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BMW-Personalmanagerin Bermeitinger : „Elektroautos brauchen neue Spezialisten“

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Tanja Bermeitinger, 41 Jahre, sucht für BMW nach den Fachleuten für die Autos von morgen. Bild: BMW

Jeden Monat bewerben sich 40.000 Menschen bei BMW. Trotzdem muss der Autokonzern selbst Ausschau halten nach Spezialisten. Warum das so ist, erklärt Personalmanagerin Tanja Bermeitinger im Interview.

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          Kein anderer deutscher Autohersteller meint es so ernst mit der Elektromobilität wie BMW. Wie verändern die geplanten Stromer gerade den Alltag der Autoingenieure, Frau Bermeitinger?

          Maschinenbauer und Fahrzeugtechniker sind und bleiben in der Autoindustrie natürlich immer gefragt, ob Verbrennungsmotor oder Batterieantrieb. Und gerade Professionals mit mehrjähriger Berufserfahrung sind in diesen Tagen rarer als sonst. Bei BMW gibt es obendrein, nicht erst seit wir unser „Project i“ ins Leben gerufen haben, drei Schlüsselbereiche für Zukunftstechnologien: Elektrifizierung, Wasserstoff und Leichtbau.

          Schon in diesem Jahr bringt BMW das Elektroauto i3, zugleich das erste mit einer leichten Karbonkarosserie. Welche Spezialisten haben Sie extra dafür eingestellt?

          Beim i3 haben wir besonders CFK-Spezialisten gebraucht, das können Ingenieure für Kunststoff-, Werkstoff-, aber auch Textiltechnik sein, die Kenntnisse mit dem neuen Werkstoff Karbon haben. Solche Ingenieure haben wir für die Entwicklung in München, für die Produktion der CFK-Teile in Landshut und für die Fertigung des i3 in Leipzig eingestellt.

          Haben Sie denn für die im Spätsommer beginnende Serienproduktion des i3 schon alle Mitarbeiter an Bord?

          Die Spezialistenstellen sind großteils besetzt, uns fehlen aber momentan noch zahlreiche Mitarbeiter in der Instandhaltung. Anlagenführer sind eine absolute Mangelqualifikation. Da werden wir wohl noch mehr Werbung machen müssen.

          Wie viele neue Arbeitsplätze sind durch die Elektromobilität entstanden?

          Schon jetzt beschäftigen sich mehr als 3000 unserer Mitarbeiter mit Themen rund um die Elektromobilität, von der Entwicklung über die Produktion bis hin zu Vertrieb und Aftersales. Allein in unserem Werk Leipzig sind 800 neue Stellen entstanden. Einige Besonderheiten des i3 stellen neue Anforderungen an die Belegschaft: Die Karbonteile zum Beispiel werden geklebt und nicht geschweißt. Und für den Elektromotorantrieb brauchen wir Elektrotechniker, die sich mit Hochvoltspeichern auskennen. In Freimann haben wir ein eigenes Trainingszentrum für Elektroantriebe eingerichtet, in dem wir die Mitarbeiter für den Umgang mit mehr als 400 Volt qualifizieren. Auch beim Thema Batterie suchen wir noch weiterhin gute Ingenieure, wir benötigen Hochvoltspeicher- und Zellstoffexperten.

          Können Sie solche Leute nicht aus anderen Branchen abwerben?

          Schon, aber wir müssen aufpassen, dass wir solche Spezialisten nicht unseren Zulieferern abspenstig machen. Das ist ein echter Spagat, denn unsere Lieferanten brauchen gute Mitarbeiter, und BMW braucht gute Lieferanten. Wir sind offen für Bewerber aus allen Branchen und Bereichen. Als Ulm von der Nokia-Schließung betroffen war, haben wir dort unseren neuesten Standort eröffnet und 60 hochmotivierte Softwareentwickler und Informatiker übernommen. Auch da suchen wir noch weitere gute Spezialisten.

          Was passiert denn mit all Ihren Stromautospezialisten, wenn sich die Elektromobilität als Sackgasse herausstellt?

          Die Stromautos fahren in keine Sackgasse, die Leidenschaft und das Herzblut der BMW-Mitarbeiter wird unseren Elektrofahrzeugen schon zum Durchbruch verhelfen. Aber im Ernst: Fast die gesamte Autoindustrie arbeitet an diesem Thema. Und es geht ja nicht nur um die reinen Elektroautos. Auch für Plug-in-Hybride brauchen wir Elektrotechniker. Und BMW hat auch keinen der 400 Spezialisten entlassen, als wir im Sommer 2009 aus der Formel 1 ausgestiegen sind. Gute Mitarbeiter lassen sich vielseitig einsetzen.

          Raten Sie jungen Menschen jetzt dazu Hochvoltspeicher-Spezialist oder Elektrochemiker zu werden?

          Ich rate jungen Menschen immer dazu, auf die eigene Neigung zu hören.

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