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Interim-Manager : Aushilfen auf dem Chefsessel

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Röthlinger hingegen entschied sich 2009 nach mehreren Positionen als angestellter Geschäftsführer gezielt für einen Wechsel. „Selbst als hervorragender Festangestellter sind Sie spätestens nach zwei Jahren Bestandteil des Systems“, sagt er. Die einschläfernde Routine verhindere weiteren Erfolg. „Also beschloss ich, als Selbständiger entsprechende Herausforderungen aktiv zu finden.“ Dank seiner Unabhängigkeit genießt er es, gemäß Auftrag des Mandanten frei von historischen oder politischen Aspekten zu agieren. „Nur so kann ich den Blick für das Wesentliche schärfen und meine neutrale Expertise auch in schwierigen Situationen einbringen.“

„Da muss die Familie mitspielen“

Zugleich erfordert der Job eine hohe zeitliche und räumliche Flexibilität, betont Nagel: „Da muss die Familie mitspielen.“ Zumal Interim-Management immer Führungsarbeit sei: „Sie müssen Verantwortung übernehmen, Stakeholder überzeugen und an den Erfolg glauben, sonst droht der Misserfolg.“

Oft sind jedoch die Begleitumstände alles andere als einfach. Als eine der häufigsten Hürden für die Arbeit von Interim-Managern nennt eine Studie „chaotische Zustände in der Buchhaltung“ und eine „Flut von unstrukturierten, unvollständigen und teilweise falschen Informationen“. Zudem träfen gerade Notfallmanager häufig auf ein sehr unproduktives Betriebsklima, das geprägt ist von Anspannung, Misstrauen und Solidarität mit den alten Vorgesetzten. In solch einem Dickicht muss sich die neue Führungskraft erst einmal durchkämpfen und die richtigen Weichen stellen. Als Nachteil werde dann oftmals empfunden, die Früchte der Arbeit mitunter nicht mehr selbst ernten zu können, sagt Manager-Vermittler Theobald. „Der Interim-Manager stellt zwar die Weichen, doch der nachhaltige Erfolg tritt meistens erst nach Verlassen des Unternehmens ein.“

Durchschnittliche Auslastung: 150 Tage im Jahr

Auch die Vergütung spielt eine wichtige Rolle, und die Vereinbarungen für jeden Einsatz wollen wohlüberlegt sein. Denn die durchschnittliche Auslastung der Managernomaden betrug laut Arbeitskreis Interim-Manager-Provider 150 Tage im vergangenen Jahr. „Das reicht für viele nicht aus“, sagt Hilgenstock, der vom Arbeitskreis zum Interim-Manager des Jahres 2012 ausgezeichnet worden ist. Und niemand weiß, wann der nächste Einsatz kommt. Um dem finanziellen Druck zu begegnen, bedürfe es deshalb einer professionellen Selbstvermarktung und eines stabilen Netzwerkes.

Zentrale Erfolgsvoraussetzung und somit ein Risiko für die Unternehmen ist die Auswahl des richtigen Managers. „Gerade wenn der Firma das fachliche Wissen in dem zu unterstützenden Bereich fehlt, hilft ein seriöses, auf den jeweiligen Bereich spezialisiertes Beratungshaus, einen Kandidaten zu finden, der die Anforderungen zu 100 Prozent erfüllt“, sagt Theobald und wirbt damit gleich einmal in eigener Sache. Um eine strukturierte Auswahl sicherzustellen, seien vorab das konkrete Ziel des Einsatzes, die besonderen Herausforderungen, eventuelle Schwierigkeiten sowie das erforderliche Persönlichkeits- und Erfahrungsprofil des Kandidaten zu bestimmen, ergänzt Rainer Nagel. Eine Erfolgsgarantie für die Aushilfen im Chefsessel gibt es allerdings nicht.

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