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Innovative Landwirtschaft : Jetzt kommen die Hightech-Bauern

Bislang gibt es nur eine der teuren Maschinen, und zwar beim Tochterunternehmen Respeggt. Das bietet den Test als Dienstleistung für Brütereien an, die ihre frischen Eier zum Test ins niederländische Barneveld liefern. Seit dem Jahr 2018 verkaufen Supermärkte wie Rewe oder Edeka Eier aus dem Verfahren. Ein Ei pro Sekunde analysiert das Gerät. „Im normalen Betrieb mit Rüstzeiten und Pausen kann die Anlage im Jahr 3 bis 3,5 Millionen weibliche Bruteier aussortieren,“ rechnet Breloh vor. Erst von einer solchen Kapazität an sei ein wirtschaftlicher Einsatz machbar. Aus der Aussage spricht jede Menge Stolz auf seine Tätigkeit.

Ähnlich empfindet es auch Johannes Utz auf dem nordbayrischen Feld; er fühlt sich gar wie eine Art Vordenker: „Mein Team beschäftigt sich damit, wie die Zukunft der Landwirtschaft aussehen wird.“ Utz nennt Begriffe wie den Fachkräftemangel, die Automatisierung, die an der Feldgrenze nicht haltmachen werde, alternative Antriebe, den Klimawandel. „Die Gesellschaft gibt uns vor, was sie haben will. Das sind manchmal ambitionierte Ziele, aber wir sehen das als Herausforderung.“

Mit Überzeugung auf den Traktor

Agraringenieure, dieser Eindruck entsteht unweigerlich nach mehreren Stunden Gesprächen und Traktorfahren auf dem Beifahrersitz, machen ihren Beruf aus Überzeugung – einer ganz individuellen Überzeugung wohlgemerkt, wie Eva Gallmann betont. Sie koordiniert an der Universität Hohenheim den Fachbereich Agrartechnik und weiß, wie vielfältig die Studierenden auf dem Campus sind: „Da trifft dann schon mal der Sohn eines großen Milchviehhalters auf eine vegane Kommilitonin, die hinterfragt, warum wir überhaupt Tiere halten.“ Das sei aber auch das Schöne an einem Studium der Agrarwissenschaften: „Ein Agrarstudium bietet alles, da kann man sich technisch, ökologisch und ökonomisch ausbreiten.“

Ist zurück zu seinen Wurzeln: Johannes Utz wechselte vom Auto- zum Landmaschinenhersteller.
Ist zurück zu seinen Wurzeln: Johannes Utz wechselte vom Auto- zum Landmaschinenhersteller. : Bild: Tobias Schmitt

Von Fragen der Tierhaltung und des Stallbaus über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bis hin zu Verfahrenstechniken in der Pflanzenproduktion und der stofflichen Nutzung landwirtschaftlicher Restprodukte – der Studienplan der angehenden Agrarwissenschaftler bietet tatsächlich viel Raum zur Entfaltung. Einzige Voraussetzung: „Eine gewisse naturwissenschaftliche Affinität sollte schon vorhanden sein“, sagt Gallmann. Ein elterlicher Betrieb sei dagegen kein Muss, um in Studium und Beruf Fuß zu fassen.

Agraringenieur ist keine geschützte Berufsbezeichnung, entsprechend viele Wege gibt es, in einem Beruf in diesem Bereich anzukommen. Manche machen es wie Johannes Utz und studieren ganz klassisch Maschinenbau. „Für einen ausgebildeten Maschinenbauer macht es keinen Unterschied, ob er an einer Landmaschine oder einem Porsche herumschraubt“, sagt Gallmann. Andere fokussieren sich gleich zu Beginn auf die Agrarwelt, so wie Nils Zehner. Ludger Breloh, der an der Küken-Geschlechtsbestimmung arbeitet, ist gar kein Ingenieur, sondern Agrarökonom und ehemaliger Bio-Landwirt. Eine Suche im Hochschulkompass nach agrarwissenschaftlichen Studiengängen mit Bachelor-Abschluss liefert 53 Einträge, die Auswahl ist also überschaubar, aber durchaus vorhanden.

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