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Berufsbezeichnungen : Ich bin Ingenieur? Ach so!

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Die deutschen Maschinenbauer wollten nach der Studie aus dem vergangenen Jahr genauer wissen, was es mit der Praxisferne auf sich hat – deshalb die Blitzumfrage, an der sich knapp 200 Mitgliedsunternehmen des Branchenverbandes beteiligt haben. Mit einem Vorurteil kann Thilo Weber, der sich beim VDMA um Bildungspolitik kümmert, unabhängig vom Umfrageergebnis aufräumen: Der Mangel an praktischer Erfahrung ist kein exklusives Bologna-Problem. Es ist vielmehr so, dass mit dieser Reform der Hochschulausbildung die Hoffnung verbunden war, früher Berufserfahrung zum Durchbruch zu verhelfen. Mit anderen Worten: Schon die Diplom-Ingenieure galten vielen als zu theoriefixiert.

Immerhin: Aus all den Befragungen und Erkenntnissen der vergangenen Jahre wurde am Ende unter anderem der höchstdotierte Lehrpreis für Ingenieurwissenschaften in Deutschland, Platz eins wird mit 100.000 Euro belohnt. „Wir wollen ein Zeichen für gute Didaktik und moderne Curricula setzen und Hochschulen ermutigen, neue Wege zu gehen“, sagt Hartmut Rauen, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des VDMA.

Der Preis „Bestes Maschinenhaus 2017“, der Praxisorientierung und Berufsvorbereitung in den Mittelpunkt stellt, wird am 9. Mai in Berlin verliehen, noch können sich drei Finalisten aus ingenieurwissenschaftlichen Fachbereichen und Fakultäten Hoffnungen machen: die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt; das Department Informations- und Elektrotechnik der Fakultät Technik und Informatik der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg und die Fakultät für angewandte Naturwissenschaften und Mechatronik der Hochschule München. Sie alle wurden von mehr als 20 Fachleuten aus Industrie, Hochschulen, Verbänden und Politik unter die Lupe genommen und versuchen, mit ihren Vorschlägen gegen einen weiteren Trend unter angehenden Ingenieuren anzugehen. Denn noch immer brechen viele wegen des anspruchsvollen Studiums vorzeitig ab.

Die Münchner Finalisten bieten deshalb zum Beispiel einen Teilzeit-Bachelor in Mechatronik/Feinmechanik an. Die Module des Studiengangs wurden von sieben auf elf Semester verteilt. „Das vermindert die Arbeitslast je Semester erheblich“, sagt der Studiengangsleiter und Diplom-Ingenieur Joachim Schenk. „Die Studierenden haben mehr Zeit, neben dem Studium zu jobben und erste berufspraktische Erfahrungen zu sammeln.“ Das Final-Duo Würzburg/Schweinfurt stellt seinen Studenten vom ersten Semester an praktische Aufgaben unter industrieähnlichen Bedingungen. Zuletzt etwa sollten die Anfänger eine lange Kugelbahn mit einem kräftigen Aufprall am Ende bauen. Jede Gruppe war für einen Teil der Bahn zuständig, es ging also um die Übergänge – oder, technischer gesprochen, um das in der Industrie bekannte Schnittstellenproblem. Der Maschinenbau-Professor Winfried Wilke fasst es umgangssprachlich so zusammen: „Man muss erst miteinander reden und dann bauen.“ Und die Hamburger gefielen durch ihre praktischen Anforderungen schon in frühen Semestern – und das auf einem ebenso schwierigen wie populären Gebiet: Es geht um erneuerbare Energien. Schon Drittsemester beschäftigten sich hier mit der Frage, wie die Stadt Hamburg zu 80 Prozent mit regenerativen Energien versorgt werden kann und welche Investitionen dafür nötig wären.

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