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Technik-Campus : Apple? Nein, Audi!

Schöner arbeiten: Bis Ende dieses Jahres sollen mindestens 700 IT-Spezialisten von BMW auf dem Business Campus in München Unterschleißheim einziehen. Bild: wilkdesign

Auf dem Weg zum autonomen Fahren entsteht ein neuer Technik-Campus nach dem anderen. BMW, Volkswagen und Co. buhlen um die besten Ingenieure – und da spielt auch die richtige Arbeitsatmosphäre eine wichtige Rolle.

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          Wenn es um das Auto der Zukunft geht und darum, wer es wo entwickelt, dann ist immer wieder von Google und Apple die Rede. Die Silicon-Valley-Giganten haben zwar noch kein einziges Auto serienreif auf die Straße gebracht, aber der avantgardistischen Hightech-Industrie eilt ein derart guter Ruf voraus, dass er die traditionsreichen Autohersteller alt aussehen lässt. Google und Apple investieren zudem hohe Summen, um ihren Mitarbeitern ein kreatives Arbeitsumfeld zu bieten.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Apple-Gründer Steve Jobs legte ein Jahr vor seinem Tod dem Stadtrat im kalifornischen Cupertino die Pläne für ein neues Verwaltungsgebäude vor: „Es sieht aus, als ob ein Raumschiff gelandet wäre“, sagte er damals über den riesigen, ringförmigen Komplex, den Apple nun Jahre nach Jobs Vorstellungen als „ein Zentrum für Kreativität und Zusammenarbeit“ preist. Inzwischen ziehen immer mehr Mitarbeiter aus der bisherigen Zentrale in Cupertino in den neuen „Apple Park“ um, 12.000 Menschen sollen dort arbeiten. Apple hat sich den vom Stararchitekten Norman Foster entworfenen Neubau angeblich 5 Milliarden Dollar kosten lassen.

          Der Apple-Park taugt – mal wieder – als Vorbild. Die deutschen Autohersteller wissen, dass sie hochqualifizierten Talenten ebenfalls ein attraktives Umfeld bieten müssen, wollen sie im Zeitalter der Digitalisierung ihr Terrain unter Kontrolle behalten. Und so überrascht es nicht, dass BMW und Audi ebenfalls die Campus-Idee aufgegriffen haben.

          Umzug nach Unterschleißheim

          An der Zukunft der im Jahr 1916 in München gegründeten Bayerischen Motoren Werke wird jetzt jedenfalls vor den Toren der Landeshauptstadt getüftelt. Noch in diesem Monat ziehen die ersten Ingenieure und Informatiker in das neue Forschungs- und Entwicklungszentrum für autonomes Fahren nach Unterschleißheim um. Hier, auf dem ehemaligen Airbus-Gelände, hat BMW einige bestehende Bürogebäude umgebaut und für eine Übergangszeit eine Leichtbauhalle als Werkstatt errichtet. Parallel dazu wird das rund 200.000 Quadratmeter große Gelände von einem Immobilieninvestor weiterentwickelt, BMW ist „nur“ Mieter. Bis Ende dieses Jahres sollen mindestens 700 IT-Spezialisten auf dem BMW-Campus arbeiten, rund 2000 sollen es bis Ende kommenden Jahres sein. Und BMW sucht weiter nach IT-Spezialisten, wie Milagros Caiña-Andree sagt: „Wir stellen schon heute fast so viele IT-Spezialisten ein wie Maschinenbauer, Tendenz steigend“, sagt die für Personalfragen zuständige Vorstandsfrau des Unternehmens. In der Entwicklung des hochautomatisierten Fahrens sind bei BMW derzeit rund 60 IT-Spezialisten ausdrücklich mit den Themen Künstliche Intelligenz und Machine Learning beschäftigt, aktuell sollen weitere 20 bis 30 Spezialisten eingestellt werden.

          BMW treibt das autonome Fahren in enger Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Chipkonzern Intel und dem israelischen Kameraspezialisten Mobileye voran. Auch der Fiat-Chrysler-Konzern, der bislang mit dem Google-Ableger Waymo das autonome Fahren erforscht hat, ist kürzlich der internationalen Arbeitsgemeinschaft beigetreten. In diesen Tagen schickt BMW die ersten 40 selbstfahrenden Versuchsfahrzeuge auf europäische und amerikanische Straßen. Und im Jahr 2021 soll der „iNext“, die erste vollständig selbstfahrende Limousine, serienreif sein.

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