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Hochbegabung : „Intelligenz allein reicht nicht“

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Wolfgang Herbst leitet das Gymnasium für Hochbegabte, Schloss Hansenberg Bild: Privat

Wolfgang Herbst leitet das Gymnasium für Hochbegabte, Schloss Hansenberg. Wer dorthin will sollte einen IQ von mindestens 130 haben - und gute Noten. Ein Interview über Hochbegabung - und darüber wie sie statt zum Fluch zum Segen werden kann.

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          Wolfgang Herbst leitet das Gymnasium für Hochbegabte, Schloss Hansenberg. Wer dorthin will sollte einen IQ von mindestens 130 haben - und gute Noten. Ein Interview über Hochbegabung - und darüber wie sie statt zum Fluch zum Segen werden kann.

          Herr Herbst, Sie leiten eine Internatsschule für besonders motivierte, leistungsstarke Oberstufenschüler. Sind die alle hoch begabt?

          Ja, das müssen sie sein, denn nur mit Fleiß ist unser Lehrplan nicht zu bewältigen. Deswegen muss, wer sich bei uns bewirbt, unter anderem einen IQ-Test machen. Von den rund 320 Schülern, die sich jährlich auf 64 Plätze bewerben, fallen dabei meist rund 70 raus. Allerdings nehmen wir auch immer einige Grenzfälle auf, die knapp unter 130 Punkten liegen.

          Wer an Ihre Schule will, muss einen Notenschnitt von mindestens „gut“ vorweisen. Warum nehmen Sie keine Hochbegabten mit schlechteren Noten auf?

          Das hängt vor allem mit der sozialen Struktur unseres Internats zusammen, in dem die Schüler sehr selbstbestimmt zusammenleben - schwierige Fälle könnten diesen Rahmen sprengen. Da haben wir leider schon Erfahrungen gemacht. Deshalb reicht es bei uns nicht, überdurchschnittlich intelligent zu sein - es müssen auch Leistungsmotivation und Sozialkompetenz dazukommen.

          Warum wollen die Jugendlichen trotz ausgezeichneter Zensuren in ihrer ehemaligen Schule zu Ihnen?

          Gute Noten bedeuten nicht, dass der Schüler sich an seiner alten Schule wohl gefühlt hat. Viele werden regelrecht gemobbt deswegen. Mitschüler bezeichnen sie als Streber, und die Lehrer sagen: „Du weißt die Antwort sowieso, dich nehme ich gar nicht erst dran.“ Bei uns finden die Schüler Gleichgesinnte, mit denen sie sich auch nach dem Unterricht noch austauschen können. Neulich sagte mir ein Schüler, was für ihn das Beste an unserer Schule ist: dass er bei jeder im positiven Sinne verrückten Idee, die er hat, drei oder vier findet, die ihn verstehen und mitmachen.

          Und wie unterscheidet sich der Unterricht von dem an normalen Schulen?

          Das ganze Programm ist vielfältiger und intensiver: Es gibt Nachmittags- und Samstagsunterricht, die Klassen umfassen weniger als zwanzig Schüler, und wir bieten sehr viele AGs und Gruppen an, die die Kreativität der Schüler fördern. Dabei werden sie aber nicht verwöhnt: Jeder muss Aufgaben übernehmen, zum Beispiel Hausaufgabenbetreuung in der Grundschule nebenan oder die Leitung einer AG.

          Jenseits der Eliteschulen sind Hochbegabte aber oft Außenseiter. Wie bereiten Sie die Jugendlichen darauf vor?

          Das ist bei unseren Schülern nicht der Fall; wir suchen ja handfeste, lebensrobuste junge Leute. Durch das Internatsleben können sie ihren Alltag oft sogar besser organisieren als Gleichaltrige, die noch bei den Eltern wohnen.

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