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Geflüchtete auf Arbeitsmarkt : Mehr reguläre Beschäftigung, weniger Praktika

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Ein Geflüchteter aus Eritrea sitzt im August 2016 an einer Werkbank und misst ein Werkstück nach. Bild: dpa

Einer neuen Studie zufolge nimmt die Zahl von Geflüchteten in Praktika ab. Dagegen hat die reine Beschäftigungszahl seit 2016 leicht zugelegt. Doch die Probleme bleiben die gleichen.

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          Rund jedes vierte deutsche Unternehmen (24 Prozent von 429.000 Unternehmen) beschäftigt Geflüchtete oder hat es in den vergangenen drei Jahren getan, wie aus einer Studie des „Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung“ am arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht. 2016 seien es noch 23 Prozent und damit rund 18.000 Beschäftigte weniger gewesen. Zudem habe der Anteil regulärer Arbeitsverhältnisse von 10,2 Prozent auf 15,8 Prozent zugelegt, ebenso wie die Zahl der Auszubildenden. Anstellungen als Praktikanten hätten dagegen abgenommen.

          Die Studie basiert auf der Befragung von 1259 Unternehmen, die im Sommer 2019 im Rahmen des IW-Personalpanels befragt wurden. Mit Blick auf die Art der Beschäftigung zeigt sich weiterhin ein höherer Anteil von Hilfstätigkeiten als eine Anstellung als Fachkraft. Auch die Beschäftigung als Hilfsarbeiter sei jedoch „ein erster wichtiger Schritt in den deutschen Arbeitsmarkt“, bemerken die Studienautoren. Derweil arbeiten die meisten Geflüchteten (75,5 Prozent) in größeren Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern.

          Als Haupthindernis für die Einstellung von Geflüchteten sehen die Unternehmen weiterhin mangelnde mangelnde Deutschkenntnisse (86 Prozent), dieser Wert hat sich seit 2016 damit kaum verändert (85 Prozent waren es damals). In Hinblick darauf, dass sowohl die Anzahl der Absolventen von Sprachkursen zugenommen habe und Studien ein verbessertes Sprachniveau nahe legten, „könne nicht ausgeschlossen werden“, dass die Anforderungen der Unternehmen ebenfalls gestiegen seien – auch weil mittlerweile mehr Geflüchtete in regulären Arbeitsverhältnissen und eben nicht in Praktika beschäftigt seien.

          Dagegen gaben 82 Prozent der befragten Unternehmen als Motivation für die Beschäftigung von Geflüchteten an, „die Arbeit in vielfältigen Teams mit Menschen aus verschiedenen Kulturen finden wir bereichernd“. 2016 waren es noch 93,7 Prozent. Abgenommen hat etwa auch die Zustimmung zu der Aussage, dass Geflüchtete eine hohe Motivation an den Tag legten (von 88,5 Prozent auf 77,5 Prozent in 2018), während der Betreuungsaufwand und bürokratische Hindernisse stärker beschäftigten. Gerade für kleinere Unternehmen sei der Aufwand ein Einstellungshemmnis.

          Die Autoren führen mehrere mögliche Ursachen für diese Entwicklung an: Einerseits seien 2016 „überwiegend besonders motivierte und gut qualifizierte Geflüchtete direkt in Beschäftigungsverhältnisse eingemündet“, andererseits könnten die niedrigeren Werte auch „an einem veränderten Stimmungsbild in der Bevölkerung liegen“. Gleichwohl geben weiterhin knapp 73 Prozent der Unternehmen an, Geflüchtete seien „nach kurzer Zeit“ gut integriert und 42,7 Prozent erklärten, die Berücksichtigung Geflüchteter helfe offene Stellen zu besetzen.

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