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Pandemie und Arbeitsleistung : Im Krisenmodus

  • -Aktualisiert am

Bild: Thomas Fuchs

Die Corona-Krise macht Angst: vor Krankheit, Jobverlust und Familienkrach. Wer kann sich da noch auf die Arbeit konzentrieren?

          6 Min.

          Angst vor der Ansteckung. Angst vor der Insolvenz im Unternehmen und privat. Angst vor Kontrollverlust und unberechenbaren Situationen: Corona hat im ganzen Land eine riesige allgemeine Verunsicherung ausgelöst. Übung im Umgang mit Katastrophen vor der eigenen Haustür haben die wenigsten, und selbst denjenigen, die schon welche erlebt haben, nützt das nur wenig, sagen Traumaforscher.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          In diesen Tagen überschlagen sich die Umfragen und Studien zum Thema Angst. Mit absehbaren Ergebnissen. Ihnen zufolge ist in der Corona-Krise der berufliche Stress gestiegen: Acht von zehn Beschäftigten in Deutschland fühlen sich im Job stärker unter Druck. Zuvor empfanden 44 Prozent ihre Arbeit als stressig. Erhoben wurden diese Daten im Auftrag der Betriebskrankenkasse Pronova BKK. Gut ein Drittel der Arbeitnehmer macht sich Sorgen um den Arbeitsplatz. Die Angst vor Ansteckung begleitet knapp ein Drittel der Befragten. Ein Viertel fürchtet, durch Kurzarbeit Einkommenseinbußen zu erleben. Diesen Zahlen zugrunde liegen Befragungsergebnisse von 942 deutschen Arbeitnehmern aus dem April (während der Corona-Krise) und der Studie, für die im Januar und Februar (vor der Corona-Krise) 1875 Arbeitnehmer befragt wurden.

          Das Erleben von Druck verschärft sich. Manche Unternehmen fragen deshalb in wöchentlichen Umfragen nach dem mentalen Befinden ihrer Mitarbeiter: Ein Stimmungsbarometer soll etwa beim Online-Händler Otto früh anzeigen, ob bei den Beschäftigten Unruhe mit Blick auf die Arbeitsplatzsicherheit aufkommt und mehr klare Aussagen der Geschäftsführung dazu getroffen werden müssten.

          „Das schafft Vertrauen“

          „In einer so unwirklichen Lage Angst zu haben ist natürlich“, sagt Anne-Kathrin Konze, Dozentin für Arbeitspsychologie an der TU Dortmund und Personalreferentin bei AVU, einem Energieversorger im Ennepe-Ruhr-Kreis. „Zumal unsere gewohnte Routine, beruflich wie privat, gerade auf unbestimmte Zeit verlorengegangen ist.“ Sogar das Einkaufen, mit Abstand und Mundschutz, ist anstrengender geworden, fühlt sich fremd an, noch mehr das einsame Arbeiten daheim. „Die einschneidenden Veränderungen im Alltag stressen, gefährden das Gefühl der Sicherheit und lenken damit im Kopf auch von den beruflichen Aufgaben ab“, sagt die Psychologin. „Entscheidend ist, sich von seinen Ängsten nicht überwältigen zu lassen, sondern die Aufmerksamkeit darauf auszurichten, was der Einzelne beeinflussen und damit kontrollieren kann.“

          Erfahrungen damit, wie das unter den verschärften Bedingungen geht, sammeln die AVU-Führungskräfte seit Ausbruch der Krise. „Ich habe eine Situation erlebt, wie ich sie in 40 Jahren nicht kannte“, sagt Achim Völke, der Leiter des AVU-Netzbetriebs. Zur Sorge um die eigene Gesundheit kam für den 65-Jährigen die Frage, wie sich nicht nur die Stromversorgung im Landkreis, sondern auch die Sicherheit seiner rund 100 Mitarbeiter gewährleisten lässt. Das mulmige Gefühl anfangs habe er für sich in eines von Verantwortung und Respekt vor der Lage umgemünzt: „Damit kann ich leben, auch wenn Angst da ist. Ich kann mir dann überlegen, was zu machen ist, damit ich die verfügten Maßnahmen rasch umgesetzt und die Situation in den Griff bekomme.“

          Der Auswirkungen der Umbrüche auf Stimmung und Leistungsstärke ist sich auch Tanja Lisk bewusst, Teamleiterin im Duisburger Call-Center der Targobank. „Vielen fehlen die Kollegen aus dem gemeinsamen Büro.“ Daher telefoniert die Betriebswirtin mit ihren Mitarbeitern zweimal in der Woche, nicht nur zu Sachfragen. „Damit sie einen Anker haben und umgekehrt keine Scheu, sich zu melden, gleich, was ist.“ Zudem berichtet sie offen von ihrem Kampf mit dem veränderten Alltag. „Das schafft Vertrauen.“ Sogar eher zurückhaltende Mitarbeiter erzählten, was nicht perfekt laufe. So weiß Tanja Lisk, wer sich um die Eltern im Altenheim sorgt, mit dem Alleinsein kämpft, Stress mit den Kindern hat. „Ich kann zuhören und etwa eine alleinerziehende Mutter überzeugen, lieber den neuen Sonderurlaub für den Notfall zu nutzen, wenn sie ihr Kleinkind allein acht Stunden am Tag beschäftigen muss, statt das übliche Ergebnis erzwingen zu wollen.“

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