkplatzsuche

Martin Ohneberg, Geschäftsführender Gesellschafter des Automobilzulieferers Henn aus Vorarlberg, hat sich die ungarischen Gründer genau angesehen, findet aber andere Präsentationen überzeugender. Am besten gefällt ihm Parkbob, ein Applikationsprogramm für internetfähige Telefone. Wiener Tüftler haben diese Anwendung entwickelt, um bei der Parkplatzsuche zu helfen.

Die App sammelt anonym die Position von Nutzern, die eine Stellfläche belegen oder verlassen. Sie warnt vor Parkverboten, meldet freie Plätze, lotst Suchende ans Ziel und stellt, falls gewünscht, elektronische Parkscheine aus. Der Investor Ohneberg kann sich gut vorstellen, bei der nächsten Finanzierungsrunde in Parkbob einzusteigen: „Ich habe denen schon mal meine Visitenkarte dagelassen.“ Was im Kleinen klappt, könnte die Gründungskultur im ganzen Land verbessern, hoffen die Veranstalter. Der Austausch mit den Jungspunden soll frischen Wind in die etablierten Unternehmen wehen. Zugleich können die Gründer im besten Fall von der Expertise, den Beziehungen und nicht zuletzt vom Geld der Alteingesessenen profitieren.

Es falle den Geschäftsanfängern oft schwer, in Österreich Partner zu finden, sagt JI-Geschäftsführer Amor. „Viele Talente gehen ins Ausland, zum Beispiel nach Deutschland. Da kann der Paternoster-Pitch vielleicht ein bisschen gegensteuern.“ Der erste Preis des Wettbewerbs besteht aus einem Gutschein über 5000 Euro für eine Rechtsberatung. Außerdem dürfen die Gewinner einen Tag lang das Management beim Halbleiterhersteller Infineon in Villach in Kärnten löchern, zu jeder Frage über Entwicklung, Vertrieb, Verkauf oder Finanzierung.

Freuen kann sich über die Auszeichnung in diesem Jahr das Unternehmen Panono. Die Gesellschaft entwickelt 360-Grad-Kameras zum Preis von 3500 Euro mit einer, wie die Gründer sagen, zuvor unerreichten Bildauflösung. Panono hat die österreichischen Juroren im Paternoster am meisten überzeugt. Dabei sitzt das Unternehmen gar nicht in dem Alpenland, sondern in Berlin. Die Stadt ist neben Wien eine weitere dynamische Gründerhochburg, und auch hier gibt es - zum Glück - noch den einen oder anderen Paternoster.

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