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Homeoffice : Erst das Kindergeschrei, dann die Kündigung

Der Post auf Instagram Bild: https://www.instagram.com/moderncalimom/Drisana Rios

Eine amerikanische Versicherungsangestellte schafft es nicht, im Homeoffice ihre Kinder ruhig zu halten. Dann verliert sie ihren Job.

          1 Min.

          Die Geschichte von Drisana Rios aus dem kalifornischen San Diego hat in den Vereinigten Staaten eine Debatte darüber angestoßen, wie die amerikanische Arbeitswelt in der Corona-Krise mit berufstätigen Müttern umgeht. Die 35-Jährige war im April von ihrem Arbeitgeber, dem Versicherungskonzern Hub International, ins Homeoffice geschickt worden. Anfang Juni wurde ihr gekündigt. Jetzt zieht Rios wegen Diskriminierung und ungerechtfertigter Kündigung vor Gericht. Ihr Vorwurf: Man habe sie entlassen, weil ihre Kinder in Telefonkonferenzen im Hintergrund störten.

          Maja Brankovic

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Rios sagte der „New York Times“, sie habe seit ihrem Umzug ins Homeoffice „härter gearbeitet als jemals zuvor“, weil sie sich neben ihrer Vollzeitstelle noch um ihre vierjährige Tochter und ihren einjährigen Sohn kümmern musste – zum Unmut ihres Vorgesetzten. „Er sagte, ich soll einen Weg finden, um meine Kinder ruhigzustellen“, schreibt sie auf Instagram. Deshalb habe sie in der Personalabteilung Beschwerde wegen Diskriminierung eingereicht. Sieben Tage später habe man sie vor die Tür gesetzt. Dabei habe sie ihre Arbeit pflichtgemäß erfüllt und sich an alle Fristen gehalten.

          Eine Kündigung, drei Erklärungen

          Rios’ Anwältin Daphne Delvaux schließt aus, dass ihre Mandantin ihre Arbeit nicht ordnungsgemäß erfüllt und deshalb die Kündigung erhalten habe. „Sie ist mit den Worten entlassen worden: ,Du bist offensichtlich nicht glücklich hier. Es ist das Beste, wenn sich unsere Wege trennen.‘ Diese Formulierung beweist eine andere Motivation“, sagte sie der F.A.S. Später habe das Unternehmen pandemiebedingte Einsparungen als Entlassungsgrund angeführt, so die Anwältin weiter. „Aber schon am Tag nach der Entlassung veröffentlichte das Unternehmen neue Stellenausschreibungen, einschließlich solcher, die zu den Qualifikationen meiner Mandantin passen. Das tut es bis heute.“

          Schließlich habe das Unternehmen argumentiert, die Leistung habe nicht gestimmt. Allerdings sei Rios bis dahin nicht für ihre Arbeit kritisiert oder abgemahnt worden. Für die Anwältin steht fest: „Sie suchen nach Gründen, um eine ungerechtfertigte Kündigung zu vertuschen.“ Hub International war im laufenden Rechtsstreit zu keinem Kommentar bereit. Eine Sprecherin teilte nur mit, das Unternehmen habe im Zuge der Corona-Krise „90 Prozent der mehr als 12.000 Angestellten erfolgreich in die Telearbeit überführt“.

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