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Porsche-Ingenieure : Handarbeit am Q-Faktor

  • -Aktualisiert am

Komplexes Innenleben: „Kein Porsche gleicht dem anderen.“ Bild: Peter Thomas

Die Spezialisten von Porsche setzen beim Qualitätsmanagement auf „Cubing“ und „Meisterbock“. Machen sie ihre Arbeit gut, lohnt sich das doppelt.

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          Über Fehler reden Automobilhersteller normalerweise nicht gerne. Der Sportwagenhersteller Porsche aber schon. Und zwar vor allem darüber, wie man in Zuffenhausen noch weniger davon machen will als schon bisher. Das funktioniert nur durch ein nahtloses Qualitätsmanagement in allen Prozessen, sagt Frank Moser, der den Bereich Unternehmensqualität der Porsche AG leitet: „Qualität ist kein Zufall, sondern ein gesteuerter Prozess.“ Natürlich ist Qualitätsmanagement keine Erfindung von Porsche. Aber das Unternehmen nimmt sich der Sache besonders kompromisslos an - das passt irgendwie auch zu den Fahrzeugen, die hier vom Band laufen.

          Das Geschäftsmodell des Sportwagenbauers macht es dabei nicht einfach, diesen Anspruch umzusetzen. Schließlich ist der Individualisierungsgrad der einzelnen Porsche-Fahrzeuge ausgesprochen hoch. „Kein Porsche gleicht einem anderen“, sagt Moser, was vielleicht ein wenig auf die Spitze getrieben klingt, den Grundsatz aber verdeutlicht. Der Kunde von Porsche schätzt es womöglich noch mehr als der anderer Hersteller, sein Auto ganz nach seinen Vorstellungen zusammenzustellen. Das bedeutet für den Hersteller viel Handarbeit und die Montage vieler Sonderteile. Zudem lässt Porsche knapp 80 Prozent aller verbauten Teile außer Haus produzieren und von den Zulieferern just in time oder just in sequence, also passgenau zum Takt der Produktion, an das Band liefern. Auch hier gäbe es viele mögliche Fehlerquellen. Und genau deshalb ist eine bloße Eingangskontrolle der Teile auch keine Lösung: „Das wäre Qualitätsmanagement der 1970er-Jahre“, sagt Moser.

          Stattdessen bindet Porsche die Zulieferer - viele davon sind kleine, hochspezialisierte Unternehmen - direkt in das Qualitätsmanagement des Unternehmens ein. So lassen sich Probleme früh erkennen und beheben.

          Bestimmte Arbeitsschritte werden ins Werk zurückgeholt

          Zu dieser Philosophie gehört aber auch, bestimmte Arbeitsschritte wieder in das Werk hineinzuholen. So baut Porsche die Presswerkzeuge für Karosserieteile neuerdings wieder selbst. Dann stellt man sie den Zulieferunternehmen zur Verfügung, wo die Rohbauteile gefertigt werden. Auf diese Weise hat das Unternehmen die Übertragung der komplexen Formgebung mit ihren zahlreichen konkav-konvexen Übergängen vom Entwurf in das fertige Karosserieteil direkt im Griff. Schließlich werden auch die Ansprüche an die Formen komplexer und der Ideenreichtum der Designer nicht kleiner.

          Aber was ist eigentlich Qualität? Es gibt sogar eine eigene Norm dafür (ISO 9000), deren Wortlaut („Qualität ist der Grad, in dem ein Satz inhärenter Merkmale eines Objekts Anforderungen erfüllt“) zunächst nicht wirklich weiterhilft. Praxisnäher scheint da schon die Definition von Qualität in Zuffenhausen. Dort unterscheidet man zwischen emotionaler Qualität (Design, Leistung, Sound), funktionaler Qualität (Zuverlässigkeit, Alltagstauglichkeit), Anmutungsqualität (Haptik, Wertigkeit, Fugenbild) und Servicequalität (die Leistungen des Unternehmens gegenüber dem Kunden). Vor allem die drei ersten Qualitätsbereiche hängen entscheidend davon ab, wie das Fahrzeug in allen Teilen geplant, produziert und montiert wird. Deshalb gibt es ein ganzes Arsenal an Werkzeugen und Methoden, mit denen die Qualitätssicherung einen Porsche auf dem Weg vom Entwurf bis zur Auslieferung verfolgt.

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