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Hochbegabung und Karriere : Erwachsene Wunderkinder

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Die Bestätigung, nicht nur nicht komplett doof, sondern sogar ziemlich schlau zu sein, war wichtig für Christoph Wimmer und seine Karriere. „Gerade im Vertrieb muss ich runterfahren. Mit den Kunden rede ich jetzt bewusst langsamer und erkläre einfacher.“

Diese Erfahrung bestätigt auch Udo Schultz, Jahrgang 1943, der lange im gehobenen Verwaltungsdienst gearbeitet hat: „Man versetzt sich besser in andere rein.“ Schultz selbst stieß sogar erst mit knapp 40 Jahren aus Neugier auf seine Hochbegabung. In der Schule hatte er sich gelangweilt, aufs Mittelmaß zurückgezogen und schließlich ein Abi mit 3,0 gemacht. Als Kind einer Kriegswitwe hätte er ohnehin nicht studieren können. Nach dem Test begann er, sich für den Hochbegabten-Verein Mensa zu engagieren, war im Vorstand aktiv und trommelte für die IQ-Tests. „Damit das Potential möglichst frühzeitig erkannt wird.“

Hochbegabt - und zwar die ganze Familie: Udo Schultz mit Frau und Töchtern.

Auch seine beiden Kinder hat er mit 12 Jahren getestet, beide sind hochbegabt. Ebenso seine Frau Sigrid, eine Informatikerin. Für ihn ist es wichtig, eine ebenso intelligente Partnerin zu haben. In der Partnerschaft spiele die Intelligenz eine große Rolle. „Man streitet sich nicht, weil man alles rational löst.“ Die ganze Familie engagiert sich stark ehrenamtlich, von der Hochbegabung sollen auch andere profitieren.

„Du solltest noch mehr Aufgaben abgeben“

Am meisten Herzblut fließt deshalb momentan auch bei Gero Gode in seine Plattform Greenest Green, über die er Gutscheine für nachhaltige Produkte vertreibt. Bei einer wöchentlichen Besprechung berät er sich mit seiner Mitarbeiterin Stephanie. „Den Deal mit den Glühbirnen können wir nicht mehr machen.“ Stephanie nickt, ihre bunt umwickelten Filzlocken wippen bei jeder Kopfbewegung mit. Die Kunden sind kritische Käufer, entdeckten in den Glühbirnen Quecksilber. „Das gab Ärger“, sagt Gode und grinst vergnügt. Auf seiner Liste stehen persönliche Briefe an Kunden, die Gode von Hand schreibt. „Liebe Anna, die Sonne scheint, wenn ich an dich denke“, so kann einer dieser Liebesbriefe, wie er sie nennt, beginnen.

Gode wechselt spielerisch zwischen dem Bio-Fan, der kumpelhaft alle duzt, und dem seriösen Business-Menschen, mit dem er seinen Aktienklub groß gemacht hat. Nach jahrelangem Klinkenputzen hat er 150 Mitglieder und 1,5 Millionen Euro Volumen. 0,2 Prozent der Einlagen beträgt die monatliche Aufwandsentschädigung für sich und seinen Bruder - nur 1500 Euro verdient er damit also im Moment. Maximal 500 Mitglieder sollen es werden, bis er 30 Jahre ist, will Gode ein Volumen von 10 Millionen Euro erreichen. Dann könnte er sich ein bisschen zurücklehnen und Projekte antreiben, die ihm gesellschaftlich sinnvoll erscheinen - in der Bildung zum Beispiel.

“Du solltest noch mehr Aufgaben abgeben“, raten ihm befreundete Unternehmer, die er in ihrem Münchner Büro besucht. Eigentlich nimmt Gode am liebsten alles selbst in die Hand, strengen Hierarchien ordnet er sich wie viele Hochbegabte nicht gern unter, das Delegieren hat er erst mit den Jahren gelernt. Mit den befreundeten Unternehmern bespricht er, wie er in Zukunft seine Arbeitszeit noch effizienter nutzt. Eine Assistenz einstellen, Wissensmanagement betreiben - zwei weitere Punkte auf Godes Optimierungsplan.

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