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Berufsbezeichnungen : Ich bin Ingenieur? Ach so!

  • -Aktualisiert am

Auch Hörakustiker können Ingenieure sein. Bild: dpa

Überraschend viele Absolventen wissen gar nicht, dass ihnen der Titel Ingenieur zusteht. Außerdem fehlt ihnen praktische Erfahrung.

          4 Min.

          Es war so etwas wie die Vermessung des Ingenieurs, als der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit der Stiftung Mercator und dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) seine Studie „15 Jahre Bologna-Reform – Quo Vadis, Ingenieurausbildung?“ in Angriff nahm. Rund 3400 Studenten, Fachkräfte, Absolventen und Hochschullehrer wurden dafür befragt, und der VDMA legte kurz darauf sogar noch eine Blitzumfrage nach, um auf das eine oder andere Ergebnis zu reagieren. Zu diesen gehörte, dass viele Jungingenieure sich nicht ausreichend auf den Beruf vorbereitet fühlen, dass also praktische Kenntnisse fehlen. Das klingt vertraut. Gleichzeitig kam heraus, dass es junge Ingenieure gibt, die gar nicht wissen, dass sie Ingenieur sind. Das war schon überraschender. Aber der Reihe nach.

          Uwe Marx
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seit der Bologna-Reform sind Diplom- Ingenieure seltener geworden, stattdessen bilden die Hochschulen und Universitäten ihre Ingenieure überwiegend in Bachelor- und Masterstudiengängen aus. Viele Ingenieurstudiengänge sind in klassischen Sektoren wie Maschinenbau oder Elektrotechnik angesiedelt, einige aber sind bereits sehr spezialisiert, wie zum Beispiel das Studium der Hörakustik oder Elektromobilität. „Die Ausbildung ist immer noch gut, aber die Spezialisierungen bringen auch Probleme mit sich“, sagt Lars Funk, Bereichsleiter im VDI. Gerade bei den erneuerbaren Energien sieht Funk ein Problem: Während das Studium der Energietechnik sehr sinnvoll sei, da der Bedarf an Ingenieuren durch die Energiewende steige, sieht er spezialisierte Bachelorstudiengänge wie den der Solartechnik kritisch. „Absolventen sollten sich lieber im Berufsleben spezialisieren“, sagt er. „Es gibt sehr gute Fortbildungen, das Studium sollte eher eine breite Basis vermitteln.“

          Praxiskenntnisse lassen zu wünschen übrig

          In der Studie sagte knapp die Hälfte der befragten Fach- und Führungskräfte, dass sie breitangelegte Bachelorstudiengänge bevorzugen würden. Gleichzeitig fanden etwa ebenso viele, dass es mit den Praxiskenntnissen der Bachelorabsolventen nicht allzu weit her sei. So richtig passte das nicht zusammen. Die Studie lieferte aber noch ein weiteres überraschendes Ergebnis: Rund ein Viertel der Befragten gab an, nicht zu wissen, dass sie nach ihrem Abschluss den Titel Ingenieur führen dürfen. Lars Funk vom VDI hat dafür eine Erklärung: Während vor der Bologna-Reform alle Studiengänge den Abschluss Diplom-Ingenieur trugen, seien die Namen der Abschlüsse heute vielfältiger. Einige hätten den Zusatz Master of Science, manche Wirtschaftsingenieure trügen gar den Abschluss Bachelor of Arts. Wenn man dann zum Beispiel Hörakustik studiert, wisse man mitunter gar nicht, dass man sich in einem Ingenieurstudium befindet.

          Den Bologna-Prozess möchte der VDI zwar nicht zurückdrehen, aber er hat eine Forderung: „Wir wünschen uns, dass es wieder einen einheitlichen akademischen Grad gibt“, sagt Funk. Jeder, der einen Ingenieurstudiengang mit mindestens 50 Prozent technischen und naturwissenschaftlichen Studieninhalten beendet, sollte demnach das Studium mit dem einheitlichen Abschluss Master of Science in Engineering abschließen.

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