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Kreativschmieden für Entwickler : „Zusammen ist man einfach schlauer“

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Gemeinsam kreativ sein: Das wollen nicht länger nur Nerds im Coworking-Space, sondern auch Ingenieure und Forscher Bild: Matthias Lüdecke / F.A.Z.

Wie ein neuer Roboter entsteht oder ein künstliches Organ? Ingenieure und Forscher machen daraus oft ein Geheimnis. Doch die junge Facebook-Generation tickt anders - und teilt Wissen und Ideen. Reportage aus einem Berliner Kreativlabor.

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          Noch sieht der kindergroße Roboter von Pierre Braun ein wenig ungelenk und halbfertig aus. Aber er arbeite ja auch erst seit einem halben Jahr und nur in seiner Freizeit an dem Gerät, sagt der 25 Jahre alte studierte Maschinenbauer mit einem Schmunzeln. Einen Serviceroboter will er erschaffen, der zum Beispiel bettlägrigen Menschen gute Dienste tun kann - ein Glas Wasser bringen etwa. Und der Roboter soll deutlich günstiger sein als die schon existierenden automatischen Helfer aus Japan, fügt der Franzose mit deutschen Wurzeln hinzu. „Meine allein lebende Oma könnte so ein Gerät gut gebrauchen“, sagt er.

          Brauns Idee, mit diesem Prototypen den Startpunkt für ein späteres Roboterunternehmen zu setzen, mag verwegen klingen. Aber er kann dazu eine Umgebung nutzen, von der Hobbybastler in früheren Jahren nur geträumt haben. Nicht nur, dass das Internet heutzutage Finanzierungen im Schwarmverfahren ermöglicht. 20.000 bis 40.000 Euro will Braun mit Hilfe des „crowdfunding“ in nächster Zeit einsammeln. Zudem entwickelt und baut der junge Ingenieur seinen Roboter in den Räumen des Berliner Fab Lab, wo sich eine Vielzahl von Technikern, Designern oder Bastlern trifft, um ihre Projekte voranzutreiben - und ihr Wissen zu teilen. Die Software etwa, die Braun benötigt, wird zum Teil von seiner alten Universität in Metz mitentwickelt, zum Teil ist sie im Internet frei erhältlich, und zum Teil hilft man sich in der Fab-Lab-Werkstatt untereinander. „Wir sind Teil eines global verteilten Forschungsnetzwerks“, sagt Wolf Jeschonnek, der das Fab Lab in Berlin vor einem Jahr aus der Taufe gehoben hat und als GmbH betreibt. „Dies ist ein Ort, an dem viele Ideen offen weiterentwickelt werden.“

          Einige hundert solcher „Labore“, in denen digitale Produktionsmethoden wie 3D-Druck erlernt und für neue Projekte benutzt werden können, gibt es rund um den Globus schon. Erstmals wurde ein solches Fab Lab („fabrication laboratory“) 2002 in Harvard am Institut MIT ins Leben gerufen, und sie alle sollen Unternehmergeist und Weitergabe von Wissen gleichermaßen fördern. „Open Source“-Entwicklung, also die Offenlegung von Programmen und Ideen, ist ein zentrales Anliegen der Fab-Lab-Macher, aber es geht nicht um Altruismus und Gutmenschentum. „Open source arbeiten und gleichzeitig Geld verdienen, das ist erlaubt“, sagt Bram de Vries.

          Nicht im stillen Kämmerlein

          Der 35 Jahre alte Niederländer ist studierter Feinmechaniker und hat zusammen mit zwei Gleichgesinnten das Unternehmen Laydrop gegründet. Sie stellen 3D-Drucker namens i3 her, die als Ganzes oder im Baukasten erworben und mit ein wenig Anleitung vom Käufer zusammengesetzt und für den Gebrauch zu Hause oder in einem kleinen Betrieb eingesetzt werden können. Alle erdenklichen Plastikteile in einer Größe bis zu 20 × 20 × 20 Zentimeter können mit den 3D-Druckern von Laydrop dann hergestellt werden, sagt de Vries, zwischen 960 und 1300 Euro kostet das Gerät. Knapp 70 Stück davon seien schon im Markt, eine Monatsproduktion von bis zu 50 Einheiten ist geplant.

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