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Ingenieurs-Recruiting : Die Chemie muss stimmen

Nicht immer einfach: Talente für die Chemiebranche zu begeistern. Bild: dpa

Viele Chemie- und Pharmaunternehmen stehen gut da, trotzdem ist die Stimmung durchwachsen. Und für hoch spezialisierte Stellen gestaltet sich die Nachwuchssuche schwierig.

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          Der Einzug der Digitalisierung in die Produktionsprozesse der Industrie beschäftigt auch den Weltmarktführer in der Chemie, die BASF. Allein in Ludwigshafen, auf dem größten zusammenhängenden Chemiegelände der Welt, beschäftigt der Konzern fast 40.000 Menschen in mehr als 100 zusammenhängenden Produktionsbetrieben. Planung, Bau, Wartung und Betrieb der Anlagen bieten Ingenieuren ein weites Feld - nicht nur Fachleuten aus der Chemie und Biotechnologie. „Wir stellen Ingenieurinnen und Ingenieure der unterschiedlichsten Fachrichtungen ein“, sagt Birgit Le Guillou, die für den Konzern die Talentsuche mitverantwortet.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Interessiert sei BASF unter anderem an Verfahrenstechnikern, Automatisierungstechnikern, Maschinenbauern, Elektrotechnikern, Wirtschaftsingenieuren und Bauingenieuren. Vor allem im Anlagenbau verändere die Digitalisierung bestehende Arbeitsfelder, weil immer mehr Prozessschritte automatisiert würden, hinzu kämen datengestützte Simulationen. Solche Neuerungen beträfen nicht nur neu gebaute Anlagen, sondern auch den Umbau von bestehenden Produktionsprozessen.

          Die Anforderungen an Bewerber haben sich nach Darstellung der BASF-Personalverantwortlichen deshalb aber nicht verändert. Ingenieure sollten schon eine Affinität zur IT besitzen und Verständnis für die Digitalisierung mitbringen, sagt sie, spezielle IT-Kenntnisse seien aber nicht erforderlich. Der Konzern setzt nach ihren Worten auf Projektteams, in denen Ingenieure und Informatik-Spezialisten zusammenarbeiten. Zugleich würden Ingenieure intern fortgebildet. Dieses lebenslange Lernen sei Teil des umfassenden Angebotpakets an neue Bewerber.

          Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) hat gerade das Fehlen solcher Fortbildungen branchenweit beklagt. Im internationalen Vergleich sei die deutsche Prozessindustrie nur mäßig fortgeschritten. Für eine erfolgreiche Umsetzung von Industrie 4.0 fehle es in Deutschland an geeigneten Management-Strukturen, angepassten Geschäftsprozessen sowie an Fachkompetenzen in den Betrieben. Nur jeder Dritte fühlt sich nach einer Umfrage des VDI für die digitale Transformation ausreichend vorbereitet.

          Schwierige Suche für spezielle Stellen

          Das Interesse an der Chemieindustrie hat sich deswegen nicht vermindert. Nach den Worten von Le Guillou bekommt BASF nach wie vor ausreichend Bewerber auf eine Stelle - mehrere tausend im Jahr, im Schnitt mit zufriedenstellender Qualifikation. „Das Niveau der Bewerber ist über die letzten Jahre stabil geblieben“, sagt sie. Je spezieller eine Stelle sei, desto schwieriger könne sich die Suche gestalten. In manchen Fällen spreche der Konzern Kandidaten auch direkt an und sondiere vorab den Markt, etwa in sozialen Medien.

          Das schwache wirtschaftliche Umfeld und der Druck auch durch die Digitalisierung ist aktuell durchaus in der Mitarbeiterzufriedenheit in der „Hochlohnindustrie“ Chemie zu spüren. Der Führungskräfteverband VAA konstatierte kürzlich lapidar: Die chemische Industrie sei derzeit durch starke Veränderungen geprägt. „Obwohl viele deutsche Chemie- und Pharmaunternehmen wirtschaftlich gut dastehen, ist die Stimmung deshalb nach wie vor durchwachsen.“

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