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Interimsmanager statt Finanzchef : Retten, löschen bergen, schützen

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Hilfe, es brennt! Ein Gefühl, das manchen Mittelständler beschleicht, wenn er sich seine Gewinn-und-Verlust-Rechnung anschaut. Leih-Finanzchefs sollen dann retten, was zu retten ist Bild: Rainer Wohlfahrt / F.A.Z.

Viele Mittelständler plagen Schwierigkeiten mit ihrer Hausbank. Sind die eigenen Finanzchefs überfordert, sollen Interimsmanager das Unternehmen retten. Oft bleiben dafür nur wenige Tage.

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          Als Thomas Brettar kurz nach dem Jahreswechsel seine neue Stelle als Finanzchef eines mittelständischen Kosmetikherstellers angetreten hatte, durfte er keine Zeit verlieren. Schließlich hatte ihn der Eigentümer des Unternehmens, ein Finanzinvestor, als Feuerwehrmann eingestellt: Brettar sollte innerhalb weniger Monate die Unternehmensfinanzen komplett umkrempeln. Ganz oben auf der Agenda standen der Aufbau eines Controllings und eines Finanz-Reportings. Brettar veranschlagte sechs Monate für das Projekt, für das andere Finanzchefs für gewöhnlich deutlich mehr Zeit einplanen. Doch Brettar klotzte ran - und war im Juni aus dem Gröbsten raus. Inzwischen ist der Manager weitergezogen. Er kümmert sich jetzt um die Sanierung eines Automobilzulieferers. Bei dem Kosmetikhersteller schaut er nur noch ein paar Tage pro Monat vorbei. Mit dem Tagesgeschäft kommen die Mitarbeiter des Finanzbereichs dort inzwischen alleine zurecht. „Ich begleite das noch und stelle die Qualität sicher“, sagt der 51 Jahre alte Mann.

          Brettar gehört zu einer besonderen Managergattung. Früher hat er jahrelang als Chief Financial Officer (CFO) in mehreren Unternehmen gearbeitet, zum Beispiel beim Nahrungsmittelhersteller Zamek. Doch inzwischen lässt sich der Finanzfachmann nicht mehr fest anstellen. Er arbeitet auf eigene Rechnung, als sogenannter Interimsmanager. Unternehmen, die ihn engagieren, stecken meist in Schwierigkeiten: Sie haben erkannt, dass sie ihre Unternehmensfinanzierung grundlegend umgestalten müssen - und zwar schnell. Das erledigt Brettar. Wenn er aufgeräumt hat, überlässt er einem herkömmlichen Manager die weitere Arbeit.

          Immer öfter engagieren Mittelständler Finanzmanager auf Zeit

          In den vergangenen Jahren haben vor allem Finanzinvestoren Interim-CFOs verpflichtet, nachdem sie in Unternehmen eingestiegen waren. Doch zuletzt hat sich die Nachfrage gewandelt. „Inzwischen engagieren immer öfter mittelständische Unternehmer Finanzmanager auf Zeit, weil sie ein Problem mit ihrer Hausbank haben“, sagt Kajus Rottok, Partner der Personalberatung Odgers Berndtson. Die Vorgeschichte ist stets ähnlich: Im Zuge der Finanzkrise sorgen sich Banken stärker als früher um das Ausfallrisiko von Krediten, die sie an Unternehmen vergeben haben. Deshalb verlangen sie immer detailliertere Informationen von Firmen.

          Viele Mittelständler überfordert es, diese Informationen zu liefern. „Dann gehen bei den Banken die Alarmlampen an“, sagt Rottok. Um nicht die Finanzierung ihres Unternehmens zu gefährden, müssen Unternehmer schnellstens handeln. Ein Interimsmanager soll die Beziehung zur Bank retten. „Er ist schneller verfügbar“, sagt Rottok. „Und die Unternehmer wollen, dass schnell etwas passiert.“ Deshalb suchen viele erst einmal nicht nach einem Manager, der dauerhaft bleiben würde, sondern entscheiden sich für die Übergangsvariante.

          Mittelständler kommen momentan in dramatische Situationen, weil sie es jahrelang versäumt haben, ihre Finanzen professionell zu verwalten. Oft hat der Finanzchef einmal als Buchhalter im Unternehmen begonnen. „Solche Angestellte sind mit den Jahren in die CFO-Rolle hineingewachsen und haben oft auch lange Zeit alles im Griff gehabt“, sagt Rainer Nagel, Partner des Interimsmanager-Vermittlers Atreus. „Doch in der Finanzkrise stellen sich ihnen jetzt plötzlich Probleme, mit denen sie nicht mehr zurechtkommen.“

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