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Sommerserie über das Handwerk : Glänzende Aussichten mit goldenen Kickern

Born to be gold: Eine Harley wird mit Blattgold zum echten Schmuckstück.

Die wachsende Mittelschicht in Russland und China strebe nach Individualisierung und stehe vergoldeten Motorrädern, Kickertischen, aber auch Hirschgeweihen aufgeschlossen gegenüber, erläutert Neumeyer und zitiert ein Motto seines Vergolderstands: „Das Handwerk bringt uns überall hin.“ Um zu zeigen, wie abwechslungsreich der Beruf ist, hat der 29 Jahre alte Studienabbrecher zusammen mit seinen vier Angestellten auch einen Tischkicker veredelt, der rasch zum Publikumsmagneten wird. Neumeyer denkt ein Jahr nach der Firmengründung schon über weiteres Personal nach. Einen Vergolder und einen Lackierer hat er auf dem Wunschzettel, allerdings ist der Markt klein. Während seiner Ausbildungszeit waren es bundesweit acht angehende Vergolder, derzeit sei es sogar nur eine Auszubildende. „Zur Not machen wir das selbst“, sagt Neumeyer.

Mit großformatigen Fotos und ausladendem Modell versucht der Ing.-Holzbau aus Rotenburg an der Wümme zu punkten. Gegründet vor mehr als 100 Jahren als Tischlerei, ist das Unternehmen heute für seine aus Holz gebauten Achterbahnen bekannt, zu sehen unter anderem im Heide-Park Soltau, aber auch in Göteborg oder New Jersey. Das Schreiner- und Tischlerhandwerk gilt als Klassiker unter den Handwerksberufen, die Abiturienten anziehen - manche eignen sich in der verkürzten Lehre Kenntnisse an, die sie später als Architekten oder Möbeldesigner gut brauchen können.

„Man denkt, die bauen nur Klos ein“

Nach so viel exotischen Ständen versammeln sich die mehr oder weniger interessierten Schüler um auskunftsfreudige Bäcker, die beim öffentlichen Teigrühren und Schaubacken auch über ihre gewöhnungsbedürftigen Arbeitszeiten informieren, die nicht nur dem Nachwuchs ein diszipliniertes, leicht isoliertes Freizeitverhalten aufdrängen. Dass der ein oder andere junge, an Fast Food gewöhnte Messegast erstaunt beobachtet, dass tatsächlich Mehl in einen Teig geknetet wird, erschüttert da nur am Rande. Schnell weiter zum Stand in Halle C2 , an dem ein Alterssimulationsanzug vorgestellt wird. Kein unorigineller Einfall: Wer mag, kann in den luftigen Anzug steigen, sich Gewichte, seitliche Augenklappen und andere Module umlegen lassen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, mit welchen körperlichen Einschränkungen das Alter seine unschöne Seite zeigt.

So wie der Rentner aus Rosenheim, der sichtlich stolz auf seine durchtrainierte Figur in den Anzug schlüpft. Der braungebrannte Mann kapituliert verlegen, als er sich plötzlich im Zeitlupenmodus wiederfindet: Die ungewohnte Brille konfrontiert ihn mit Eintrübungen, fehlenden Kontrasten und Tunnelblick. Angeschnallte Armschienen boykottieren die Reichweite, es fällt ihm schwer, etwas vom Boden aufzuklauben. Von wegen rüstiger Rentner. Der Anzug macht alt. Die ausgelassene Stimmung am Stand weicht befremdetem Staunen. Ein Unternehmen aus Kassel bietet den Anzug auch Handwerkern an. Die sollen sich so in ihre ältere Klientel hineinversetzen und zum Beispiel den Badausbau altersgerecht betreiben. Eine Geschäftsidee zum demographischen Wandel. Messe-Mitarbeiter Andreas Ritter hat sich angesehen, wie der Anzug sozusagen Leiden einstellen kann, etwa eine schiefe Hüfte: „Dann erkennt man, wie man einen Autositz oder einen Treppe bauen muss oder aber Duschköpfe anbringen sollte.“

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