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Vier Ingenieure im Gespräch : Von der schnellen Truppe

Patxi Vila – Rasche Radtouren

Die Stimmung vor einer Etappe der Tour de France ist etwas Besonderes. Scheinbar wuselig und ungeordnet laufen und radeln die Rennfahrer durch das Fahrerlager, es wimmelt vor Menschen, und irgendwo schraubt noch immer ein Mechaniker an einer Gangschaltung. Diese Mischung aus Professionalität, Höchstleistung und Publikumsnähe wirkt ansteckend, gleich möchte der Besucher sich selbst in den Sattel schwingen. Täuschen lassen darf man sich freilich nicht. Auf dem Niveau der Spitzenathleten wird nichts dem Zufall überlassen, und dass ein Rad wie etwa das Specialized von Star Peter Sagan flink und zuverlässig Dienst verrichtet, ist Menschen wie Patxi Vila zu verdanken. Der 1975 im Baskenland geborene Mann stammt selbst aus der Profiradszene, hat ein paar schöne Plazierungen und Siege auf seinem Konto, aber auch eine Sperre nach einer Trainingskontrolle. 2012 beendete er seine Karriere auf dem Rad, heute hat er zur Aufgabe, Räder für andere schnell zu machen.

Im Team Bora-Hansgrohe ist er technischer Direktor, und wer nun glaubt, man müsse halt nur immer leichtere Räder bauen, der irrt. 6,8 Kilogramm nämlich beträgt laut Reglement das Mindestgewicht, das schafft irgendwie jeder. Aber: „80 Prozent der Energie, die in die Pedale gegeben wird, benötigen wir zum Überwinden der Fahrwiderstände“, sagt Vila. Ausgefeilte Aerodynamik ist mithin ein Muss, am Rad und an der Kleidung. Das gilt übrigens auch bergauf, wo die Profis ein Tempo an den Tag legen, das sich Otto Normalradler nicht vorstellen kann.

Beständig auf der Suche nach Verbesserungen sind die Techniker auch an den Reifen, die wegen der relativ niedrigen Geschwindigkeiten nie richtig auf Temperatur kommen. Und weil sie recht große Durchmesser haben, kühlt die Auflagefläche in jeder Umdrehung wieder aus. Dummerweise kommt es vor, dass ein Rennen im Regen beginnt und unter Sonnenschein endet, dass es auf Meereshöhe startet und sein Ziel in 2000 Meter Höhe findet. All das muss in den Reifen hineinkonstruiert werden. „Man sieht an diesem Beispiel: Wir brauchen Mitarbeiter mit Erfahrung auf dem Rad und profundem technischem Hintergrund“, sagt Vila. Das Wetter ist eine ständige Herausforderung, auf die es rechtzeitig zu reagieren gilt. Und abends müssen die Räder penibel geputzt werden.

Patxi Vila, technischer Direktor im Tour de France-Team von Bora-hansgrohe.

Steht kein Rennen im Kalender, sind Trainingslager angesagt, und überhaupt ist an den Rädern immer etwas zu verbessern. Für jeden Fahrer hält das Team sieben Rennräder bereit, deren Set-Up – also vor allem Reifen und Übersetzung – stets auf den Einsatzzweck abgestimmt werden.

27 Fahrer beschäftigt Bora-hansgrohe, 90 Personen umfasst das Rennteam, zehn davon sind Frauen. Zum Höhepunkt des Jahres, der Tour de France, werden acht Fahrer geschickt. „Vom Radfahren fasziniert zu sein ist eine Grundvoraussetzung für unsere Mitarbeiter“, sagt Vila. Aber auch grundsätzlich werde Radfahren immer beliebter. Sogar von Motorsportserien kämen neue Kollegen. Und wer noch nicht infiziert ist, geht eben einfach mal zu einer Etappe der Tour oder des Giro mit ihrer ansteckenden Stimmung.

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