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Human Capital Studie : Wachstumsrisiko Führungskräftemangel

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Kluge Köpfe gehören gepflegt Bild: fotolia.com

Vorausschauend passend qualifizierte Talente zu identifizieren und auszubilden, das gilt als Erfolgsfaktor für Personalprofis. Doch einer Befragung zufolge sehen sie sich davon oft weit entfernt.

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          Die Entwicklung von Führungskräften bereitet Personalmanagern große Probleme. Das geht aus der aktuellen IBM Human Capital Studie hervor, für die mehr als 400 Personalprofis in aller Welt befragt wurden. Mehr als 75 Prozent sind demnach besorgt über ihre eigenen Fähigkeiten, die Führungskräfte von morgen zu erkennen und schnell zu entwickeln. Die Autoren der Studie erkennen darin „ein echtes Wachstumsrisiko für die betroffenen Unternehmen“.

          Nur 14 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass ihre Belegschaft sehr fähig ist, sich an Veränderungen anzupassen.

          Probleme bei der Führungskräfteentwicklung bleiben demnach nicht auf Deutschland beschränkt. Unternehmen aus dem asiatisch-pazifischen Raum seien am stärksten betroffen (88 Prozent), gefolgt von Lateinamerika und Europa (jeweils 74), Japan (73) und den Vereinigten Staaten (69).

          Rotation und Wissensweitergabe

          Der Austausch von Mitarbeitern über Geschäftsbereiche und Ländergrenzen hinweg ist ein wichtiges Instrument zur Entwicklung von Führungskräfte-Talenten, geben 36 Prozent der befragten Personalmanager an. Eine andere Hürde sei die Alterung der Belegschaften, in denen es darauf ankommt, Wissen von älteren an jüngere Mitarbeiter weiterzugeben. Damit beschäftigen sich den Angaben zufolge 28 Prozent der Befragten intensiv.

          52 Prozent der Personalmanager beklagten die Unfähigkeit ihrer Organisationen, schnell die notwendigen Fähigkeiten zu entwickeln, um rechtzeitig auf Geschäftsanforderungen zu reagieren. Darüber hinaus gingen mehr als ein Drittel der Befragten (36 Prozent) davon aus, dass die gegenwärtige Qualifikation ihrer Mitarbeiter nicht zu den wirklich benötigten Fähigkeiten ihres Unternehmens passt, heißt es.

          Lieber die eigenen Leute fördern

          Die zunehmende Fluktuation der Beschäftigten sei für 47 Prozent der Befragten ein Thema, nur 16 Prozent hielten das Thema für weniger wichtig. Allerdings sorgten sich Personalverantwortliche und Geschäftsbereichsleiter mehr um die Entwicklung der Qualifikationen ihrer eigenen Mitarbeiter als um die Verpflichtung neuer Talente. Die meisten glaubten außerdem, dass es ihnen der Ruf ihres Unternehmens erlaube, entweder die Mitarbeiter bei der Stange zu halten oder erfolgreich neue Köpfe zu gewinnen. Das Selbstbewusstsein in den Personalabteilungen erscheint ausgeprägt: Fast 60 Prozent der Befragten gehen davon aus, besser als der Wettbewerb bei der Verpflichtung und Bindung von Talenten zu sein. Nur 10 Prozent gaben an, dabei weniger effektiv zu agieren.

          Drei Faktoren entscheiden über den Erfolg von Unternehmen entscheiden, schreiben die Autoren der Studie:

          • Die Fähigkeit, notwendige Kompetenzen der Mitarbeiter rechtzeitig zu erkennen. Doch nur 13 Prozent glauben, dass sie schon erkennen, welche Qualifikationen das in den nächsten drei bis fünf Jahren sein werden.
          • Die Fähigkeit, die richtigen Experten in der eigenen Organisation aufzuspüren. Doch nur 13 Prozent glauben, dass sie das auch gut schaffen.
          • Die Fähigkeit, die Zusammenarbeit zu intensivieren: Aber nur acht Prozent der befragten Unternehmen glauben daran, die Zusammenarbeit innerhalb ihres Unternehmens stärken zu können. Dabei sei für 28 Prozent nicht der Einsatz von Technologie der Hemmschuh, sondern organisatorische Silos (42 Prozent), Zeitmangel (40) und falsche Performance-Kriterien (39).

          Der Aufbau einer wandlungsfähigen Belegschaft erfordere mehr als eine Vielzahl von HR-Programmen, lautet die Schlussfolgerung. Die wandlungsfähige Belegschaft sei eine grundlegende Voraussetzung für den Unternehmenserfolg.
          Der Schlüssel für den Aufbau einer solchen Belegschaft liege dabei bei der Unternehmensführung mit maßgeblicher Beteiligung durch die Personalprofis (Human Resources, HR). „Noch nie war der Zeitpunkt für den HR-Bereich günstiger als heute, seinen strategischen Wert unter Beweis zu stellen und einen wesentlichen Beitrag zur Leistungsfähigkeit und zum Wachstum einer Organisation zu leisten.“

          Die Ergebnisse der Untersuchung basieren auf einer Umfrage, die von der IBM Global Business Services Human Capital Management Practice und dem IBM Institute for Business Value (IBV) von Februar bis Juli 2007 durchgeführt wurden. Mehr als 400 Personalverantwortliche in 40 Ländern wurden befragt, HR-Führungskräfte von privaten, öffentlichen und Non-Profit-Organisationen.

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