https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/buero-co/hologram-konferenz-ein-selbstversuch-mit-daten-brille-18008830.html

Selbstversuch mit Hologram : Im Meeting der Zukunft

In der hybriden Konferenz: Gesprächspartner Espen Christoffersen als Hologramm (links) und auf dem Videobildschirm (rechts) Bild: Michael Braunschädel

Hologramme können hybride berufliche Treffen stark verändern. Gesprächspartner kommen dann dreidimensional an den Konferenztisch. Ein Selbstversuch mit Daten-Brille.

          4 Min.

          Der Besprechungsraum ist dunkel. Durch schwarzes Glas sehe ich das Zimmer um mich herum, während nur mein Gesprächspartner hell erleuchtet ist und mir gefühlt ein bis zwei Meter entfernt gegenübersitzt. Wäre er dort wirklich, säße er mitten auf dem Konferenztisch. In Wahrheit spricht Espen Cristoffersen aber aus einem Raum im 1100 Kilometer entfernten Oslo zu mir. Ich sitze in Eschborn bei Frankfurt und habe eine Datenbrille auf, die zwar erstaunlich leicht ist, aber über den Ohren, da, wo sie direkt auf den Bügeln meiner wirklichen Brille sitzt, schon ein wenig drückt. Christoffersen ist Entwickler des Netzwerktechnikherstellers Cisco und arbeitet in Oslo an dessen neuestem Produkt, das in Zukunft die Zusammenarbeit von Menschen über weite Entfernungen verändern soll: Es heißt „Cisco Hologram“.

          Bastian Benrath
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Als genau so ein Hologramm sehe ich den Ingenieur in den abgedunkelten Gläsern meiner „Mixed Reality“-Brille. Sein ganz leicht durchscheinendes Bild erinnert entfernt an „Star Wars“: Zwar ist es vollfarbig und nicht bläulich monochrom wie in den Filmen aus den achtziger Jahren, doch die leicht verpixelte Auflösung bringt die Assoziation zurück. Bewege ich den Kopf zur Seite, dreht sich auch das Hologramm leicht, und ich kann die dünne Bartkante entlang Cristoffersens Wange verfolgen. „Wir sehen die Technologie nicht als Ersatz für normale Videocalls“, sagt das Hologramm über die Lautsprecher neben mir. „Eher als eine Methode zur verstärkten Zusammenarbeit.“

          Wozu soll so etwas gut sein?

          Dann greift Cristoffersen in Oslo unter den Tisch, holt einen WLAN-Router hervor, und in Eschborn zuckt mein Kopf unwillkürlich zurück: Das Gerät scheint wirklich da zu sein, hier bei mir im Raum. Ich sehe den Router so nah vor mir, dass ich das Gefühl habe, ich könnte ihn anfassen. Ich drehe den Kopf und schaue ihn mir von beiden Seiten an. Cristoffersen rührt ihn dabei nicht an, er steht ruhig vor ihm; den Blick auf die Seiten habe ich nur durch die perspektivische Sicht der Hologrammtechnologie.

          Etwas ungewohnt: Redakteur Bastian Benrath im virtuellen Meeting mit der Hololens-2-Datenbrille von Microsoft
          Etwas ungewohnt: Redakteur Bastian Benrath im virtuellen Meeting mit der Hololens-2-Datenbrille von Microsoft : Bild: Michael Braunschädel

          Wozu soll so etwas gut sein? Werden künftig Büroarbeitnehmer nicht mehr nur Teams- oder Zoom-Konferenzen machen, sondern sich ihre Kollegen als dreidimensionale Hologramme in den Raum holen? Wohl erst mal nicht. Bei Cisco stellt man sich spezielle Kabinen neben den Meetingräumen in Unternehmen vor, in denen Hologram installiert werden soll. In diese sollen sich Fachleute, zum Beispiel Ingenieure, dann zurückziehen können, wenn sie mit ihren Kollegen auf der anderen Seite der Welt über Werkstücke diskutieren wollen.

          Technologie noch ein Prototyp

          Solche Werkstücke kann die Technologie auch als virtuelle Modelle in den Raum zwischen mir und meinem Gesprächspartner rufen. Cristoffersen tut das mit einem Modell desselben WLAN-Routers, den er vor sich stehen hat. Diesen kann ich sogar virtuell anfassen, drehen und kippen. Es braucht einige Versuche, bevor die Sensoren in der Brille meine Handbewegungen richtig erfassen. Aber dann kann ich ihn neben den „echten“ Router in den virtuellen Raum stellen. Das Modell hat die gleichen Buchsen für Kabel an der Rückseite wie sein Pendant. Der Effekt ist beeindruckend: Es ist tatsächlich gut denkbar, dass so einmal Maschinenbauer oder Architekten Vision und Wirklichkeit ihrer Arbeit miteinander vergleichen werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Für Jürgen Klopp und den FC Liverpool geht es im Finale der Champions League gegen Real Madrid.

          Klopp zum Finale : „Wir spielen auch für die Ukraine“

          Vor dem Champions-League-Finale am Samstag spricht Jürgen Klopp darüber, warum er froh ist, dass das Endspiel in Paris stattfindet, wie die Gerüchte um Sadio Mané zu bewerten sind und was er über den Rasen denkt.
          Eine Schule wird zum Ort der Trauer: Mitschüler und Angehörige gedenken der 21 Menschen, darunter 19 Kinder, die an der Grundschule erschossen wurden.

          Über Amokläufer in Uvalde : „Mein Sohn war kein Monster“

          Nachdem ein 18 Jahre alter Mann 19 Kinder und zwei Lehrerinnen in Texas tötete, suchen die Ermittler immer noch nach einem Motiv. Sein Umfeld zeichnet das Bild eines aggressiven Einzelgängers.
          Die spanische Gleichstellungsministerin Irene Montero am 8. März in Madrid

          „Nur ein Ja ist ein Ja“ : Spanien verschärft Sexualstrafrecht

          Ein Entwurf der linken Minderheitsregierung stößt im Parlament auf große Zustimmung. Damit ist die Einwilligung der Frau ausschlaggebend für einen sexuellen Kontakt. Von den Konservativen kommt Kritik.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Stellenmarkt
          Jobs für Fach- und Führungskräfte finden
          Zertifikate
          Alle exklusiven Zertifikate im Überblick
          Englischkurs
          Lernen Sie Englisch