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Personalmanager Sattelberger : „Die Vorstandsfrau als Alibi ging in die Hose“

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Vorstand oder Geschäftsführung sind eine eigene Kategorie. Da funktioniert Teilzeit nicht. Aber für den Einstieg und den Aufstieg im Führungskörper ist Zeitsouveränität wichtig - für Männer und Frauen. Damit stärkt man den Mittelbau eines Unternehmens. Ganz oben gilt eine andere Logik. Ob die Effizienzroboter in den Vorstandsetagen aber immer so gute Entscheidungen treffen, steht auf einem anderen Blatt.

Aus den Vorständen sind in kurzer Zeit viele Hoffnungsträgerinnen wieder ausgeschieden. Auch Ihre Nachfolgerin ist nicht mehr im Amt. Wie kommt das?

Die Dax-Konzerne dachten, sie könnten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erstens wurde das Thema Vielfalt im Unternehmen auf Symbolpolitik mit der Plazierung einer Frau im Vorstand reduziert, und zweitens war das meist im Personalbereich, der sowieso nur bedingt wertgeschätzt wird. Die Vorstandsfrau als Alibi für mangelnde Vielfalt im Unternehmen - das ging in die Hose.

In relativ kurzer Zeit . . .

Nachdem die Erste gestoppt war und das unspektakulär über die Bühne ging, haben die anderen gesehen: Frauen wieder rauszudrängen ist gar kein Problem. Im Gegenteil, man hat genüsslich kommuniziert, dass die Frauen ihren Aufgaben offensichtlich nicht gewachsen sind. Zu diesem Zeitpunkt wurde ja noch über feste Quoten in Vorständen debattiert, und da spielte die Qualitätsdebatte eine große Rolle. Das hat die Diskussion natürlich schön befeuert. Und kaum jemand hat sich gefragt, wem es nützt, wenn so viele Frauen vorzeitig aus dem Vorstand gehen. Der Schluss liegt nahe, dass das nicht mit normalen Dingen zugehen kann.

Sie sprechen jetzt über eine Verschwörung der mächtigen Männer?

Nein, das nicht. Aber von konkludentem Handeln, wie Juristen sagen. In den Männerzirkeln wurden Schlüsse gezogen und entsprechend gehandelt. Denn das waren ja unbequeme Frauen, die ihren Kollegen auch auf die Füße getreten sind.

Gibt es Old-Boys-Networks wirklich?

Natürlich gibt es die Netzwerke der Mächtigen in der Wirtschaft. Genauso wie in Politik, Sport oder Medien. Dort gelten eigene Regeln und Normen, viele davon sind unausgesprochen. Das ist keine mystische Überhöhung, sondern soziale Realität in allen Ländern der Welt.

Was ist mit dem Argument aus der Industrie, dass zu wenige Frauen in den technischen Disziplinen nachkommen und erst mal die Führungspipeline gefüllt werden muss mit qualifizierten Nachrückerinnen für die Toppositionen?

Bislang hat ein Viertel der Topführungskräfte in Deutschland einen solchen Hintergrund. Es dominieren in den Organen nach wie vor Kaufleute und Juristen. Wie viel Technikkompetenz braucht denn eine Deutsche Bank in der Spitze? Die Finanzbranche müsste doch gerade durch Frauen erblühen, wenn Technik so wichtig wäre. Und die Industrie ist auch ein Stück weit selbst schuld an der Entwicklung.

Warum denn das?

Weil viele der Frauen mit einer naturwissenschaftlichen Qualifikation gerade in der Familienphase zwischen 30 und 40 diesen Unternehmen den Rücken kehren und lieber in die Beratungsbranche wechseln. Die Hauptgründe sind die Macho-Kultur und die verstopften Karrierewege. Fragen Sie doch mal bei BMW nach, wie viele der Frauen, die von außen rekrutiert wurden, das Unternehmen wieder verlassen haben. Diejenigen, die sich laut über die schlechte Pipeline beschweren, schnüren sie doch selbst ab.

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