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Neue Arbeitswelt : Das sind die schrägsten Chefs der Welt

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Lee McAteer: Lässt seine Leute spielen

Bekannt wurde Lee McAteer als „Britain’s best boss“, Großbritanniens bester Chef. Denn im Frühjahr hatte er die Büros seines Reiseunternehmens „Invasion“ im britischen Manchester in ein Bällebad verwandelt, um sich bei seinen Mitarbeitern für ihre Arbeit zu bedanken. Aus demselben Grund dürfen Angestellte auch mal auf Unternehmenskosten reisen, zum Beispiel nach Las Vegas. Die Urlaubstage der Höhergestellten unter den 30 bis 40 Beschäftigten würden sowieso nicht gezählt. Im Herzen sei McAteer immer noch Kind, sagt sein Geschäftspartner Nick Steiert, der etwa die Hälfte der Unternehmensanteile besitzt und für das operative Geschäft verantwortlich ist. Der 33 Jahre alte McAteer selbst hält die andere Hälfte der Anteile und ist vor allem für Marketing zuständig. McAteer sei auch verantwortlich für die lebensgroßen Comic- und Filmfiguren, die überall im Büro herumstehen, Charaktere von den Simpsons etwa oder aus „Star Wars“. Steiert hat dann auch noch für eine Diskokugel im Büro gesorgt und für ein Soundsystem, mit dem sich die Unternehmenszentrale in einen Nachtclub verwandeln lässt – beispielsweise für die Weihnachtsfeier.

Will das Kind im Mitarbeiter wecken: Lee McAteer
Will das Kind im Mitarbeiter wecken: Lee McAteer : Bild: Anton Hallmann

Kennengelernt haben sich die beiden Gründer an der Uni, genauer: Steiert organisierte dort eine universitätsübergreifende Party für Jurastudenten die „Invasion“ hieß – wie das heutige Unternehmen. Nach seinem Studium organisierte Steiert weitere „Invasions“ im ganzen Land, später auch Ausflüge ins nahe Ausland. McAteer wiederum hatte schon im Studium immer wieder Kommilitonen als Betreuer für amerikanische Feriencamps vermittelt, wo er selbst einmal seinen Sommer verbracht hatte. An seinem neuen Arbeitsplatz in der Kanzlei – in einem kleinen Raum ohne Fenster, wie er sagt – war er nicht glücklich, aber von Steierts Gründer-Idee begeistert. Mit seinen Kontakten nach Amerika und Steierts Datenbank mit Studentenkontakten entstand ihr erstes großes Projekt: „Americamp“, das Arbeitsaufenthalte für Briten in amerikanischen Feriencamps organisierte. Mittlerweile bieten sie weitere durchorganisierte Reisen und Arbeitsmöglichkeiten in Ländern wie Kanada, Thailand oder Südafrika an. Reisen und spielen – diese Motive ziehen sich bei McAteer und seinem Ko-Gründer Steiert wie ein roter Faden nicht nur durch die Unternehmensidee, sondern auch durch den gesamten Führungsstil. „Wenn du liebst, was du tust, dann arbeitest du keinen einzigen Tag in deinem Leben“, ist McAteer überzeugt. Er sieht nach eigener Aussage seine Mitarbeiter als Familie an; als Kind habe er sehr unter der Scheidung seiner Eltern gelitten. Mittlerweile erweitern er und sein Partner Steiert in ihrem aufwendig dekorierten Bürogebäude ihre „Familie“ mit anderen jungen Gründern, denen sie einen kostenlosen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen.

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Gehört Ihr Chef auch zu den schrägsten der Welt? Welchen ungewöhnlichen Führungsstil gibt es in Ihrem Unternehmen? Und wie profitieren Sie als Mitarbeiter davon? Oder leiden Sie vielleicht sogar eher darunter? Schreiben Sie uns unter berufundchance@faz.de

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