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Forschen am fahrerlosen Auto : Pioniere des Straßenverkehrs

Fahrerlos: Früher macht „K.I.T.T.“0 die Straßen unsicher, heute ist es „Made in Germany“. Bild: FU Berlin

Am Lehrstuhl für künstliche Intelligenz der FU Berlin tüftelt ein Professor mit seinen Studenten an einem Auto, das alleine fährt. Wer mitmacht, hat exzellente Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

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          Von der Idee, ein selbstfahrendes Auto zu bauen, erfuhr Tinosch Ganjineh per E-Mail. Es war das Jahr 2006, und er studierte an der FU Berlin Informatik. „Wir bauen ein fahrerloses Auto und suchen Studenten, die mitmachen“, schrieb der Professor Raúl Rojas, Leiter des Lehrstuhls für künstliche Intelligenz, damals in die Runde. „Mich erinnerte das an Knight-Rider- Träume aus meiner Kindheit“, erzählt Ganjineh mit Blick auf die amerikanische Action-Serie über das eigenwillige Auto K.I.T.T. „Deshalb bin ich am nächsten Tag einfach mal hingegangen.“ Aus dem Einfach-mal-Hingehen wurde eine lange Karriere. Das Studium ist inzwischen abgeschlossen - mit einer Diplomarbeit über die „Entwicklung eines hybriden Verhaltensansatzes zur Steuerung autonomer Fahrzeuge“.

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Die Doktorarbeit, ebenfalls rund um das fahrerlose Fahren, ist noch in der Mache. Das Roboterauto mit dem etwas unkreativen Namen „Made in Germany“ (MIG) hat Ganjineh durch all seine Stationen begleitet: Bei seiner ersten selbständigen Fahrt im Kreis auf einem stillgelegten Bahngelände in Berlin. Auf der „Darpa Grand Challenge“ 2007 in Amerika, einem Wettbewerb für fahrerlose Autos, in dem MIG überraschend unter die besten 15 kam. Bis hin zur Zulassung durch den TÜV für das autonome Fahren im Berliner Stadtverkehr - mit einem Sicherheitsfahrer, der notfalls bremsen kann, wenn doch mal etwas schiefläuft.

          Mitten durch den Berliner Stadtverkehr.
          Mitten durch den Berliner Stadtverkehr. : Bild: FU Berlin

          Schiefgelaufen ist indes wenig, wenn es um Tinosch Ganjinehs Karriere geht. Ein geradliniges Studium sieht zwar anders aus. Die Diplomarbeit etwa hätte schon 2006 auf völlig anderem Gebiet fertig werden sollen. Doch ist aus dem Roboterautoprojekt „Autonomos“, für das sich Ganjineh stattdessen die Tage und Wochenenden um die Ohren schlug, nicht nur ein Fahrzeug entstanden, das sich mit dem fahrerlosen Google-Auto messen kann: Es findet eigenständig seinen Weg durch die Berliner Innenstadt, kann an Ampeln stoppen und die Geschwindigkeitsbegrenzung einhalten. Es bremst vor einem Stau, hält die Spur, sieht Hindernisse und beachtet sogar die Rechts-vor-links-Regel. Mittlerweile gibt es sogar eine eigene Firma unter Leitung Ganjinehs, die mehrere der großen deutschen Autohersteller mit Technologie für das autonome Fahren beliefert. Denn inzwischen tüfteln alle großen Autobauer an selbstfahrenden Pkws; aus den Knight-Rider-Träumen ist innerhalb weniger Jahre ein harter, realer Wettbewerb geworden. Wer sich da mit Grundlagenforschung auskennt, bekommt ständig Stellenangebote aus der Industrie auf den Tisch. „Noch schöner aber ist es, mit so einer Uni-Ausgründung sein ganz eigenes Ding zu machen“, findet der 33-Jährige.

          Die FU Berlin bietet für Studenten, die sich für autonomes Fahren interessieren, einen guten Startpunkt. Etwa 40 Personen haben nach Angaben von Lehrstuhlinhaber Raúl Rojas bislang auf verschiedenste Weise an der Weiterentwicklung des fahrerlosen Autos mitgewirkt: „Das geht vom Bachelorstudenten bis zum Doktoranden“, sagt Rojas. Hauptsächlich Informatiker waren bislang dabei, aber auch Elektroniker, Mechatroniker und Physiker, die Rojas sich von der TU Berlin oder von anderswo hinzuholte.

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