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Audi-Personalchef Thomas Sigi : „Wir stellen Menschen ein, keine Noten“

  • Aktualisiert am

Audi-Personalvorstand Thomas Sigi Bild: Tobias Schmitt

Gute Noten sind nicht alles. Wichtig ist, dass jemand engagiert ist und sich durchbeißen kann, sagt Audi-Personalvorstand Thomas Sigi im Interview. Auch Flüchtlingen würde er gern eine Chance geben - wenn bloß die bürokratischen Hürden nicht wären.

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          Herr Sigi, warum haben Sie einen großen Teil Ihrer Azubis mit Tabletcomputern ausgestattet?

          Diese Generation Z wird mit einer sich ständig wandelnden Arbeitswelt aufwachsen, darauf bereiten wir sie durch das mobile digitale Lernen vor. In ihrer Freizeit sind die jungen Menschen fast nur noch digital unterwegs - sie lesen kaum Bücher, ob uns das gefällt oder nicht.

          Bleibt da das Erfahrungswissen von Ausbildern nicht auf der Strecke?

          Nein, ein Trainer steht jeweils 18 Auszubildenden zur Seite. Unser Konzept ersetzt nicht die klassische Ausbildungsstruktur, sondern ergänzt sie. Ich bin absolut nicht der Meinung, dass Menschen durch Maschinen ersetzt werden können. Kabelbäume verlegen, das geht zum Beispiel nur durch die menschliche Hand.

          Welche Vorteile haben die Tablets?

          Die liegen auf der Hand: Die Azubis können Lerninhalte abrufen, Wissen online teilen und Arbeitstechniken im Team erarbeiten. Vor einem Jahr haben wir die ersten Tablets angeschafft und gesehen, dass die Lernfreude steigt. Die jungen Leute haben Spaß daran, sogar eigene Lerninhalte, wir nennen das Lernnuggets, zu erstellen. Wir lassen das wissenschaftlich begleiten. Es zeigt sich, dass dieses selbsterarbeitete Wissen nachhaltiger gespeichert wird.

          Lernnuggets - das klingt gewöhnungsbedürftig.

          Unsere Arbeit wird sich vermutlich komplett verändern, deutlich komplexer werden, man wird mehr IT-Know-how benötigen. Vielleicht brauchen wir in fünf Jahren nicht den klassischen Karosseriebauer, sondern den Karosserie-Informatiker. Vielleicht gibt es bald den Maschinenbauinformatiker, das ist eine Herausforderung, weil die Fakultäten zusammenarbeiten müssten. Wir müssen den Menschen die Angst vor der Digitalisierung nehmen. Lebenslanges Lernen ist kein Schlagwort. Es ist falsch, zu glauben, wenn man mal einen Bachelor gemacht hat, das reiche bis zur Rente.

          Haben mittelmäßige Schüler heute überhaupt Chancen auf eine Lehrstelle?

          Wir stellen Menschen ein, keine Noten. Natürlich wollen wir die Besten - aber wer sind die Besten? Ein guter Abschluss spielt eine gewisse Rolle, wir brauchen eine Messlatte, über die einer springt. Aber darüber hinaus interessiert uns, was ist das für ein Mensch, engagiert er sich für irgendetwas? Relativ viele Azubis beginnen nach ihrer Ausbildung ein Studium, das unterstützen wir aktuell mit 201 Stipendienplätzen und Hochschul-Kooperationen.

          Wird die Frage nach Spitzennoten bei Ihren Ingenieursbewerbern auch so entspannt gehandhabt?

          Wenn ich einen Kandidaten habe, der einen Durchmarsch mit Einserabschluss vorzuweisen hat, und einen anderen, der sich das Studium selbst finanzieren musste, dafür dann länger gebraucht und weniger gut abgeschlossen hat, dann sind das sicherlich gleichwertige Kandidaten. Der Zweite hat gezeigt, dass er sich durchbeißen kann.

          Sie haben viel Respekt für Bewerber aus nicht so begüterten Verhältnissen?

          Das ist so, denn das zeigt, dass jemand Durchhaltevermögen hat. Ich habe vor meinem BWL-Studium eine Ausbildung als Zahntechniker gemacht, später als Personalreferent bei Audi in Neckarsulm angefangen. Mein Sohn ist jetzt 19 Jahre alt und will Wirtschaft studieren. Momentan absolviert er eine kaufmännische Ausbildung. Ich finde, das ist ein guter Weg.

          Praxisnähe gibt’s doch auch im dualen Studium...

          Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht, 50 Prozent unserer dualen Studierenden sind Frauen. Sie kennen das Unternehmen, die Prozesse, können schnell Verantwortung übernehmen. So ein Programm ist anspruchsvoll. Die jungen Leute müssen sich gut organisieren, die Semesterferien verbringen sie zum großen Teil im Unternehmen.

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