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Spezialisten für Sensoren : Wenn Autos selbst die Staus umfahren

Hightech auf der Fingerkuppe: Sensoren Bild: Rainer Wohlfahrt / F.A.Z.

Ingenieure, die sich mit Sensortechnik auskennen, müssen sich um ihre Jobs derzeit keine Sorgen machen. Unternehmen reißen sich um diese Spezialisten. Denn sie können zum Beispiel Maschinen beibringen, selbständig Fehler zu finden.

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          Das Glasröhrchen ist kaum größer als ein Nagellack-Fläschchen und enthält doch Tausende technischer Wunderwerke: Sensoren des Typs BMA 355, so winzig, dass man schon genau hinsehen muss, um die schwarz-silbern schimmernden Teile mit ihrem intelligenten Innenleben zu erkennen. Die Digitalkamera, die Aufnahmen im Hochformat automatisch dreht, nutzt Bewegungssensoren dieser Art, auch in Handys, Spielekonsolen, Schrittzählern oder Hörgeräten wird mancher Komfort für den Verbraucher erst möglich durch Sensoren. Die Faszination für solche Chancen, die in der Mikromechanik stecken, hat Laura Bohne während ihres Studiums an der TU Darmstadt gepackt. Dort lernte sie den „Bosch-Prozess“ kennen, der es ermöglicht, das Silizium in den Sensoren mit besonders tiefen Strukturen zu versehen und so auf kleinster Fläche möglichst viel Wirkung zu erzielen. 2007 war das, als man von einem Winzling wie dem BMA 355 allenfalls eine Vision hatte. Heute arbeitet Laura Bohne als Projektleiterin genau dort, wo solche Fortschritte systematisch erarbeitet werden: bei der Bosch Sensortec GmbH. Der Stuttgarter Bosch-Konzern, eigentlich eher bekannt als Autozulieferer oder durch seine Elektrowerkzeuge und Hausgeräte, gehört auch in der Welt der Sensoren zu den führenden Anbietern. In jedem zweiten Smartphone sind Sensoren aus dem Bosch-Werk in Reutlingen auf der Schwäbischen Alb verbaut.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Laura Bohnes Begeisterung für diese Welt der kleinen Strukturen ist hilfreich für ihre Aufgabe als Projektleiterin - denn im Idealfall steckt sie das ganze Team mit ihrer Leidenschaft an. Ziel ist es, die nächste Generation von Beschleunigungssensoren auf den Markt zu bringen. Die Idee für das neue Produkt kam wie meistens aus dem Marketing, wo kreative Köpfe künftige Verbraucherwünsche vorhersehen. Die Kollegen aus der Vorentwicklung prüfen, was technisch realisierbar ist. Einkauf und Logistik checken die möglichen Beschaffungskosten. Im Verkauf wird schon mal das Kundeninteresse ausgelotet. Jeder im Team hat deshalb eine ganz eigene Sichtweise. Während die einen vom technisch Möglichen schwärmen, fürchten andere um ausufernde Kosten, und wieder andere wollen alles vor allem schnell, um der Konkurrenz davonzueilen.

          Alles ist hoch geheim

          „Ich finde es spannend, diese Interessen zusammenzubringen“, sagt Laura Bohne - das nämlich ist ihr Job: alle Beteiligten auf das gemeinsame Ziel einzuschwören. Hierarchien gibt es nicht in so einem Projektteam. Die 31 Jahre alte Ingenieurin hat nur ihre eigene Kompetenz als Mittel: „Ich muss rausfinden: Was ist die Karotte für jeden Einzelnen, was treibt ihn, wie krieg ich ihn auf den richtigen Weg, auch wenn die Randbedingungen schwierig sind?“, beschreibt sie ihre Arbeit. Sprechen, sprechen, sprechen ist das Mittel, das ihr zur Verfügung steht. Wie sieht denn dann ihr Arbeitstag aus? „Ich sitze in Meetings, in Abstimmungsrunden mit den verschiedenen Beteiligten.“

          Es geht in diesen Runden um die Zukunft, und deswegen ist alles hoch geheim. Laura Bohne darf kaum etwas über ihr großes Projekt sagen, das sie seit Herbst 2013 vorantreibt. Selbst Zahl und Anordnung der Pins, jener kleinen, mit bloßem Auge kaum noch sichtbaren Kontaktstellen auf dem Sensor, könnten Wettbewerber allzu schlau machen. Eines immerhin verrät sie: Es geht ums Stromsparen. Nicht im Haushalt oder im Büro, sondern im Sensor selbst. Das große Stichwort dahinter heißt Industrie 4.0 - jene Vision einer Welt, in der alles mit allem verknüpft und vernetzt ist: Das Auto wird schon beim Einsteigen spüren, wer heute sein Fahrer ist, und sofort angeben, ob auf der üblichen Heimwegstrecke Stau ist. Die kaputte Maschine weiß genau, welches Teil kaputt ist und wo die Reparatur anzufordern ist. Das Armband misst, ob der Opa sich ganz normal durch seine vier Wände bewegt oder ob er gestürzt ist, dann wird Hilfe gerufen. Nach und nach werden solche Anwendungen der verknüpften Welt Realität, und allen ist eines gemeinsam: Sie brauchen Sensoren, und diese sollen mit möglichst wenig Strom auskommen, damit das Thema Energieversorgung keines ist.

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