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Touch-pad-Oberflächen : Mensch und Maschine rücken zusammen

  • -Aktualisiert am

Ein Touchpad für Großmaschinen Bild: DMG Mori Seiki/ dmgmori.com

Große Maschinen in der Industrie sind kompliziert. Wie schön wäre es, wenn sie sich bedienen lassen würden, wie ein iPhone! Doch dahin geht nun tatsächlich der Trend. Touchpads und App-ähnliche Oberflächen halten in den Werkshallen Einzug.

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          Maschinen waren schon immer Teil eines Produktionsprozesses, manchmal verändern sie ihn aber auch grundlegend. Mit den ersten vollmechanischen Webstühlen zum Beispiel wurde gleich eine ganze Reihe von Arbeitsschritten auf einer einzigen Anlage vereint. Mit der Intelligenz, die unter dem Stichwort Industrie 4.0 nun in die Maschinen einzieht, wird sich das Geschehen in den Fabriken abermals deutlich ändern. Nicht nur, dass die Anlagen untereinander permanent Daten austauschen und sich damit immer stärker selbst steuern können. „Auch die Kooperation von Mensch und Maschine ändert sich, sie rückt in den Mittelpunkt der modernen Produktion“, sagt Christian Thönes, Technologievorstand des Bielefelder Maschinenbaukonzerns DMG Mori Seiki.

          Was das bedeutet, hat DMG im vergangenen Herbst mit seinem Steuerungssystem Celos vorgestellt. Das Ziel hieß: Der Maschinenbediener soll auch komplexe Aufgaben mit einer Touch-pad-Oberfläche und App-ähnlichen Navigationshilfen erledigen können. „Celos ermöglicht eine intuitive Bedienung der Maschine“, sagt Thönes dazu. Zugleich kann der Mitarbeiter in der Fabrikhalle sein eigenes Wissen an die Entwickler und Ingenieure zurückschicken: Woran hapert es in der Produktion noch konkret, und wie ließe sich das abstellen? „Das Ganze ist getrieben von dem Trend, dass Werkzeugmaschinen immer variablere Aufgaben erfüllen müssen, und das bei immer kleineren Losgrößen“, erläutert der DMG-Vorstand. Auf rund 5 Prozent der Neumaschinen in diesem Jahr werde Celos schon installiert sein, 2014 sollen es schon 20 Prozent der verkauften Anlagen sein, sagte der DMG-Vorstandschef Rüdiger Kapitza dazu unlängst.

          Schneller von der Idee zum Werkstück

          Um Celos zu entwickeln, musste im Konzern, der bis vor kurzem noch Gildemeister hieß, umgedacht werden. Schon vor zehn Jahren habe man damit begonnen, Entwickler und Maschinennutzer gemeinsam in den Entwicklungsprozess einzubinden, erläutert Thönes. Virtuelle und reale Produktionswelten wurden am Arbeitsplatz zusammengefügt. Hinzu kam der Blick weit über die Grenzen hinaus: Durch die 2009 eingegangene Kooperation mit dem japanischen Konzern Mori Seiki sei von dort sehr viel Wissen über Steuerungssysteme in die Celos-Entwicklung eingeflossen, sagt Thönes. Das habe vieles beschleunigt. Im Lauf der Jahre sei eine deutlich dreistellige Mitarbeiterzahl mit Celos beschäftigt gewesen. „Alles stand unter der Leitidee, künftig schneller von einer Idee zum fertigen Werkstück kommen zu können.“

          Entscheidend dafür und auch für künftige Entwicklungen sei, dass Ingenieure noch weitaus mehr über ihren Tellerrand hinausdenken als bisher, fügt der DMG-Technikchef hinzu. „Ein Maschinenbauingenieur bleibt ein Maschinenbauingenieur, aber er muss ganzheitlich denken, in ganzen Prozesssystemen. Die Mechanik allein reicht nicht mehr.“ Doch nicht nur das, am liebsten wäre der DMG-Personalabteilung auch noch ein Interesse der jungen Ingenieure an ganz anderen Themen im Betrieb. „Gesucht sind Techniker mit kaufmännischem oder Marketingverständnis“, sagt Thönes. Und Softwareentwickler, die sich ähnlich offen dafür zeigen, welchen Zweck die Maschine am Ende in der Fabrik des Kunden eigentlich erfüllen soll. „Es braucht die Bereitschaft zum permanenten Lernen“, fasst es Thönes zusammen.

          Denn nur so lässt sich vermeiden, dass hierzulande Maschinen erdacht werden, die zwar auf dem neuesten Stand der Technik sind, an den Kundenwünschen aber vorbeizielen. Dazu müssen aber nicht nur viele Unternehmen umdenken, mahnt der DMG-Vorstand. Auch in den Universitäten bleibe man noch zu sehr im jeweiligen Spezialfach des Maschinenbaus verhaftet. „Auch die Hochschulen sind aufgefordert, stärker ganzheitlich zu denken“, fordert Thönes.

          Touch-pad-Oberfläche und App-ähnliche Navigationshilfen erleichtern das Bedienen der Maschinen.

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