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Gründerserie : Mit IT durch die Visa-Bürokratie

Andreas Kopysov Bild: Visaright GmbH

Andreas Kopysov war Beamter und kämpfte für digitalen Fortschritt im Visumsverfahren – vergeblich. Nun ist er Digitalunternehmer und ebnet ausländischen Fachkräften den Weg.

          4 Min.

          Der Fortschritt ist zuweilen eine Schnecke, der digitale Fortschritt in der öffentlichen Verwaltung sogar recht oft. Allerdings hat dies mindestens im Fall von Andreas Kopysov den Unternehmergeist gefördert und einen mutigen Berufsweg allemal. Denn der führte den Berliner erst in die Elite des Berufsbeamtentums, den Auswärtigen Dienst der Bundesrepublik Deutschland – bis er den Beamtenstatus aufgab, um Gründer zu werden. Seit eineinhalb Jahren arbeitet er daran, zu zeigen, wie flott digitaler Fortschritt in Behördendingen sein kann, falls man ihn unternehmerisch organisiert.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Mit seiner Visaright GmbH setzt Kopysov beinahe fort, was er im Staatsdienst tat: Visumsanträge bearbeiten – nur nicht mehr als Konsularbeamter, sondern als Lotse für die Antragsteller, etwa IT-Spezialisten aus Indien. Und damit auch als Dienstleister für hiesige Unternehmen, die solche Kräfte dringend suchen. Formal zählt Visaright zu den „Legal-Tech-Start-ups“, die mittels digitaler Technologien standardisierte Rechtsdienstleistungen anbieten. Seit der Firmengründung Ende 2018 hat Kopysov etwa 200 Fachkräften den Behördenweg gebahnt, wie er erzählt. Zugleich hat er so Fachkräftelücken in deutschen Unternehmen gefüllt. Und der Bedarf dürfte weiter wachsen.

          Man könnte meinen, dass es keiner privaten Dienstleister fürs Visumsverfahren bedarf, schließlich will die Bundesregierung mehr Fachkräfte aus aller Welt für den Arbeitsmarkt gewinnen. Wer mit Kopysov spricht, lernt aber eine andere Welt kennen: Selbsterklärende, gar einladende Behördenwege gibt es nicht; selbst wenn alle nötigen Nachweise vorhanden sind, von Zeugnissen über den deutschen Arbeitsvertrag bis zur Zustimmung der Arbeitsagentur. Die Gefahr starker Verzögerungen oder gar des Scheiterns ist groß, sei es wegen unbeabsichtigter Formfehler oder Überlastung der staatlichen Stellen.

          Hier setzt die Dienstleistung an, die potentielle Einwanderer oder deren künftige Arbeitgeber in Auftrag geben. Durch kundige Begleitung werden die Antragsteller so durchs Verfahren gelotst, dass sie möglichst zügig einreisen und loslegen können. Wobei sich zu Kopysovs Leidwesen nicht alles steuern lässt – vor allem nicht die Wartezeit, bis Fachkräfte ihren Termin in der deutschen Auslandsvertretung erhalten, um den Visumsantrag einzureichen. Wegen Personalmangels dauert allein das oft monatelang. Umso wichtiger, dann gut vorbereitet zu sein und alle Nachweise genau so zu liefern, wie es das 578-seitige „Visumhandbuch“ des Auswärtigen Amts verlangt.

          Hilfe auch bei Anmeldung, Krankenkasse, Bankkonto

          Zwar will die Regierung alles beschleunigen, auch digital. Gefahren für sein Geschäftsmodell sieht Kopsyov darin aber keineswegs – schon weil sein Dienstleistungspaket neben dem Visum auch Hilfe für die ersten Schritte nach der Einreise umfasst. Etwa: Wohnsitz anmelden, Krankenkasse, Bankkonto. Außerdem hat Kopysov seine eigene Erfahrung mit dem Staat und der Digitalisierung: „Trotz Personalmangels fehlt wohl der Wille, das Visumsverfahren zu verbessern.“ So sei es jedenfalls gewesen, solange er Beamter war.

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