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Arbeitsmarkt : Kind, werd Ingenieur!

Bild: F.A.Z.

Vor Jahren schlug die Wirtschaft Alarm: Die Ingenieurlücke droht. Heute sind die Warnungen verstummt. Aber wie rosig sind jetzt die Berufsaussichten? Oder droht etwa ein Schweinezyklus?

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          Die Ingenieurlücke - da war doch mal was! Es ist noch nicht lange her, da wurden heiße Debatten darüber geführt, ob dieses Land gerade seine industrielle Zukunft verspiele, weil ihm die dafür nötigen Technikspezialisten ausgingen. Zehntausende Ingenieure fehlten laut dem Verein Deutscher Ingenieure schon Ende des vergangenen Jahrzehnts, und alles drohte künftig noch viel schlimmer zu werden. Wurde es auch.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Heute kennt der VDI rund 70.000 offene Stellen für seine Klientel. Aber der Ton ist wesentlich entspannter geworden. Denn es gibt Licht am Ende des Tunnels, oder konkreter: Es kommen wieder mehr Absolventen von den Hochschulen. 2014 legte die Zahl der Abgänger mit einem ingenieurwissenschaftlichen Abschluss um 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu - und damit so stark wie keine andere Gruppe. Jeder sechste Absolvent war damit ein Ingenieur. Und die Pipeline an den Universitäten ist gut gefüllt.

          Die Mahner von einst sehen sich durch diese Zahlen aber durchaus bestätigt. Nur durch die öffentliche Debatte sei es gelungen, wieder mehr junge Menschen für ein Technikstudium zu begeistern und den Absolventenrückgang der neunziger Jahre umzukehren, sagen sie.

          „Nach wie vor sehr gut“

          Bahnt sich da jetzt etwa ein neuer „Schweinezyklus“ an, wie Ökonomen es nennen? Fangen also in der Erwartung bester Berufsaussichten nun so viele Schulabgänger ein Studium als Maschinenbauer, Elektrotechniker oder Bauingenieur an, dass der Arbeitsmarkt in ein paar Jahren regelrecht überschwemmt wird? Oder vielleicht schon in Kürze?

          Für den letzten Punkt zumindest geben Fachleute Entwarnung. „Die Arbeitsmarktsituation stellt sich für Ingenieure nach wie vor sehr gut dar“, sagt Ralf Beckmann von der Bundesagentur für Arbeit. Die Beschäftigung befindet sich auf Rekordniveau, und die Nachfrage der Unternehmen ist weiterhin hoch - wenngleich die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in den vergangenen drei Jahren eine rückläufige Tendenz aufweise. Die Arbeitslosenquote von Ingenieuren liegt mit rund 2 Prozent noch unter der ohnehin niedrigen Quote für Akademiker allgemein.

          Neben Medizinern zählen für die Arbeitsagentur zumindest bestimmte Ingenieurqualifikationen auch immer noch zu den Mangelberufen in Deutschland. Entscheidend für diese Einschätzung ist nicht die bloße Zahl offener Stellen, sondern die Dauer, die es für eine Neubesetzung braucht. Während im vergangenen Jahr Stellen für Akademiker im Durchschnitt 85 Tage lang vakant waren, dauerte es schon 95 Tage, um einen geeigneten Bauingenieur oder Architekten zu finden. Nach Maschinenbauern und Elektrotechnikern suchten Arbeitgeber ganze 113 Tage, und für Informatiker waren sogar 132 Tage nötig. Nur die Besetzung freier Stellen für Mediziner dauerte noch länger. „Die hohen Vakanzzeiten weisen auf Besetzungsschwierigkeiten hin“, sagt Beckmann. Das gelte aber nicht flächendeckend, wie in Diskussionen oft zu Unrecht behauptet wird. „Einen Ingenieurmangel gibt es punktuell, vor allem im Süden und Westen Deutschlands“, sagt der Fachmann. Betroffen sind etwa Fachleute in der Automatisierung/Elektrotechnik, der Maschinen- und Fahrzeugtechnik oder Metall- und Schweißbautechnik.

          Die aktuellsten Jahresdaten liegen naturgemäß für 2015 vor. Laut Beckmann ist die Entwicklung aus Arbeitnehmersicht seitdem weiterhin positiv verlaufen. Im abgelaufenen August fiel die Arbeitslosigkeit unter Ingenieuren niedriger aus als im Vorjahresmonat, und die Nachfrage war höher. Der Bedarf an Ingenieuren scheint also noch lange nicht gedeckt.

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