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Homeoffice und Co : Corona treibt die Digitalisierung

Am Laptop im Schlafzimmer: Dieses Bild ist längst nicht mehr so ungewöhnlich wie früher. Bild: AFP

Mitarbeitergespräche digital führen, Bewerber per Videocall einstellen - die deutsche Arbeitswelt hat durch Corona einen Digitalisierungsschub erfahren. Nur wie viel Homeoffice tatsächlich war und ist, bleibt umstritten.

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          Die deutsche Arbeitswelt hat durch Corona einen Digitalisierungsschub erfahren. Das zeigen neue Umfrage-Daten des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP). So haben satte 93 Prozent der knapp 500 befragten Unternehmen angegeben, motiviert durch die Pandemie vermehrt Web- oder Videokonferenzen zu nutzen. Fast zwei Drittel sagen, dass sie mittlerweile auch Mitarbeitergespräche digital führen und immerhin 57 Prozent halten sogar ihre Einstellungsgespräche per Videokonferenz ab.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Die größte „Baustelle“ ist der Studienleiterin Josephine Hofmann zufolge das Führen auf Distanz. „Das müssen Manager erst einüben, sie sind anders sozialisiert.“ Die technischen Hürden seien dagegen überraschend klein; vor allem am elektronischen Unterschreiben von Dokumenten hapere es zuweilen. „Bei vielen ist außerdem die Entgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit ein großes Problem.“

          70 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass ihre Büro-Mitarbeiter in der Corona-Phase komplett oder größtenteils von zu Hause gearbeitet hätten. 21 Prozent wählten demnach ein 50:50-Modell. „Diese Zahlen sind umso beeindruckender, wenn man das realisierte Ausmaß mit der geübten Praxis vor der Krise vergleicht“, sagt Hofmann. „Bei knapp 54 Prozent der Befragten gab es vor der Corona-Krise keine oder wenige Mitarbeitende, die vom Homeoffice Gebrauch machen konnten, bei lediglich 15 beziehungsweise 17 Prozent der Befragten waren es die meisten oder fast alle Mitarbeitenden.“

          Homeoffice – vor allem etwas für gut Ausgebildete

          Die Daten widersprechen allerdings recht deutlich anderen Studien, die den Homeoffice-Anteil während Corona sehr viel niedriger angeben. So kommt eine Corona-Studie aus Mannheim nur auf ein Viertel Homeoffice-Arbeiter in der Hochphase der Corona-Zeit (Ende März). Mittlerweile ist diese Zahl wieder auf 14 Prozent geschrumpft. Für die Mannheimer Daten wurden über mehrere Monate hinweg rund 3600 Teilnehmer des German Internet Panels jede Woche repräsentativ befragt. Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Untersuchungen sei, dass das Fraunhofer-Institut vor allem Mitgliedsunternehmen der DGFP befragte. Das sind tendenziell größere und tendenziell mehr Dienstleistungsunternehmen, sagt Hofmann, die sich zudem selbst in die Studie hinein selektierten.

          Die Mannheimer Professorinnen Annelies Blom und Katja Möhring weisen zudem darauf hin, dass sich die Fraunhofer-Studie, anders als ihre eigene, auf Büroarbeitnehmer beziehe. Sie sei „somit nicht auf Erwerbstätige im Allgemeinen übertragbar“, schreiben die beiden Wissenschaftlerinnen in einer Stellungnahme für die F.A.Z. „Zudem zeichnen sich die befragten Unternehmen durch ihre Online-Affinität bei Teilnahme an der Online-Befragung aus.“ Blom und Möhring betonen darüber hinaus, dass Homeoffice vor allem ein Thema für gut ausgebildete Menschen sei. „60 Prozent der Erwerbstätigen mit Abitur arbeiten von zu Hause, aber nur 15 Prozent derer mit mittlerer Reife.“

          Innerhalb der vom Fraunhofer-Institut befragten Gruppe jedenfalls ist auch der Blick auf die Zukunft der Homeoffice-Arbeit recht positiv: 42 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie künftig das unternehmensseitige Angebot, im Homeoffice zu arbeiten, ausweiten möchten, 44 Prozent sind noch unentschieden. Nur ein sehr geringer Anteil (ein Prozent) möchte die Homeoffice-Angebote verringern, der Rest will beim Status quo von vor Corona bleiben.

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