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Gastronomie : Fachkräfte-Engpässe verstärken sich

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Kölsch – vom Köbes gebracht: In Köln zur Karnevalszeit beinahe unverzichtbar Bild: dpa

Qualifizierte Arbeitskräfte werden in der Gastronomie immer knapper. In der nahenden Karnevalszeit wird das umso stärker spürbar. Wie groß die Lücken wirklich sind, zeigen jetzt neue Zahlen.

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          Nach dem Karnevalszug noch ein Bier trinken gehen – dafür werden Menschen gebraucht, die das Bier servieren. Oder den Burger. Doch die Fachkräfte-Engpässe in der Gastronomie werden schlimmer. Kamen 2010 noch 198 Arbeitslose auf 100 gemeldete ausgeschriebene Stellen für Fachkräfte in der Systemgastronomie, waren es 2019 nur noch 62. Das geht aus einem Bericht des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (kurz KOFA) des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln hervor. Der Arbeitsagentur werden nur etwa die Hälfte der offenen Stellen gemeldet, deshalb gilt ein Beruf mit weniger als 200 Arbeitslosen auf 100 Stellen als Engpassberuf.

          Grund für den zunehmenden Fachkräftemangel ist laut KOFA, dass die Nachfrage nach Systemgastronomie-Fachkräften steigt: Seit 2010 ist die Zahl der gemeldeten offenen Stellen von bundesweit 682 Stellen auf 1484 Stellen im Jahr 2019 gestiegen. Das ist mehr als eine Verdoppelung.

          Gleichzeitig wird der Nachwuchs knapp: Immer weniger Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung in der Gastronomie. Die der Arbeitsagentur gemeldeten Bewerberzahlen sind von etwas mehr als 9000 im Jahr 2009 auf knapp 3600 im Jahr 2019 geschrumpft, das ist nicht einmal mehr die Hälfte. Das geht aus Zahlen der Arbeitsagentur hervor. Generell ist der Trend bei Ausbildungen rückläufig: Dreimal so viele Ausbildungsstellen wie noch 2009 werden über alle Branchen hinweg nicht besetzt.

          Arbeit in der Gastronomiebranche gilt als wenig attraktiv, denn die Arbeitszeiten sind oft lang und Beschäftigte werden unterdurchschnittlich bezahlt. Das mittlere Bruttoentgelt über alle Berufe hinweg liegt bei 3304 Euro im Monat, in der Gastronomie bekommen Beschäftigte im Durchschnitt keine 60 Prozent davon. Auch diese Zahlen finden sich bei der Arbeitsagentur.

          Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert in den aktuellen Tarifverhandlungen 12 Euro pro Stunde mindestens für Beschäftigte in der Systemgastronomie. Diese arbeiten etwa bei McDonald’s oder Burger King. Die Arbeitgeber möchten aber erst im Jahr 2024 die geforderten 12 Euro zahlen; deshalb ist für den 2. März eine Schlichtung geplant. Die Hans-Böckler-Stiftung kommt in ihrem an diesem Mittwoch veröffentlichten tarifpolitischen Jahresbericht zu dem Schluss, dass wegen des Arbeitskräftemangels die Notwendigkeit bestehe, das Hotel- und Gaststättengewerbe „auch lohnpolitisch deutlich aufzuwerten“. Das Statistische Bundesamt teilte heute mit, dass die Hotel- und Gastronomiebranche 2019 das zehnte Jahr in Folge mehr Umsatz gemacht hat.

          Gebraucht werden auch Fachkräfte aus dem Ausland

          Die Gastronomie braucht viel Personal, schreibt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband auf seiner Internetseite. „Wir können uns nicht erlauben, Erwerbstätigenpotential brach liegen zu lassen“, heißt es weiter. Dazu zählten Frauen, Langzeitarbeitslose, Ältere und Fachkräfte aus dem Ausland.

          Um letzteren den Weg nach Deutschland zu erleichtern, tritt am 1. März das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft. Damit fällt die Beschränkung auf Mangelberufe genauso weg wie die Vorrangprüfung, wegen der bislang vor jeder Einstellung einer ausländischen Fachkraft überprüft werden muss, ob ein deutscher oder europäischer Bewerber zur Verfügung steht. Die Vorrangprüfung kann allerdings bei Bedarf wieder eingeführt werden. Nicht nur Akademiker wie bisher, sondern auch beruflich Qualifizierte können ab März eine Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitssuche für sechs Monate bekommen und in dieser Zeit auch probearbeiten.

          Lydia Malin vom KOFA sagt, um dem Fachkräftemangel in der Gastronomie entgegenzuwirken, brauche man auch Automatisierung. Denn die Situation werde sich weiter verschlimmern.

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