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In aller Welt verstreut : Weißwurst in Amerika

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Lars Herzbach Bild: BMW

In Deutschland sind Ingenieure Mangelware. Der Nachwuchs fehlt, noch dazu lockt das Ausland mit aufregenden Metropolen und lukrativen Zulagen. Von sieben Ingenieuren, die es in die weite Welt verschlagen hat.

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          Wer im Werk des Münchener Autokonzerns BMW im amerikanischen Spartanburg (South Carolina) arbeitet, muss nicht ganz ohne deutsche Spezialitäten auskommen. Vor ein paar Monaten hat in der Nachbarstadt Greenville die „Bavarian Pretzel Factory“ aufgemacht und verkauft bayerische Brezeln, Weißwurst und Leberkäse. Und gerade wurde hier ein kleines Oktoberfest gefeiert, das Bier kam von der Münchener Spaten-Brauerei. Für den deutschen BMW-Ingenieur Lars Herzbach sind das willkommene Annehmlichkeiten. Er gibt zu, dass er ungern auf deutsches Essen wie Wurst verzichtet.

          Das BMW-Werk in Spartanburg hat insgesamt 8000 Mitarbeiter, davon 140 Deutsche. Herzbach kam Anfang des Jahres nach Spartanburg. Er gehörte zu einer Abordnung von 40 Deutschen, die für 15 Monate nach Amerika entsandt worden sind, um die Serienproduktion des neuen sportlichen Geländewagens X3 vorzubereiten. Der 37 Jahre alte studierte Materialwissenschaftler ist für die Qualitätsüberwachung zuständig. BMW macht es seinen „Expats“ recht leicht: Das Unternehmen hilft beim Arrangieren einer Sozialversicherungsnummer, beim Eröffnen eines Bankkontos und anderen Dingen, die für Ausländer in Amerika oft bürokratische Albträume sind. Ein paar Monate vor der Entsendung spendiert BMW seinen Mitarbeitern inklusive Familie einen Trip nach Spartanburg, damit sie sich mit der Region vertraut machen und eine Bleibe suchen können.

          Herzbach ist mit seiner Frau und seiner zwei Jahre alten Tochter hierhergekommen und sagt, die Familie habe sich gut eingewöhnt, aber das Leben sei doch anders. Er wohnt in einer typisch amerikanischen Vorortsiedlung, in der ein Haus dem anderen gleicht. Ihm gefällt, wie schnell er mit Amerikanern ins Gespräch kommt. Etwa wenn er mit seiner Familie unterwegs ist: „Die Leute kommen oft auf einen zu, sagen, wie süß unser Mädchen ist, oder machen sonstigen Small Talk. Das passiert einem in München nicht.“ Mit den amerikanischen Kollegen in seinem Team versteht er sich so gut, dass er sonntags mit ihnen Tennis spielt. Manches findet er gewöhnungsbedürftig: etwa dass es Amerikaner nicht sehr mit der Pünktlichkeit haben. „Man ist hier eigentlich immer zehn Minuten zu spät, beruflich und privat.“ Außerdem sei der Umgangston im Beruf weniger direkt als in Deutschland: „Man hat hier eine ganz andere Einstellung zu Kritik und verpackt alles ein bisschen freundlicher.“ Das habe zwar den Vorteil, dass immer eine positive Grundstimmung herrsche. „Aber oft muss man sich halt fragen, was jemand eigentlich wirklich meint.“

          Nach Abschluss seines X3-Projekts in Spartanburg will Herzbach erst einmal wieder nach Deutschland, unter anderem weil seine Frau dann wieder in ihren Beruf einsteigen kann und weil er dann näher am Rest der Familie ist. „Ich will meine Tochter ihren Großeltern nicht so lange vorenthalten.“ Aber er kann sich vorstellen, eines Tages wieder ins Ausland zu gehen - vielleicht auch zurück nach Spartanburg.

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