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Innovative Landwirtschaft : Jetzt kommen die Hightech-Bauern

Heute ist Zehner auf dem Acker statt im Stall unterwegs, die Arbeit mit Software aber ist geblieben. „Precision Farming“, „Smart Farming“ oder „Landwirtschaft 4.0“ sind die Schlagworte seines Tuns, was übersetzt so viel bedeutet wie das Zusammenspiel einer digitalen Bedienplattform mit dem Traktor. Mit Hilfe einer Art App, die Zehner und sein Team ständig weiterentwickeln, kann der Landwirt die Feldarbeit vom Büro aus oder von unterwegs organisieren, Aufträge anlegen und an das Terminal im Traktor senden, Daten verwalten und Berichte erstellen. Zum Beispiel zur Dokumentation von Umweltauflagen.

Nicht alle Landwirte sind auf Anhieb von dieser modernen Technik überzeugt – zu Zehners Berufsprofil gehört es deshalb auch, Kunden das Produkt mit viel Geduld näherzubringen: „Es geht darum, Verständnis und Vertrauen zu schaffen und Mythen und Vorurteile auszuräumen“, sagt Zehner. Sein Beruf als Agraringenieur habe also auch eine starke soziale Komponente. Erklärt er nicht gerade einem Bauern den Unterschied zwischen „offboard“ und „onboard“, legt er Feldversuche an, schraubt an Sämaschinen herum oder testet, ob Zuckerrüben in einer trockenen Saison nicht lieber tiefer eingepflanzt werden sollten – und wie die Technik den Landwirt bei solchen Entscheidungen unterstützen kann. „Einen Nine-to-five-Tag am Schreibtisch habe ich eigentlich nie, aber das ist mir gerade recht so“, sagt Zehner.

Agraringenieure arbeiten nicht nur auf dem Feld, sondern auch in der Nutztierhaltung. Ein Hightech-Beruf ist das nicht minder und dazu noch zuweilen ein brandaktuelles Thema: Nach wie vor werden in Deutschland jedes Jahr bis zu 45 Millionen männliche Küken getötet, da sie in der Fleisch- und Eierproduktion nutzlos sind. Bis Ende des Jahres 2021 soll nun damit Schluss sein, so sieht es ein neuer Gesetzentwurf von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vor.

Wie das funktionieren könnte, daran tüftelt ein Ingenieurteam rund um den 63 Jahre alten Ludger Breloh. Mit seinem Unternehmen Seleggt setzt er auf die Geschlechtsbestimmung im Ei. Die Grundlage bildet ein von der Leipziger Veterinärmedizinerin Almuth Einspanier entwickeltes Verfahren. Aus der sogenannten Allantoisblase direkt unter der Eischale entnahm sie mit einer feinen Spritze einen Tropfen Flüssigkeit. Diese wiederum prüfte sie auf ein Hormon, das nur bei weiblichen Hühnern vorkommt. Im Jahr 2014 lernt Breloh die Forscherin kennen, das Verfahren überzeugt ihn: „Die Herausforderung war, die Handarbeit im Labor in ein industrielles Verfahren zu übersetzen.“ Das entwickelt er gemeinsam mit dem niederländischen Unternehmen Hatchtech, einem Spezialisten für Brütereitechnologie. Drei Jahre später wird Seleggt mit Unterstützung der Rewe-Gruppe gegründet.

Für die Geschlechtsbestimmung im Ei: der „Seleggt Circulus“
Für die Geschlechtsbestimmung im Ei: der „Seleggt Circulus“ : Bild: SELEGGT GmbH

Mittlerweile funktioniert das Verfahren komplett berührungslos: Ein Industrieroboter hebt die Eier mit einem Saugknopf auf ein Band. Sie laufen durch einen Laser, der ein winziges Loch ins Ei brennt; über weitere Roboterarme wird die Flüssigkeit entnommen und an den Marker gegeben. Weibliche Eier werden danach weiter gebrütet, die männlichen aussortiert und etwa zu Tierfutter verarbeitet.

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