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Gastbeitrag : Welche Bildung braucht die Volkswirtschaft?

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Immer mehr Schulabgänger zieht es gleich an die Hochschule. Doch auch nach einer Ausbildung im Betrieb stehen viele Qualifizierungswege offen. Die Einkommenschancen sind vergleichbar. Bild: obs

Das exportorientierte technikbasierte „Geschäftsmodell Deutschland“ beruht auf einem besonderen Arbeitskräftemix. Um ihn zu erhalten, muss die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung noch größer werden.

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          Die Frage nach den Zielen des Bildungs- und Qualifizierungsprozesses in einer Volkswirtschaft ist nach wie vor nicht spannungsfrei, insbesondere wenn es um das Verhältnis von Bildung und Arbeitsmarktverwertbarkeit geht. Während aus einer volkswirtschaftlichen Perspektive der Zusammenhang zwischen Bildung und Beschäftigungsfähigkeit bedeutsam ist, wird aus einer eher pädagogischen Perspektive gelegentlich bestritten, dass dies ein eigenständiges Ziel von Bildungsprozessen sein sollte. Unstrittig ist aber, dass Bildungspolitik ein ganzes Bündel Ziele verfolgt, zum Beispiel die Sicherung der Teilhabechancen, die Reduzierung der Bildungsarmut, die Erhöhung der durchschnittlichen Kompetenzen der Schüler, die Herstellung der Ausbildungsreife und Studierfähigkeit, die Sicherung der Arbeitskräftebasis der Unternehmen sowie der Technologie- und Wachstumsbasis einer Volkswirtschaft.

          Zentraler gemeinsamer Anker für diese vielfältigen Ziele ist die Schaffung gerechter Startchancen. Fehlende Startchancengerechtigkeit kann sich auch ökonomisch gleich zweifach auswirken: Zum einen entscheidet Bildung über den Einkommens- und Wachstumspfad einer Volkswirtschaft. Zum anderen ist der Zugang zu Bildung maßgeblich für die Verteilung wirtschaftlichen Wohlstands. Der individuelle Aufstieg auf der Einkommensleiter hängt in hohem Maße vom erreichten Bildungsabschluss ab. Der Bildungsverlauf wiederum wird ganz früh grundgelegt.

          Eine besondere Rolle bei der Herstellung von Beschäftigungsfähigkeit spielt in Deutschland das duale Berufsausbildungssystem. Mit dem Ineinanderwirken von Unternehmen als Lehr- und Lernort sowie von Berufsschulen und Kammern garantiert das berufliche Ausbildungssystem in Deutschland durch einheitliche Standards eine hohe Ausbildungsqualität und die Vergleichbarkeit der erworbenen Kompetenzen und Zertifikate, die zu hohen Bildungsrenditen der beruflichen Qualifikationen beitragen. Überdies leistet es auch einen eigenen Beitrag zur derzeit guten Arbeitsmarktsituation, denn neben der Rückgewinnung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit durch eine realistische Lohnpolitik und den Reformen im Zuge der Agenda 2010 ist auch die sektorale Wirtschaftsstruktur in Deutschland mit einem dazu komplementären Ausbildungs- und Qualifizierungssystem ein Erfolgsfaktor.

          Die Beschäftigungsstruktur ist viel stärker als in allen anderen Volkswirtschaften in Europa von industrieller Wertschöpfung geprägt, sei es direkt in den Wirtschaftszweigen des Verarbeitenden Gewerbes oder indirekt in den mit der Industrie verflochtenen vor- und nachgelagerten Branchen der unternehmensbezogenen Dienstleistungen.

          Der Kern des „Geschäftsmodells Deutschland“

          Diese Verflechtung von Industrie und wirtschaftsnahen Dienstleistern macht den wesentlichen Kern des „Geschäftsmodells Deutschland“ aus, das auch innerhalb Europas eine Besonderheit darstellt. Solche industriebasierten Geschäftsmodelle sind stärker als andere Formen der Arbeitsteilung abhängig von der Qualität und Verfügbarkeit von Arbeitskräften mit sogenannten MINT-Qualifikationen, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Insbesondere für die Produktion entlang der technologischen Grenze und für ein Geschäftsmodell mit einer starken Exportorientierung und komparativen Vorteilen in den Branchen der hochwertigen Technologien ist das technische Wissen der hochqualifizierten Fachkräfte im MINT-Bereich eine zentrale Basis.

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