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FAZ.NET-Fotoaktion : Weiblich, zierlich, Ingenieurin

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Franziska Heppner startet die Fotoreihe #ichsehwieeineingenieurinaus
Franziska Heppner startet die Fotoreihe #ichsehwieeineingenieurinaus : Bild: Privat

Seit zweieinhalb Jahren arbeitet Franziska Heppner bei ihrem jetzigen Arbeitgeber. Zunächst programmierte sie Simulationen der Strömungsabläufe von Motoren, vor kurzem hat sie jedoch in eine andere Abteilung gewechselt, in der sie neben vielen Managementaufgaben vor allem den Kontakt zur Motormontage hält. Für die neue Stelle hat Heppner drei Wochen in der Montage mitgearbeitet, der Abteilung, in der „man richtig mit anpacken muss.“ Nach kurzen Berührungsängsten „auf beiden Seiten“, lief es reibungslos: „Ich habe selbst versucht, die Sache offen und vorurteilsfrei anzugehen, und genauso wurde ich empfangen.“ Der Umstand, dass die zierliche junge Frau nicht mit derselben Kraft zupacken konnte wie manch ein Mann, sei gar kein Thema gewesen.

Heppners Stellenwechsel erfolgte auf Eigeninitiative, aber auch auf ausdrücklichen Wunsch ihres Arbeitgebers, der sich für ein bis dahin reines Männerteam eine Frau wünschte, von der er sich neue Impulse und ein besseres Arbeitsklima erhoffte. „Viele Männer neigen dazu, Probleme im Alleingang im stillen Kämmerlein lösen zu wollen. Ich hingegen spreche sie offen an und strebe eher eine Lösung im Team an - Eigenschaften, die allgemein eher Frauen nachgesagt werden.“ Ob es sie nicht stört, die „Quotenfrau“ zu sein. „Überhaupt nicht. Ich habe dadurch das Gefühl, besonders gebraucht zu werden, und das gefällt mir.“ Gleichzeitig seien ihr im Bewerbungsgespräch für die neue Stelle auch viel Schlagfertigkeit und Durchsetzungsvermögen attestiert worden, was meist eher Männern als Attribut zugeordnet wird.

Vorteile aufgrund der Weiblichkeit?

Haben weibliche Ingenieurinnen in Deutschland am Ende sogar gerade aufgrund ihres Geschlechtes Vorteile? Weil die Unternehmen mittlerweile so viel Wert auf gemischte Teams legen? Der Karriereschritt von Heppner sei tatsächlich in dieser Hinsicht fast schon ein Klassiker, so Kastell vom VDI. Viele Unternehmen sähen Frauen im Team als eine Bereicherung, da sie eine soziale Komponente einbrächten, die zu einem besseren Umgang mit Konflikten und zu einer schnelleren Lösung von Problemen führe. Frauen im Ingenieurberuf seien also erwünscht und die Arbeitgeber an Ingenieurinnen sehr interessiert, so Kastell. Luft nach oben gebe es aber natürlich immer noch.

So ermittelt ihr Verein mit Zahlen des Statistischen Bundesamtes regelmäßig die Anzahl der Deutschen, die als Ingenieure arbeiten. Übten im Jahr 2005 noch 205 000 Frauen den Ingenieurberuf aus, waren es fünf Jahre später 78 000 mehr. Betrachtet man allerdings auch den Anteil der Männer im Ingenieurwesen, so ist auch dieser gewachsen, und zwar von 1,2 Millionen im Jahr 2005 auf 1,4 Millionen im Jahr 2012. Die Frauen holen also zahlenmäßig auf, aber nicht ganz so stark, wie es auf den ersten Blick scheint. Branchenverbänden und Unternehmen müsse es daher weiterhin gelingen, Frauen für das Ingenieurwesen zu begeistern, so Kastell. Sie setzt dabei vor allem auf sogenannte „Role Models“, also erfolgreiche Ingenieurinnen, die von ihren Erfahrungen berichten. Auch sie selbst möchte ein solches Role Model sein. Was Isis Wenger auf Twitter machte, versucht Kira Kastell im wirklichen Leben - auf Podiumsdiskussionen. „Wir wollen damit zeigen: Das ist eine Frau, die hat es geschafft, die ist glücklich in diesem Beruf.“ Wie Wenger findet auch Kastell es völlig unnötig, als Ingenieurin männlich aufzutreten oder gar die Weiblichkeit zu verstecken, um erfolgreich zu sein. „Ich hatte immer lange Haare und trage oft bunte Shirts, gerne auch in pink“, sagt sie. Wichtig ist ihr aber auch, die Geschlechter nicht über einen Kamm zu scheren. „Ich habe in meinem Berufsleben auch dominante Frauen und zurückhaltende Männer erlebt.“

Auch Heppner findet, „ es gibt einfach Unterschiede zwischen verschiedenen Menschen, nicht nur zwischen Männern und Frauen“. Natürlich glaubten nicht alle Kolleginnen an die Gleichberechtigung. Eine Freundin beklage immer wieder, dass sie als Frau nicht für voll genommen werde. Heppner sieht das pragmatisch. „Sie ist sehr empfänglich für das Thema. Wenn jemand meine Autorität oder meine Fähigkeiten in Frage stellt, dann ziehe ich mir den Schuh gar nicht erst an, zu glauben, dass hänge damit zusammen, dass ich eine Frau bin.“

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