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Gespräche im Zug : „Der fliegt jetzt raus“

Im Großraumwagen: Nicht immer sind beruflich Reisende besonders diskret. Bild: EPA

Berufsgeheimnisse, Kollegentratsch und medizinische Details: Bahnpendler und Dienstreisende enthüllen erstaunlich viel ganz öffentlich. Wir haben zugehört, hingeschaut und nacherzählt.

          6 Min.

          Krebsgeschwür im Großformat

          Im gut gebuchten Wagen 21 herrscht Dröhntelefonat-Smartphone-Verbot, gearbeitet wird viel und relativ still. Der Vordermann haut emsig in die Tasten seines Laptops. Er ist so fleißig zugange, dass wir die Illustriertenlektüre unterbrechen. Langweilig erscheint auf einmal die schwelgerische Bildstrecke in unserem Landmagazin, betitelt mit „Kleine Kostbarkeiten“. Es geht um Leberblümchen, botanisch „Hepatica“, und Kappen aus Pilzleder (gibt es wirklich); dahinter folgt die Fotogeschichte „Geliebter Schmarrn“ (Untertitel: „Was gibt es Schöneres, als auf der Almhütte mit einem köstlichen Kaiserschmarrn begrüßt zu werden?“). Eigentlich wollten wir uns gerade wirklich einmal kurz mit bukolischen Nickeligkeiten beschäftigen, aber der Mann vor uns tippt wirklich sehr laut.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Er scheint so hart zu arbeiten, dass der Blick schon fast unfreiwillig von den Blümchen wegwandert: durch die Lücke zwischen den ICE-Sitzen auf seinen Bildschirm. Was dort zu sehen ist, jagt uns medizinischen Laien den Schauer über den Rücken, aber es ist zu spät, um wegzuschauen: Aufnahmen von vernarbtem, entzündetem Gewebe sind farbstark zu sehen, erkrankte Körperteile, die sonst nur Proktologen in diesen Details und Auflösungen zu Gesicht bekommen. Der Vordermann versieht diese Bilder mit erläuternden Texten, in denen es von Fachausdrücken nur so wimmelt. Wir sind schockiert, fasziniert, können unseren Blick nicht abwenden und enträtseln das Ganze. Da arbeitet ein Facharzt, der sich auf Analkarzinome spezialisiert hat, an einem Vortrag. Er macht das kühl-konzentriert, Patientennamen tauchen keine auf. Aber Sachinformationen und Bilder, die Außenstehende verstören. Was im Sonntagabend-„Tatort“ vernebelt, weggeblendet oder unheilvoll angedeutet wird, ist hier drastisch zu sehen: zerstörtes Gewebe, leuchtendes Blut.

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