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E-Mobilität : Vierzig Studenten und ein Elektroflitzer

Bild: Peter von Tresckow

Hamburger Studenten haben ein Elektroauto gebaut. Dafür gibt es keine Leistungspunkte, aber Praxiserfahrungen und wichtige Kontakte zu Unternehmen.

          4 Min.

          Im Hamburger Stadtpark brüllen die Motoren. Die Fahrer rollen an die Startlinie und zeigen, wie laut ihre Oldtimer knurren können. Der Aston Martin donnert und dröhnt, der Jaguar faucht und knurrt, und der Formel-3000-Klassiker Ralt Cosworth knattert so laut, dass den Zuschauern am Rand der Strecke schon vor Beginn des Rennens fast das Trommelfell platzen. Rund um den Park drängen sich Tausende Besucher hinter Zäunen, Heuballen und Fahrbahngittern. Zwischen den blitzenden Karossen wartet ein kleines weißes Auto auf den Start. Kaum größer als ein Gokart, duckt es sich zwischen den leistungsstarken Veteranen. Der Motor gibt keinen Laut von sich, nur ein Blinklicht am Überrollbügel zeigt, dass die Elektromaschinen im Heck bereit sind loszufahren. Die zurechtgestutzte Außenhaut ist mit Aufklebern von Sponsoren übersät, die Kunststoffnase mit Klebeband fixiert. Der Helm des Fahrers guckt aus dem Gitterrohrrahmen hervor, der die ganze Konstruktion irgendwie zusammenhält. Alexander Knittler steht am Straßenrand, lässt den Wagen nicht aus den Augen und brummt: „Hauptsache, wir bleiben unterwegs nicht liegen.“

          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Knittler ist 21 Jahre alt und studiert allgemeine Ingenieurwissenschaften an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH). Zusammen mit einigen Kommilitonen hat er den kleinen Flitzer gebaut. Auf der Oldtimer-Rallye in Hamburg fahren die Studenten zwar nur zum Spaß mit und um ein bisschen bekannter zu werden. Aber jeder Einsatz ist eine wichtige Testfahrt, denn bisher hat der Elektroflitzer zuverlässig versagt, sobald es ernst wurde.

          Akku-Ausfall nach Runde acht

          Bei einem Rennen in Silverstone kam der Wagen nicht über die Startlinie hinaus, weil sich in einem Kontrollsystem des Motors Wasser angesammelt hatte. In Hockenheim fiel nach der achten Runde ein Akku aus, und nur wenige Tage vor der Rallye in Hamburg brach ein Bauteil der hinteren Radaufhängung. Das sei jetzt alles repariert, sagt Knittler und reckt sich über das Absperrgitter. Dann flattert die Fahne, die Motoren dröhnen, und die Rennwagen schießen an den Zuschauern vorbei.

          Dass dieses Auto überhaupt existiert, grenzt an ein kleines Wunder. Viele Bauteile, vom Getriebe über das Fahrwerk bis zum Lenkrad, haben die Studenten selbst gezeichnet, gefräst und zusammengeschraubt. Damit der Sitz des 85 Kilowatt (115 PS) starken Wagens genug Halt bietet, hat der Fahrer drei Stunden lang in nassem Schaumstoff gesessen, bis das Material um sein Hinterteil herum ausgehärtet war.

          Das Geschäftsfeld gilt als Zukunftsmarkt

          Die Planung begann vor gut einem Jahr. Damals gründeten ein paar Dutzend Studenten der TUHH einen Verein namens E-gnition mit dem Ziel, an der Formula Student Electric teilzunehmen. Der Höhepunkt dieses Konstruktionswettbewerbes ist ein Rennen, bei dem Studenten aus aller Welt jedes Jahr in selbstgebauten Autos gegeneinander antreten. Die Organisation dahinter wird unterstützt von großen Automobilherstellern. Die Unternehmen wollen das Interesse junger Ingenieure an der Automobilwirtschaft wecken. Außerdem wollen sie Nachwuchs heranziehen, der die ehrgeizigen Ziele der Elektromobilität in die Tat umsetzt.

          Dieses Geschäftsfeld gilt als Zukunftsmarkt. Allein in Deutschland sollen nach den Plänen der Bundesregierung bis 2020 mindestens eine Million Elektroautos auf den Straßen rollen. Das stellt die Unternehmen vor große Herausforderungen. Die Batterien müssen stärker, Fahrwerke und Karosserien leichter werden. Informatiker müssen die Fahrzeugelektronik weiterentwickeln, Ingenieure die Antriebsstränge. Nach Schätzungen der Branche entstehen dadurch allein in Deutschland 30.000 neue Arbeitsplätze.

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