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Hinter den Kulissen : Personalfachleute ohne Personalkonzept

  • -Aktualisiert am

Wie fördert der Personaler Personaler? Bild: © fotolia.com

Kaum innovative Personalarbeit: Auch bei Anbietern von Software- und Dienstleistungen für die Personalabteilungen geht es nicht anders zu als in vielen Firmen, denen sie ihre Lösungen verkaufen. Mit Ausnahmen.

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          Wer mit Software-Lösungen seine Personalarbeit verbessert, kann sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren - zum Beispiel Recruiting oder Weiterbildung. So werben diverser Anbieter für ihre Produkte. Sie selbst sparen in ihrer eigenen Personalarbeit oft lediglich Papier und Zeit ein. Das zeigt eine Umfrage in der Branche.

          Den deutschen Personalwirtschaftpreis oder österreichischen Staatspreis für alternsgerechte Personalkonzepte würden viele Anbieter nicht einstecken. Sie müssten mithalten können mit Konzepten, wie beispielsweise dem der Generationspartnerschaft der österreichischen Wüstenrot: Jüngere und ältere Mitarbeiter teilen sich Kunden, das entlastet die dienstältesten Kollegen.

          Selbstverständlichkeiten statt Innovationen

          Statt Innovationen werden Selbstverständlichkeiten groß geschrieben. Dazu gehören Mitarbeitergespräche, Zielvorgaben und Betreuung des Personals. Und was die stolz zitierten flexiblen Arbeitszeiten oder variable Vergütung angeht: nicht alle Mitarbeiter begrüßen das.
          Beim Stichwort Mitarbeitermotivation denken viele Anbieter vor allem an sich. Motiviert ist, wer sich mit der Firma identifiziert, heißt es. Das falle den Angestellten ohnehin nicht schwer, die Produkte seien nämlich gut. Und Mitarbeiter, die nicht so denken, werden durch Prämien angefeuert.

          Manche Firmen leisten es sich, gar kein Personalkonzept zu haben, wie zum Beispiel Dexter aus Bad Homburg. Das Unternehmen ist Anbieter von Mitarbeiterportalen, Personalauswahltools und Systemen für Kompetenz- und Weiterbildungsmanagement. Die elektronische Plattform „HR-Monitor“ ermögliche kleinen und mittleren Unternehmen einen kostengünstigen Einstieg in softwaregestütztes Personalmanagement. Geschäftsführer Ivo Titscher sagt offen, dass aufwändige Personalarbeit bei seinen fünf Leuten kaum sinnvoll sei. Dies betreffe auch das Recruiting: „Wir nehmen gern Praktikanten. Da sieht man schnell, wie sich jemand einführt und ob er in unser homogenes Team passt.“ Alle Angestellten hätten vorher mehrere Jobs gehabt. Die Arbeitsfelder seien so fließend, sagt Titscher, da könne einer heute Projektleiter sein und arbeite in ein paar Monaten kräftig im Vertrieb mit. „Arbeitsbereicherung“ nennt der Bad Homburger das. Außerdem: Weil sich Aufgaben ständig ändern, seien Zielvereinbarungen sinnlos. Und Schulungen? „Das suchen die sich raus. Sie wissen selber, wo ihre Schwächen liegen“, sagt Titscher.

          Damit der Job zum Zuhause wird

          Der häufigste Grund, warum kleine Firmen kaum Personalarbeit machen, ist ihre familiäre Atmosphäre. Getreu dem Motto: Anliegen können ja persönlich besprochen werden. Außerdem setzen Geschäftsführer darauf, dass dieser Umgangston die Mitarbeiter auch bindet. Das ist auch die Ansicht des lippischen Unternehmens KDV - Kanne Datenverarbeitung aus Detmold. Und spart sich besondere Personalmaßnahmen.

          Die Firma bietet unter anderem eine Software für die Lohn- und Gehaltsabrechnung, Zeiterfassung und ein Personalinformationssystem an. Der Bilanz zufolge griffen zuletzt 2.500 Kunden im Jahr auf die Dienste KDVs zurück. Die Personalführung für die 37köpfige Belegschaft verantworten die beiden Geschäftsführer Rainer Grüne und Werner Warweg. Das Unternehmen setzt statt auf innovative Maßnahmen auf einen Gruppeneffekt bei seinen Mitarbeitern. „Der Teamgeist wirkt motivierend und ist das, was Leute in der Firma hält“, sagt Grüne. In der Gruppe werde Mittag gegessen, pausiert und geklönt. Der persönliche Kontakt ist gewollt. Damit der Job zum Zuhause wird. Die Hierarchie sei flach. Das fördere das persönliche Gespräch im Unternehmen. „Wer sich was zu sagen hat, auch im Konfliktfall, geht zum Kollegen rüber.“

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