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Gesundheit im Büro : Meditieren mit Kollegen

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Entspannen wie die Großen: Der Sportartikelkonzern Adidas bietet längst Yogakurse für Mitarbeiter an. Kleinere Betriebe tun sich noch schwer. Bild: Rainer Wohlfahrt / F.A.Z.

Kleinere Betriebe scheuen sich häufig, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter mit speziellen Programmen zu fördern. Zu teuer, zu schlecht kalkulierbar. Doch die Investition lohnt sich.

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          Üblicherweise geben Anregungen von Vorgesetzten nicht gerade Anlass für Entspannung - meist erreichen sie das genaue Gegenteil. Im Fall von Roland Köder war das jedoch anders: Er hatte am eigenen Leib festgestellt, wie regelmäßiges Meditieren merklich den Stress abbaut. Diesen Effekt wollte der Geschäftsführer der Münchener Treuhandgesellschaft GTS auch seinen 25 Mitarbeitern gönnen. Er bestellte eine private Meditationslehrerin für Schulungen ein, und seitdem übt sich ein guter Teil der Angestellten selbständig in der gezielten Versenkung - laut Köder mit einem nachhaltigen Erfolg für sein Team: Ein Mitarbeiter habe durch die Entspannungsmethode seine Schlafstörungen überwunden, ein anderer fühle sich nach grenzwertig empfundenem Stress wieder wohl im Alltagsgeschäft.

          Was früher die Rückenschule oder der Gutschein fürs Fitnessstudio bieten sollte, erledigen inzwischen Kurse in Meditation oder Yoga. Mit den neuen Herausforderungen der mobilen und immer internationaler werdenden Arbeitswelt hat sich auch die Gesundheitsvorsorge der Betriebe für ihre Mitarbeiter verändert. Denn die alten Klassiker, die viele Unternehmen seit den Anfängen der betrieblichen Gesundheitsförderung in den neunziger Jahren anbieten, setzen nicht da an, wo es immer öfter hakt: an der Gesundheit der Psyche.

          Eine echte Win-win-Situation

          Zwar sei auch das Angebot zur betrieblichen Gesundheitsförderung der Kasse umfangreich, sagt Köder. Beliebig gestaltbar ist es jedoch nicht. Deshalb hat er es durch die Schulung auf Betriebskosten ergänzt. Ein „kapitaler Fehler“ von Kleinunternehmern sei es, das Wohlergehen der Mitarbeiter zu vernachlässigen, sagt der Steuerberater. Die gezielte Gesundheitsförderung ist seinen Worten nach eine echte Win-win-Situation. Von ihr profitierten Menschen und Geschäft gleichermaßen. „Der Wert des Betriebs liegt vor allem im permanent zusammenarbeitenden Team, dem die Mandanten ihr Vertrauen schenken“, ist Köder überzeugt. „Wenn die Mitarbeiter nicht mehr können, braucht es keine Wirtschaftskrise, um das Geschäft kaputtzumachen.“

          Das zeigt auch die Statistik. Spätestens seitdem die meist stressbedingten psychischen Erkrankungen drastisch gestiegen und neben denen von Skelett und Muskulatur nun eine Hauptursache für Arbeitsunfähigkeit sind, denken immer mehr Unternehmen um. Einerseits, weil der „Faktor Mensch“ sich in den Betrieben zunehmend als Rechengröße für den wirtschaftlichen Erfolg durchsetzt. Andererseits, weil der Markt arm an Fachkräften ist und durchschnittlich immer älter wird. Während für viele Großunternehmen die Investition in betriebliche Gesundheitsförderung schon zum Konzept und nicht selten auch zum „Marketingmix“ gehört, scheuen sich kleinere Unternehmen, bei denen immerhin mehr als 60 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Deutschen in Lohn und Brot stehen, häufig noch vor der Organisation und Integration eines Gesundheitsprogramms, das die gesundheitlichen Probleme der Mitarbeiter an der Wurzel packt: Weil das Tagesgeschäft nicht unterbrochen und das ohnehin knappe Budget nicht verschleudert werden soll, weil die Organisation Personalausfall und Unregelmäßigkeiten bedeuten kann und zudem der Nutzen anfänglich kaum kalkulierbar ist.

          Das Gesundheitsmanagement ist zeitaufwendig

          „Die Umsetzung braucht Zeit und Engagement, danach zahlt sich jeder investierte Euro doppelt aus“, sagt Patricia Lück, Referentin für betriebliche Gesundheitsförderung im Bundesverband der AOK. Gestalte ein Unternehmen die Arbeit für die Mitarbeiter attraktiv, halte das einerseits die Menschen gesund und motiviert, der Betrieb mache sich so aber auch zukunftsfähig. Den Betrieben wird immer stärker bewusst, wie komplex das Zusammenwirken von Arbeit und Gesundheit ist, sagt die Psychologin. Gerade in kleineren Betrieben könne die geringe Größe zum Vorteil werden, wenn das Programm zur Teamsache werde. Bestenfalls fühlten sich dann die Mitarbeiter motiviert, auch nach Feierabend gesünder zu leben. Den Anfang müsse wie im Falle der Steuerkanzlei aber der Chef machen: „Im Idealfall wird er sogar zum Vorbild für die ganze Belegschaft.“

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