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Gute Vorsätze im Büro : „Man muss das Hamsterrad anhalten“

  • Aktualisiert am

Mit guten Vorsätzen und einer Strategie zu ihrer Umsetzung gibt es ihn: den Ausweg aus dem Hamsterrad. Bild: Picture-Alliance

Zufriedener arbeiten, gesünder leben: Gute Vorsätze sind rasch gefasst - und schnell gebrochen. Und wie hält man durch? Psychologe Dieter Frey im Interview.

          6 Min.

          Herr Frey, Silvester, gern auch zur Fastenzeit werden Vorsätze gefasst. Die Bilanz sieht mau aus. Warum tun wir uns so schwer damit, gute Vorsätze in die Tat umzusetzen?

          Es ist wie überall im Leben: Nachdenken, was man besser oder anders machen kann und einen Plan zu erarbeiten, wie man es umsetzt, ist das eine, es tatsächlich umzusetzen, ist das andere. Dazu bedarf es Herzblut, Energie, Disziplin. Und wir wissen alle, wie schwierig es ist, Gewohnheiten zu ändern.

          Gibt es Zahlen, wer sich was vornimmt und wann er damit scheitert?

          Es gibt keine konkreten Zahlen, wer sich was vornimmt, aber ein hoher Prozentsatz von etwa 30 bis 40 Prozent aller Deutschen nimmt sich regelmäßig an Silvester vor, dass er bestimmte Dinge anders oder besser machen will.

          Welche Vorsätze sind von vorneherein zum Scheitern verurteilt?

          Dieter Frey ist Professor für Psychologie und lehrt in München.
          Dieter Frey ist Professor für Psychologie und lehrt in München. : Bild: FAZ.NET

          Vorsätze sind zum Scheitern verurteilt, wenn sie nicht konkret sind, das heißt, kein inhaltliches und zeitliches Drehbuch haben. Es bleibt dann diffus. Vorsätze scheitern auch dann, wenn man relativ schnell erkennt, dass es im Leben wichtigere Dinge gibt, als einen bestimmten Vorsatz umzusetzen. Man will zum Beispiel Chinesisch lernen und stellt dann fest, dass man eigentlich gar keine Zeit hat, oder man ist nicht sprachbegabt.

          In einer Untersuchung an der Ludwig-Maximilians-Universität München haben Sie Strategien entwickelt, um Vorsätze bestmöglich umzusetzen. Sie raten zu Aktionsplänen.

          Man hat zum Beispiel einen festen Vorsatz: Man will abnehmen oder mehr Sport machen oder beides verbinden. Dann muss ich natürlich wissen, wann, wie und wo ich dieses mache. Wie fange ich an? Welchen Sport will ich konkret machen? Mit wem? Wo? Zu welcher Uhrzeit? Oder was heißt es konkret, gesünder zu essen? Was lasse ich weg, und was esse ich mehr an Gemüse und Obst? Vereinfacht ausgedrückt: Wann? Wo? Wie? Es muss ein gewisser Leidensdruck vorliegen. Wenn es einfach nice to have ist, es wäre schön, wenn - dann scheitert es, weil es mit vielen anderen Verhaltensweisen oder gar Gewohnheiten kollidiert.

          Sie sagen, Vorsätze werden eher umgesetzt, wenn man sie mit hinderlichen Bedingungen kontrastiert.

          Das geht zurück auf einen Ansatz von Gabriele Oettingen, die nachweisen konnte: Wer seine Vorsätze nicht mit den widrigen Bedingungen der Realität konfrontiert, also reflektiert, was alles dagegen spricht, dass man mehr Sport macht, abnimmt, Chinesisch lernt, der wird scheitern. Denn die ersten Hindernisse bewirken, dass man sagt: Es geht doch nicht. Oder dass man sagt: Dann verschiebe ich es aufs nächste Jahr. Das heißt, ich muss konkret die Hindernisse reflektieren und mir dessen bewusst sein, dass es sie gibt und wie ich sie überwinde. Das hat fast etwas mit Impfen zu tun: dass man sagt, es ist zwar schön, wenn ich dieses mache, aber ich muss auch negative Dinge zunächst mal in Kauf nehmen. Nur derjenige, der sagen kann, ich wusste, dass es nicht einfach ist, Chinesisch zu lernen, ist realistisch. Aber er verfügt gleichzeitig auch über die nötige Disziplin nach dem Motto „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ und bleibt daher an seinem Vorhaben dran. Das ist ohnehin am wichtigsten: dranzubleiben trotz widriger Bedingungen, die auftreten.

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