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Im Vorstellungsgespräch : Das Prinzip Gullydeckel

  • -Aktualisiert am
Warumd sind Gullydeckel rund?
          4 Min.

          Fangfragen sind Kunstgriffe. Sie hören sich oft harmlos an - doch so gemeint sind sie selten. Die Personalchefs wollen im Vorstellungsgespräch etwas über den Kandidaten erfahren, das nicht aus seinem Lebenslauf hervorgeht und das er von sich aus nicht erzählen würde. Wer als Bewerber die Absicht solcher Fragen nicht erkennt, plaudert schnell drauflos und erzählt Dinge, über die er sich später ärgert. Doch auch auf Fangfragen kann man sich vorbereiten, sagen zumindest Karriereratgeber. Claudia Nöllke, Coach und Buchautorin aus München, rät etwa dazu, den Lebenslauf sorgfältig zu überprüfen: Gibt es Lücken, Schwachstellen, Ungereimtheiten? Die Berliner Karriereberaterin Brigitte Scheidt empfiehlt, sich nicht nur über das Unternehmen, sondern auch über den Gesprächspartner zu informieren. Und natürlich sollte man sich während des gesamten Gesprächs auf ein wenig Provokation gefasst machen.

          1. Die Familienfrage: "Ah, Sie haben ja zwei Kinder, wie läuft es denn so mit den Kleinen?" Hört sich nach Smalltalk an und wird häufiger Frauen als Männern gestellt. Über ihre Kinder reden Eltern gerne, und so kommt der Bewerber ins Plaudern. Was der Personaler jedoch hören will: Hat der Kandidat den Kopf frei für den neuen Job, schafft er oder sie das neben der Kinderbetreuung? Keine Probleme schildern, es läuft immer alles prima, die Kinder sind versorgt, die Oma steht parat. Beschreiben Sie Ihre Familiensituation positiv. Sie können den Interviewer, sagt Hansgeorg Schäfer, Berater bei Mercuri Urval, auch offen zurückfragen, warum Ihre Familienorganisation für ihn von Interesse ist. Schließlich wollen auch Sie herausfinden, ob Sie mit der neuen Arbeitsstelle nachhaltig zufrieden sein könnten. Ein Bewerbungsgespräch ist ein Dialog, der Personaler wirbt auch, nämlich für sein Unternehmen.

          2. Der alternative Lebensentwurf: "Was würden Sie tun, wenn Sie nicht mehr arbeiten müssten?" Wenn Sie jetzt erzählen, dass Sie sich erst mal gründlich erholen müssen, dann endlich wieder Sport machen und sich um Ihre Familie kümmern wollen, liest der Personalverantwortliche daraus, dass es mit Ihrer Ausgeglichenheit und Ihrem Zeitmanagement nicht weit her sein kann. Besser: Erzählen Sie, wie Sie einen neuen Lebensplan entwerfen würden, oder werden Sie konkret, schwärmen Sie vom Mountainbikeverleih auf La Palma.

          3. Die Teamfrage: "Sie waren ja als Freiberufler ganz lange ein toller Einzelkämpfer." Mit diesem rhetorischen Kniff will Sie der Personaler nicht bauchpinseln. Denn stoßen Sie jetzt in sein Horn und trompeten, wie toll Sie alles allein hingekriegt haben, ohne jemanden fragen zu müssen, stellt sich die Frage der Teamfähigkeit in der Festanstellung, für die Sie sich bewerben. Schildern Sie positiv, wie Sie sich darauf freuen, im Team von der Arbeit mit Kollegen zu profitieren.

          4. Die Durchsetzungsfrage: "Glauben Sie, sich in einem Männerteam durchsetzen zu können?" Ein Klassiker für Frauen in männerorientierten Branchen. Der Subtext: "als Frau sind Sie zu schwach" oder "unter Männern müssen Sie aber was einstecken können". Bloß keine Rechtfertigung, Sie verstehen gar nicht, wo das Problem sein soll. Bringen Sie Beispiele aus Ihrer Laufbahn.

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