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Personalexpertin : „Mit Jugendlichen in Kontakt zu kommen, ist harte Arbeit“

  • -Aktualisiert am

Ein junger Koch in Ausbildung bei der Geschmacksprobe. Bild: dpa

Manche Branchen suchen nach geeigneten Auszubildenden, anderen fliegen Lehrlinge nur so zu. Brigitte Faust, Personaldirektorin bei Coca Cola, über die Kunst, sich als Betrieb für junge Menschen schmackhaft zu machen.

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          Brigitte Faust Personaldirektorin bei der Coca Cola Erfrischungsgetränke AG und Präsidentin der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss über die Herausforderung deutscher Unternehmen, jugendliche Talente für eine Ausbildung zu begeistern.

          Die Zahl der Studienanfänger übersteigt die der Lehrlinge, viele sprechen von einem regelrechten Akademisierungswahn. Was müssen Unternehmen tun, um Ausbildung attraktiver zu machen?

          Der Reiz eines Studiums liegt für manche darin, sich noch nicht auf einen Arbeitsplatz oder Arbeitgeber festlegen zu müssen. Dabei bietet eine Ausbildung oft die Chance, vom ausbildenden Betrieb auch übernommen zu werden. Und das ist doch eine grandiose Zukunftsperspektive, mit der die Unternehmen für sich werben sollten. Zudem sollte unbedingt das Image der dualen Ausbildung aufpoliert werden. Denn sie ist und bleibt ein attraktiver Einstieg in den Beruf und bietet gute Aufstiegschancen. Die duale Ausbildung muss sich vor einem Studium nicht verstecken und sollte in Deutschland mit mehr Stolz gelebt werden - viele in Europa beneiden uns um sie.

          Wie können Abiturienten, die sich gedanklich schon an der Uni eingeschrieben haben, noch umgestimmt werden?

          Wichtig ist es, junge Talente dort anzusprechen und abzuholen, wo sie sich aufhalten oder nach Informationen suchen. Wir nutzen deshalb bei Coca-Cola beispielsweise das Online-Portal „Blicksta“, das Schüler über Ausbildung und Studium informiert. Denn es entspricht dem Wunsch der Jugendlichen, mit möglichst wenig Aufwand mehr Informationen darüber zu erhalten, welche Berufe am besten zu ihren Fähigkeiten passen.

          Hat sich ein junger Mensch, mit oder ohne Abitur, zu einer Lehre entschlossen, ist er mit der Wahl seines Ausbildungsberufes meist nicht allein: Es gibt gut 350 mögliche Ausbildungsberufe, aber ein Drittel der Ausbildungsverträge entfällt regelmäßig auf die beliebtesten zehn. Was können Branchen tun, die für Jugendliche weniger attraktiv erscheinen?

          Frühzeitig informieren, zum Beispiel über Schülerpraktika oder Boys- und Girls-Days. Denn Jugendliche benötigen in ihrer beruflichen Orientierungsphase frühzeitig Unterstützung. Und das Stichwort für Unternehmen, die ihre soziale Verantwortung ernst nehmen, muss Transparenz heißen. Die Ernährungsindustrie kann mit ihren sicheren Arbeitsplätzen und guten Sozialleistungen punkten, wenn sie mit den Jugendlichen erst einmal in Kontakt getreten ist. Schwerer ist es dagegen, diesen Erstkontakt überhaupt herzustellen. Das ist nicht einfach und harte Arbeit für die Branchenverbände und Ausbildungsbetriebe. Hier haben es bekannte Marken sicherlich leichter als Kleinunternehmen.

          Coca-Cola ist eine bei Jugendlichen beliebte Marke und hat dementsprechend wenig Probleme, gute Azubis zu finden. Der Fastfood-Riese McDonald’s, bei jungen Menschen ebenfalls bekannt, hingegen schon. Woran liegt das?

          „Gilt ein Arbeitgeber als ,cool’, ist es leichter, sich für ihn als Ausbilder zu entscheiden“, sagt Brigitte Faust, Personaldirektorin bei Coca Cola sowie Präsidentin der Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss.

          Ich kann nicht für andere Marken, Branchen und Unternehmen sprechen. Sicherlich ist es aber für viele Jugendliche ein Thema, wenn ein Ausbildungsbetrieb an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr geöffnet hat.

          Wie wichtig ist das Image einer Firma, um Lehrlinge zu finden?

          Gerade bei jungen Menschen spielt das Image und damit auch die Wahrnehmung in ihrem Freundeskreis eine erhebliche Rolle. Gilt dort ein Arbeitgeber als „cool“, ist es leichter, sich für ihn als Ausbilder zu entscheiden. Das Image kann aber auch über positive Erfahrungsberichte der Eltern geprägt sein.

          Was sind weitere Faktoren, damit ein Jugendlicher einen Arbeitgeber attraktiv findet? Ist der Standort wichtig?

          Ja, absolut. Wir hatten ja eine Zeitlang das Bild des ortsunabhängigen Ausbildungssuchenden. Tatsächlich ist es den meisten Jugendlichen jedoch wichtig, an ihrem Heimatort bleiben zu können. Die letzte Umfrage in der Ernährungsindustrie zum Start des Ausbildungsjahrs 2014 hat aber auch ergeben, dass verstärkt nach der Möglichkeit gefragt wird, auch Erfahrung im Ausland sammeln zu können. Gefragt ist also der heimische Hafen mit Auslaufmöglichkeit.

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