https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/buero-co/gen-y-ansprueche-arbeitgeber-13510867.html

Berufseinsteiger : Deutsche nicht die einzig Anspruchsvollen

  • Aktualisiert am

Ehrgeizig, zielstrebig, anspruchsvoll: Das sind nicht nur die jungen Berufseinsteiger in Deutschland. Bild: obs

Eine europäische Vergleichsstudie zeigt: Die hohen Ansprüche der „Generation Y“ an den Arbeitgeber sind kein deutsches Luxusphänomen. Unternehmen sollten ihre Wünsche deshalb ernst nehmen.

          4 Min.

          Die grundlegenden Einstellungen der 18 bis 32 Jahre alten Akademiker zum Arbeitsleben ähneln sich in Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Spanien. Das ergab eine Vergleichsstudie des Marktforschungsinstituts facit research im Auftrag der Unternehmensberatung Consulting Cum Laude. Für die Studie wurden je 1.000 Personen in Deutschland, den Niederlanden, Spanien und Großbritannien befragt. Die Zielgruppe waren Akademiker im Alter von 18 bis 32 Jahren, davon 33 Prozent Studenten, 33 Prozent Absolventen, 33 Prozent junge Berufseinsteiger. 

          Die wirtschaftliche Situation in den vier Ländern hat keinen erkennbaren Einfluss auf die Werte der Generation Y. Das zeigt vor allem der direkte Vergleich zwischen dem wirtschaftlich stabilen Deutschland und dem krisengeschüttelten Spanien. Trotz einer Arbeitslosigkeit von rund 24 Prozent sind in Spanien eine angemessene Work-Life-Balance und eine gute Arbeitsatmosphäre die wichtigsten Anforderungen der Generation Y an einen Arbeitgeber. Die Arbeitsplatzsicherheit folgt in Spanien erst an dritter Stelle und ist der jungen Generation damit sogar etwas weniger wichtig als ihren deutschen Altersgenossen.

          „Aufgrund des internationalen Vergleichs können wir davon ausgehen, dass die Anforderungen der Generation Y an Arbeitgeber sehr stabil sind“, sagt Roman Diehl, Geschäftsführer von Consulting Cum Laude: „Es ist deshalb ein Trugschluss zu denken, die ‚verwöhnte‘ Generation Y werde im nächsten Abschwung schon zur Vernunft kommen und ihre hohen Ansprüche aufgeben. Dieser falschen Hoffnung sollten sich Unternehmen nicht hingeben. Die neuen Erwartungen an Arbeitgeber werden bestehen bleiben. Und Unternehmen tun gut daran, sich darauf einzustellen. Nur mit einem wertschätzenden Führungsstil und einem positiven Betriebsklima werden sie sich im Wettbewerb um qualifizierte Nachwuchskräfte durchsetzen können.“

          Deutsche realitätsferner als Niederländer

          Auch wenn sich die grundlegenden Werte der Generation Y in den vier untersuchten Ländern ähneln, gibt es hinsichtlich der Einstellungen zum Arbeitsleben teilweise deutliche nationale Unterschiede. Die Deutschen haben im Vergleich zu ihren europäischen Altersgenossen besonders hohe Ansprüche an die Arbeitsplatzqualität. Dies gilt sowohl für das Arbeitsklima als auch für die Führungskultur: Anerkennung der Leistungen durch die Vorgesetzten ist jungen Deutschen deutlich wichtiger als im Durschnitt aller Länder (53 Prozent vs. 41 Prozent). Dass Vorgesetzte ihre Ideen aufnehmen und ernst nehmen ist für die Generation Y in Deutschland ein entscheidender Motivationsfaktor (49 Prozent vs. 40 Prozent). Eine angenehme Arbeitsatmosphäre ist im Unterschied zu allen andern Ländern das wichtigste Kriterium für die Beurteilung eines Arbeitgebers (Spanien: Platz 2, Niederlande Platz 3, Großbritannien Platz 4). Dementsprechend sind die Deutschen auch besonders harmoniebedürftig: 80 Prozent sagen, dass sie in einem harmonischen Arbeitsumfeld am besten arbeiten können (Durchschnitt andere Länder: 65 Prozent)

          Genau diese Ansprüche an einen attraktiven Arbeitsplatz scheinen von der Wirklichkeit der Unternehmen in Deutschland noch besonders weit entfernt zu sein: Bei den Gründen für einen Jobwechsel rangieren eine mangelnde Wertschätzung durch den Arbeitgeber (64 Prozent vs. 46 Prozent) und eine schlechte Arbeitsatmosphäre in Deutschland (56 Prozent vs. 41 Prozent) deutlich höher als in den anderen Ländern. Die jungen Deutschen zeigen damit eine hohe Bereitschaft, ihre Vorstellungen von einem guten Arbeitsplatz konsequent zu verfolgen und deswegen gegebenenfalls auch zu kündigen. „Genau hier liegt die große Herausforderung für Unternehmen in Deutschland: Sie haben sich in der Unternehmens- und Führungskultur noch nicht auf die Vorstellungen der Nachwuchskräfte eingestellt“, sagt Marcel Rasche, Partner bei Consulting Cum Laude.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Jonathan Gray, 52, ist Präsident der amerikanischen Private-Equity-Gesellschaft Blackstone. Die Finanzfirma beteiligt sich in  großem Stil an Unternehmen und Immobilien auf der ganzen Welt.  In Deutschland gehören ihr beispielsweise der Frankfurter  Messeturm und Anteile am Kamerahersteller Leica.

          Großinvestor Blackstone : „Wir setzen auf Lagerhäuser“

          Jonathan Gray ist Präsident von Blackstone, einer der einflussreichsten Finanzfirmen der Welt. Hier spricht er über spannende Anlagechancen, die besten Verhandlungstricks und den Deal seines Lebens.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.