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Homosexuelle Manager : Hochbezahlt und heimlich lebend

  • Aktualisiert am

Es hängt von der Branche ab, wer sich outet Bild: fotolia.com

Nach dem Wirbel um seine verheimlichte Homosexualität ist der Chef des BP-Konzerns, John Browne, zurückgetreten. Auch deutsche Manager kennen das Risiko. Nur wenige Firmen werben mit Toleranz um neue Talente.

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          Der scheidende BP-Chef John Browne kam zu offiziellen Einladungen oft mit seiner Mutter. Eine Ehefrau, wie die meisten anderen Gäste, hatte er nicht an seiner Seite, denn er ist schwul. Das machte Browne jetzt unter dem Druck der britischen Boulevardblätter offen - nach 41 Jahren im Konzern, in denen er sein Privatleben für sich behalten hatte (BP-Chef tritt zurück: Der tiefe Fall des Sonnenkönigs). „Auch in den Vorständen großer deutscher Konzerne gibt es Homosexuelle, die heimlich leben“, sagt Thomas Norpoth, Chef des Völklinger Kreises, des Bundesverbands schwuler Führungskräfte. Für schwule Politiker sei es nach den Bekenntnissen von Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) oder FDP-Chef Guido Westerwelle leichter geworden. „Aber die Wirtschaft will mit dem Thema nichts zu tun haben.“

          Vorstandsetagen seien geschlossene Kreise, sagt der 55-jährige Norpoth, der seit 20 Jahren die Abteilung für Arzneimittelforschung bei Schering leitet. Dort würden oft gegenseitig Einladungen nach Hause ausgesprochen. „Wenn dann statt einer Frau ein Mann den Tisch deckt, ist das eben komisch.“ Doch nicht nur Top-Manager, die voll in der Öffentlichkeit stehen, sind vorsichtig. Laut einer Studie der Universität Köln halten 52 Prozent der Lesben und Schwulen in Deutschlands Firmen ihr Privatleben geheim. Das ist etwas weniger als bei einer ähnlichen Studie zehn Jahre zuvor, als es 67 Prozent waren. „Aber angesichts der größeren Aufgeschlossenheit gegenüber Homosexuellen in der Öffentlichkeit hätte ich mit einem anderen Wert gerechnet“, sagt Dominic Frohn, Autor der am Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie und Kulturpsychologie erstellten Studie.

          Wann das Coming Out leichter fällt

          Wer sich outet, das hängt auch von der Branche ab. „Das läuft dem üblichen Klischee entsprechend“, sagt Frohn. Künstler und Kulturschaffende gehen am offensten mit ihrer Homosexualität um. In Industrie und Landwirtschaft will sich kaum jemand den Kollegen und Vorgesetzten offenbaren. Die Beamten liegen im Mittelfeld. Mitarbeiter über 35 Jahre sind offener als Berufsanfänger. „Die sagen sich dann: Jetzt habe ich mir einen gewissen beruflichen Stand erarbeitet, deshalb fällt mir ein Coming Out leichter“, sagt Frohn.

          Kathrin Walther von Wirtschaftsweiber, dem Verband lesbischer Fach- und Führungskräfte, dagegen glaubt, dass es keinen richtigen Zeitpunkt gibt, um sich zu outen. „Ich kenne zwei weibliche Führungskräfte bei einem konservativen süddeutschen Versicherungsunternehmen“, sagt sie. „Die eine hat sich vom ersten Tag an geoutet, die andere sagt, das könne sie nicht machen.“

          Deutsche Bank inseriert in Schwulenmagazinen

          Doch laut der Kölner Studie geht es Menschen besser, die sich am Arbeitsplatz offen zu ihrer Homosexualität bekennen. „Ich will nicht abstreiten, dass es auch schwierig ist“, sagt Kathrin Walther. „Aber fast alle, die es öffentlich gemacht haben, haben positive Erfahrungen gemacht.“ Diese Erkenntnis versuchen einige Unternehmen in Deutschland bereits zu nutzen. Die Deutsche Bank inseriert in Schwulenmagazinen oder unterstützt ihre Mitarbeiter bei Ständen auf dem Christopher Street Day. Ford bot 2003 als erste deutsche Firma eine Betriebsrente für Hinterbliebene gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften an. Auch VW, IBM oder eben der BP-Konzern sind in Deutschland hier sehr aktiv.

          Bei der Studie der Kölner Universität gaben rund 70 Prozent der Befragten an, bei Bewerbungen zu berücksichtigen, ob eine Firma ausdrücklich als schwulen- oder lesbenfreundlich auftritt. Sogar mehr als 70 Prozent lassen sich bei ihren Kaufentscheidungen
          dadurch beeinflussen. Doch viele Unternehmen wollten damit weiter nichts zu tun haben, sagt Norpoth. So gestatte der Pharmakonzern BayerSchering dem hauseigenen schwul-lesbischen Mitarbeiter-Netzwerk nicht, auf dem Christopher Street Day aufzutreten. „Dabei wollen wir dort ja nicht halbnackt herumtanzen“, sagt Norpoth. „Wir wollen nur in Arbeitsklamotten auftreten und zeigen, dass wir etwas zum Bruttosozialprodukt beitragen.“

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