https://www.faz.net/-gyl-a3hkr

Innovative Landwirtschaft : Jetzt kommen die Hightech-Bauern

Nicht jeden zieht es nach seiner agrartechnischen Ausbildung auch wirklich in den Maschinenraum. Mirjam Kleinknecht ist dafür das beste Beispiel. Auch sie hat in Hohenheim Agrartechnik studiert, ihre Eltern bauen Wein an. Heute arbeitet die 33 Jahre alte Heilbronnerin in der Produktvermarktung von Landmaschinen, an der Schnittstelle also von Marketing und Entwicklung. Zu ihrer Arbeit gehört es beispielsweise, Preise für Produkte festzulegen, Messen vorzubereiten und Vertriebspartnern neue Technologien zu erklären.

„Die Landwirtschaft befindet sich in einem ständigen Wandel. Mir macht es Spaß, immer wieder dazuzulernen“, sagt Kleinknecht. In ihrem Studium und auch bei ihrem Arbeitgeber war sie zunächst eine von wenigen Frauen: „Man muss sich als Frau schon etwas mehr beweisen, aber ich musste mir nie blöde Sprüche von den Kollegen anhören.“

Mirjam Kleinknecht musste sich nie blöde Sprüche anhören
Mirjam Kleinknecht musste sich nie blöde Sprüche anhören : Bild: Tobias Schmitt

An der Uni Hohenheim liegt der Frauenanteil in manchen Fachbereichen, zum Beispiel der Tierhaltung, inzwischen sogar über dem der Männer, sagt Studienbetreuerin Gallmann. Für beide Geschlechter biete die Agrarbranche gute Karrierechancen, ob nun bei einem großen Konzern, bei einem kleinen Start-up, das sich mit Fragen der Digitalisierung der Landwirtschaft beschäftige, in der Beratung oder gar im öffentlichen Dienst. Verdienen lässt sich als Agraringenieur zudem nicht schlecht: Dem Karriereportal Agrarjo zufolge steigen Agrartechniker mit 43.000 Euro und damit mit dem im Branchenvergleich höchsten Gehalt ins Berufsleben ein.

Falsche politische Anreize für Tüfteleien

Manchmal sorgen auch neue Gesetze dafür, dass Agraringenieuren die Tüfteleien zugunsten eines höheren Tierwohls nicht ausgehen. So passiert es gerade Ludger Breloh mit seinem Eier-Selektionsmechanismus: Derzeit lässt sich das Verfahren am achten oder neunten Bruttag anwenden, da dann die Allantoisblase am größten sei, erklärt er. Der Gesetzentwurf von Landwirtschaftsministerin Klöckner sieht jedoch vor, dass vom Jahr 2024 an nur noch Verfahren erlaubt sein sollen, die das Geschlecht vor dem siebten Bruttag bestimmen. Hintergrund ist eine Debatte darüber, ab wann die Embryonen Schmerz empfinden. Einige Wissenschaftler sind der Ansicht, dies sei vom siebten Bruttag an der Fall. Breloh verteidigt dagegen sein Verfahren: „Ein Abbruch am achten oder neunten Tag ist ethisch sicherlich vertretbarer als das Töten am ersten Lebenstag.“

Global wird indes an weiteren Lösungen geforscht. Eine soll mittels eines Lichtstrahls, der ins Innere des Eis geschickt wird, das Geschlecht ab dem vierten Tag bestimmen können. In der Praxis eingesetzt wird bislang aber nur das Seleggt-Verfahren. „Wir arbeiten daran, vor den siebten Tag zu kommen, aber ob und wann das gelingt, kann ich nicht sagen“, berichtet Breloh. Ein Gesetz in der geplanten Form würde weitere Investitionen für ihn erschweren. Langweilig wird es ihm aber gerade durch die Aussicht auf die Neuregelung wohl erst einmal nicht. Auch ganz abseits von politischen Debatten glaubt Professorin Gallmann an die Zukunftsträchtigkeit des Agraringenieur-Berufs: „Die Landwirtschaft wird nie verlorengehen“, sagt sie. „Es muss immer produziert und geerntet werden.“

Weitere Themen

Die Partei fürs Geldausgeben

Parteitag der Grünen : Die Partei fürs Geldausgeben

Für Baerbock das Wirtschafts-, für Habeck das Finanzministerium? Die Grünen lassen auf ihrem Parteitag keinen Zweifel, dass sie sich nicht mit B-Ministerien zufriedengeben würden. Unternehmer warnen: Das wird teuer.

Topmeldungen

Angriff in Iran : Attentat nach dem Kalender

Bis Biden kommt, will Israel die Fähigkeiten Irans soweit es geht schwächen – und die angekündigten Verhandlungen über ein wiederaufgelegtes Atomabkommen verderben.
Kritisierte Meuthens Rede als „spalterisch“: der Vorsitzende der Bundestagsfraktion und AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland

AfD-Parteitag : Gauland schlägt zurück

Für seine Kampfansage an die Radikalen muss der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen heftige Kritik einstecken. Fraktionschef Alexander Gauland rügt Meuthens Rede als „Verbeugung vor dem Verfassungsschutz“ – dabei müsse die AfD gegen diesen „kämpfen“.
Kaum zu glauben: Marco Reus unterliegt mit der Borussia gegen Köln.

Überraschende BVB-Pleite : Dortmunder Debakel gegen Krisenklub

Mit einem Sieg hätte die Borussia an der Bundesliga-Tabellenspitze Druck auf den FC Bayern machen können. Stattdessen unterliegt der BVB dem abgeschlagenen 1. FC Köln. Erling Haaland vergibt in der Nachspielzeit eine Großchance.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.