https://www.faz.net/-gyl-a41cv

„Mobile Arbeit Gesetz“ : Heil will Mindestanspruch auf 24 Tage Homeoffice pro Jahr

  • Aktualisiert am

Was haben wir schon jetzt aus der Pandemie gelernt? Nicht nur, wie sinnvoll Masken sein können – zumindest wenn es nach Arbeitsminister Hubertus Heil geht, der den Weg für mobiles Arbeiten ebnen will. Bild: EPA

Um auch künftig mobile Arbeit zu ermöglichen, will Bundesarbeitsminister Heil Angestellten per Gesetz das Recht auf Arbeit aus dem Homeoffice geben. Die 24 Tage sollen dabei laut einem Medienbericht nur die Untergrenze sein.

          2 Min.

          Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will möglichst allen Arbeitnehmern einen Rechtsanspruch auf mindestens 24 Tage Homeoffice im Jahr einräumen. Wie die „Bild am Sonntag“ berichtet, hat Heil sein angekündigtes „Mobile Arbeit Gesetz“ fertiggestellt und will es nun in die Ressortabstimmung geben. Es sieht demnach vor, dass ein Arbeitgeber den Wunsch nach mobiler Arbeit nur dann ablehnen darf, wenn es dafür nachvollziehbare organisatorische oder betriebliche Gründe gibt.

          „Dort, wo es möglich ist, sollen alle Angestellten einen gesetzlichen Anspruch von mindestens 24 Tagen pro Jahr für mobile Arbeit bekommen“, sagte Heil der „Bild am Sonntag“. „Wenn beide Eltern einen Beruf haben, in dem mobiles Arbeiten machbar ist, kann nach meinem Vorschlag jede Woche abwechselnd ein Elternteil einen Tag von zu Hause arbeiten. Das erleichtert das Familienleben enorm.“

          Heil begründete seinen Vorstoß auch mit den Erfahrungen der Corona-Zeit. „Das Virus hat uns gelehrt, dass viel mehr mobiles Arbeiten möglich ist als wir dachten. Mobiles Arbeiten ist nicht nur was für junge Leute aus Agenturen, die mit Laptop und Latte Macchiato im Café sitzen. Weil mobiles Arbeiten schon für einige fest zur modernen Arbeitswelt gehört, aber vielen noch nicht ermöglicht wird, braucht es dafür auch ein Gesetz.“

          Die 24 Tage möchte der Minister als Untergrenze verstanden wissen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber könnten sich darüber hinaus individuell in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen auf mehr Heimarbeit verständigen. „Alle Beschäftigten bekommen das Recht, mit ihrem Chef über mobiles Arbeiten zu verhandeln“, so Heil. „Natürlich kann ein Bäcker nicht von zu Hause aus Brötchen backen.“ Deshalb könne ein Arbeitgeber den Wunsch ablehnen, wenn er dafür nachvollziehbare Gründe habe.

          Für Arbeitgeber sei es damit aber nicht mehr möglich, mobiles Arbeiten aus Prinzip abzulehnen. „Chef und Mitarbeiter werden in Zukunft darüber auf Augenhöhe verhandeln“, sagte Heil. Darüber hinaus schreibe das Gesetz vor, dass die Arbeitszeit im Homeoffice digital dokumentiert werden müsse. „Arbeit von zu Hause darf nicht dazu führen, dass einen die Arbeit gar nicht mehr loslässt. Auch im Homeoffice muss irgendwann Feierabend sein.“

          Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Peter Weiß, wies die Pläne zurück. „Einen echten Rechtsanspruch könnte es ja nur für einen Teil der Arbeitnehmerschaft geben. Doch dann würde man ein Zwei-Klassen-System im Arbeitsrecht errichten“, sagte Weiß der „Rheinischen Post“ (Montag). „Das wäre ungerecht, und deshalb geht so etwas nicht“, sagte der CDU-Politiker. Dass Arbeitgeber einen Wunsch auf Homeoffice ernsthaft prüfen, sollte allerdings selbstverständlich werden, fügte Weiß hinzu.

          Die Grünen und der DGB fordern mehr

          Den Grünen ist der vorgeschlagene Mindestanspruch von 24 Tagen zu wenig. Es müsse klar sein, dass Arbeitnehmer ein oder zwei Tage in der Woche von zu Hause arbeiten können „und zwar regelmäßig, damit sich alle verbindlich darauf einstellen können“, erklärte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Beate Müller-Gemmeke. Nötig seien auch klare Regeln zum Schutz der Beschäftigten. Homeoffice müsse immer freiwillig sein und im Wechsel mit der Arbeit im Büro stattfinden, es dürfe zudem nicht zu unbezahlter Mehrarbeit führen.

          Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lobte den Vorstoß des Arbeitsministers, kritisierte aber ebenfalls, dass dieser nicht weit genug gehe. Der geplante Rechtsanspruch von 24 Tagen sei eindeutig zu wenig, sagte DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann. Ein solcher „Minimalanspruch“ sei ein Zugeständnis an die Arbeitgeber, die bei dem Thema immer noch blockierten, kritisierte Hoffmann.

          Unterstützung erhielt Heil aus der eigenen Partei. Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Katja Mast, erklärte, mit mobiler Arbeit könne das Leben einfacher werden. „Mehr Zeit für die Familie, weniger Stress und Stau. Kurz: Arbeit, die zum Leben passt.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Armin Laschet am Samstag in Warendorf

          Bundestagswahl : Was Laschet falsch macht und was richtig

          Der Kandidat der Union will auf einer Welle des Vertrauens ins Kanzleramt reiten. Das ist ein wenig, als würde die Bahn mit Pünktlichkeit werben. Oder Tinder mit ewiger Treue.
          „Viel Freizeit gibt es nicht“: Cihan Çelik vor dem Klinikum Darmstadt

          Lungenarzt Cihan Çelik : „Ich bin etwas desillusioniert“

          In seiner Klinik wurden in dieser Woche schon mehr Corona-Patienten betreut, als Richtwerte der Politik vorsehen. Lungenarzt Cihan Çelik über frustriertes Personal, die Nachlässigkeit der Ungeimpften und Patienten, die ausgeflogen werden müssen.
          Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq

          Michel Houellebecq : „Ich war süß und hübsch“

          In einer erstmals auf Deutsch veröffentlichten Tagebuchaufzeichnung aus dem Jahr 2005 schreibt der französische Schriftsteller über das Verhältnis zu seiner Mutter und darüber, wie es seine Beziehung zu Frauen prägte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.