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Software als Antrieb : Warum Autohersteller Computerspezialisten suchen

Ganz digital: VW schult Mitarbeiter mit der VR-Brille. Bild: Volkswagen AG

18 Milliarden Euro wollen allein die deutschen Autohersteller innerhalb der nächsten drei Jahre in die Digitalisierung stecken. Davon profitieren vor allem IT-Fachkräfte.

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          Für den Chef des absatzstärksten Autoherstellers der Welt steht fest, welche Rolle Software künftig in seinem Unternehmen spielen wird: Volkswagen müsse ein von Software angetriebener Autohersteller werden, wiederholt dessen Vorstandsvorsitzender Herbert Diess immer wieder. In einer Welt der vernetzten und irgendwann womöglich auch automatisiert fahrenden Autos spielt Software eine immer größere Rolle. Auch deshalb findet innerhalb der wichtigsten Marke des Konzerns, VW, ein personeller Umbau statt. Einerseits hat das Unternehmen angekündigt, 5000 bis 7000 Stellen abzubauen, indem es Routinearbeiten automatisiert. Auf der anderen Seite sollen in der Entwicklungsabteilung 2000 neue Arbeitsplätze entstehen – für Mitarbeiter, die an der Elektromobilität tüfteln, IT-Systeme aufbauen und betreuen oder Software entwickeln. Erst im Februar hat VW einen eigenen Vorstand berufen, der alle Software-Aktivitäten bündeln und verantworten soll.

          Martin Gropp
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Innerhalb der deutschen und der globalen Autobranche ist Volkswagen nicht allein. Mehr als 18 Milliarden Euro wollen die deutschen Autohersteller innerhalb der nächsten drei Jahre in das Thema Digitalisierung stecken. Ein Teil dieses Geldes wird in die Gehälter für IT-Fachleute oder Software-Entwickler fließen. Auch Autohersteller in den Vereinigten Staaten, in Japan oder in China digitalisieren sowohl ihre Produktion als auch ihre Produkte und brauchen dafür IT-Spezialisten. Erst in der vergangenen Woche hat wiederum Volkswagen angekündigt, mit dem Internetkonzern Amazon zusammenzuarbeiten, um die Fertigung in den 122 Fabriken des Konzerns zu vernetzen und so effizienter zu machen. In der dafür gegründeten Mannschaft sollen künftig mehr als 200 Fachleute arbeiten.

          An der Schnittstelle zwischen Technik, IT und Gesellschaft

          IT-Themen wie Vernetzung, Cloud Computing, die Analyse massenhaft anfallender Daten und das Internet der Dinge seien nur einige der Schlagworte, die in den nächsten Jahren viel Wissen, Flexibilität und interdisziplinäres Handeln erforderten, heißt es vom Autohersteller Daimler. „Wir sehen die Digitalisierung und Weiterentwicklung der Automobilbranche zum autonomen Fahren sowie die zunehmende Vernetzung der Produktion als große Chance“, sagt ein Sprecher. „Neben dem klassischen Maschinenbau- und Ingenieur-Wissen erfordert das vor allem fachliche Fähigkeiten an der Schnittstelle zwischen Technik, IT und Gesellschaft.“ Ob es nun um die Programmierung von Fertigungsrobotern geht oder um das Betriebssystem MBUX für die Mercedes-Autos – es gebe bei Daimler viele Herausforderungen und zahlreiche Entwicklungsperspektiven, insbesondere für IT-Absolventen.

          Freilich suchen auch andere Unternehmen aus vielerlei Branchen genau solche Bewerber. Auch deshalb hat Daimler vor zwei Jahren einen neuen Weg beschritten, um spezialisierte Mitarbeiter zu finden. Damals veranstaltete das Unternehmen erstmals „IT@Daimler“, eine Jobmesse für Berufe mit Bezug zur Informationstechnik. Die Messe fand nicht etwa am Sitz des Unternehmens in Stuttgart statt, sondern rein virtuell im Internet. Sie sei ein großer Erfolg gewesen, sagt der Sprecher. Mehr als 2000 Interessenten hätten sich im Vorfeld angemeldet, rund 800 Teilnehmer dann auch tatsächlich mitgemacht und sich mit Daimler-Mitarbeitern über etwa 500 offene IT-Stellen ausgetauscht. Im Nachgang seien dann Dutzende Teilnehmer eingestellt worden. Ein Jahr später wiederholte Daimler die Messe, diesmal nahmen 700 Bewerber daran teil.

          Gleichzeitig begeben sich die Mitarbeiter der Daimler-Personalabteilung aber auch aktiv auf die Suche nach passenden Kandidaten und sprechen diese über soziale Netzwerke an. „Wir als Arbeitgeber ergreifen Initiative und ,bewerben‘ uns beim Kandidaten“, teilt das Unternehmen mit. So könnten auch Fachleute aus bisher noch unerschlossenen Zielgruppen gefunden werden, zum Beispiel IT-Forensiker, Cloud-Architekten oder Ingenieure für Cyber-Sicherheit.

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