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Herkunft von Professoren : Aus exklusivem Hause?

  • -Aktualisiert am

Ganz klar: Akademiker hatten Akademiker-Eltern. Oder? Bild: dpa

Akademikerkinder werden Akademiker, Arbeiterkinder werden Arbeiter, heißt es. Doch ganz so simpel ist es nicht.

          2 Min.

          Dass der Bildungserfolg in Deutschland stark von der sozialen Herkunft beeinflusst wird, ist unstrittig. Die Soziologie belegt es meistens mit dem Vergleich der Sozialstruktur am Anfang und am Ende von Schulzeiten. Gab es unter den Erstklässlern noch mehr Kinder aus bildungsfernen Schichten (deren jeweilige Bezeichnung ist zweitranging, man kann auch von Arbeiterkindern, Unterschichtsfamilien oder benachteiligten Milieus sprechen) als später unter Abiturienten, Studenten oder Doktoranden, gilt die negative Selektivität des Bildungssystems als bewiesen.

          Nun könnte man es bei diesem Befund belassen und der Schule keinen Vorwurf daraus machen, dass sie eben schwächer ist als Familie, Milieu oder Schicht. Bleibt es aber bei der Klage über das Versagen der Schule als Korrektiv von Herkunft, kann sich Zufriedenheit mit dem Bildungssystem eigentlich nur dann einstellen, wenn sich die Sozialstruktur der Schüler zwischen Eintritt und Austritt aus dem Bildungssystem nicht verändert. Aber ist das eine realistische Annahme?

          Verpackt in ein Forschungsprojekt, bringt sie zumindest interessante Ergebnisse (Christina Möller: „Wie offen ist die Universitätsprofessur für soziale Aufsteigerinnen und Aufsteiger?“, Soziale Welt Jg. 64, Heft 4/2013). Die Studie untersucht die soziale Herkunft deutscher Hochschullehrer. Die Stichprobe entstammt einer Online-Befragung sämtlicher Professorinnen und Professoren der nordrhein-westfälischen Universitäten. Das ist eine ziemlich heterogene Gruppe - gestandene C4-Lehrstuhlinhaber mit einem Studium in den späten sechziger-Jahren finden sich darin genauso wie jüngst berufene Juniorprofessoren.

          Eigentlich müssten es weniger Arbeiterkinder sein

          Insgesamt kommt die Studie auf 1380 Teilnehmer. Die Autorin beruft sich auf die These des französischen Soziologen Pierre Bourdieu, nach dem nicht jeder familiäre Habitus zu den spezifischen Erwartungen der Bildungsinstitutionen passt. Sie erwartet also eine „herkunftsbedingte Segregation“ der Bildungserfolge. Auf den Lehrstühlen müssten demnach weniger Arbeiterkinder und mehr Professorenkinder sitzen. Sogar in Nordrhein-Westfalen.

          Es überrascht nicht, dass die Studie eine „starke Selektionskraft der sozialen Herkunft“ bei der Erreichung einer Professur belegt. Die Rekrutierung aus der Arbeiterschaft falle zu gering aus. Und die soziale Öffnung der Hochschulen für Studenten aus allen Schichten habe sich nur geringfügig in einer entsprechenden Öffnung der Professorenschaft fortgesetzt. Die Autorin kommt zum Ergebnis, die falsche Herkunft lasse sich nicht abschütteln.

          Doch wenn man schon daran glaubt, dass Begriffe wie „Arbeiterkind“ informativ sind, sollte man auch wirklich alle Befunde berücksichtigen. Etwa den, dass fast 60 Prozent der teilnehmenden Professoren einem Elternhaus ohne Hochschulabschluss entstammen. Und nimmt man noch die dazu, wo nur ein Elternteil einen solchen Abschluss hat, sind es sogar fast 85 Prozent. Das ist doch bemerkenswert und steht auch in einem etwas schiefen Verhältnis zur These der Autorin von der sozialen Exklusivität der Hochschulprofessur.

          Man muss deren besondere soziale Schichtung nicht leugnen, aber die Schuldfrage sollte man doch wohl an andere Institutionen richten: Denn was Grundschule und Gymnasium versäumten, kann das Doktorandenkolloquium schließlich kaum noch ausgleichen. Die wirklich maßgeblichen Segregationen nach sozialer Herkunft erfolgen am Anfang des Bildungsweges und nicht im gesetzten Alter der Erstberufung. Was die Autorin der Studie durchaus einräumt. Die soziale Schichtung der Professoren gleicht daher auch viel mehr der Schichtung der Promovierenden als etwa derjenigen der Abiturienten. Herkunft verblasst also, kann korrigiert werden, wird verdrängt von frischeren Einflüssen. Allein für ein solches Ergebnis hat sich diese Studie schon gelohnt.

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