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Gastbeitrag : Frauen, versteckt euch!

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Immer wieder ist bei Experimenten, in denen Frauen mit typisch männlichen Jobs beurteilt wurden – zum Beispiel die für den Vertrieb zuständige stellvertretende Vizepräsidentin einer Luftfahrtgesellschaft – ein bestimmtes Muster aufgetaucht: Wenn die Leistung eindeutig zu erkennen ist, werden erfolgreiche Frauen als weniger sympathisch beurteilt als Männer. Wenn die Leistung nicht eindeutig ist, werden erfolgreiche Frauen als weniger kompetent als Männer beurteilt.

Ein anderer Feldversuch ist aufschlussreich. Ein Mann und eine Frau bewarben sich auf die Stelle des Laborleiters an einer Universität. Bis auf das Geschlecht war alles andere identisch, und sie hatten die gleichen Qualifikationen. Die naturwissenschaftliche Fakultät stufte den männlichen Kandidaten als deutlich kompetenter ein als die Bewerberin und war geneigter, ihn einzustellen. Die Voreingenommenheit der Fakultät gegenüber Frauen beeinflusste ihre Bewertung.

In einer weiteren Untersuchung von Geschlechtervorurteilen im Bereich der MINT­Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) sollten Personen Kandidaten und Kandidatinnen für eine bestimmte Aufgabe auswählen: eine genau definierte Rechenaufgabe, bei der beide Geschlechter gleich gut abschneiden. Wenn die Evaluierenden bis auf das Geschlecht nichts über die Kandidaten und Kandidatinnen wussten, wurden Männer doppelt so häufig ausgewählt wie Frauen. Diese Verzerrung änderte sich kaum, wenn Informationen über die Qualifikationen der Einzelnen vorlagen. Wie schon andere Studien gezeigt haben, war es auch hier so, dass die Bewerber zum Prahlen neigten, während die Bewerberinnen ihr Licht eher unter den Scheffel stellten, was die Evaluation nicht berücksichtigte. Nur Informationen darüber, wie gut die Einzelnen die Aufgabe bei einer früheren Runde gelöst hatten, halfen die Verzerrung zu reduzieren. Doch selbst diese präzise Information konnte sie nicht ganz beseitigen.

Männer erfahren ähnliche Schwierigkeiten - mit einem kleinen Unterschied

Und wie steht es mit den Männern? Was ist, wenn Männer für eine kontrastereotype Tätigkeit bewertet werden, als stellvertretender Vorstand für Personalwesen zum Beispiel? Diese Frage wurde zwar weniger gründlich untersucht, aber es scheint, dass Männer in kontrastereotypen Rollen teilweise die gleiche, durch Vorurteile beeinflusste Dynamik erleben wie Frauen – mit einer wichtigen Ausnahme: Es hat keine Auswirkung darauf, wie sympathisch sie erscheinen. Männliche Personalmanager werden vielleicht als weniger kompetent bewertet, aber die Tatsache, dass sie eine typisch weibliche Position innehaben, macht sie nicht weniger sympathisch. Frauen stecken damit in einem Dilemma, das für Männer nicht existiert. Sie werden entweder als sympathisch oder als kompetent wahrgenommen.

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