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Führungspositionen : Frauen machen Firmen besser

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Frauen sind oft die besseren Krisenmanager, argumentieren die Autorinnen - im Bild eine Frau in der neuen Zentrale der Swatch Group in Biel. Bild: Picture-Alliance

Die Frauenquote ist Unsinn, hatte ein Headhunter in der F.A.S. geschrieben. Hier kommt die Gegenrede: Die Quote macht Unternehmen stärker. Und nutzt sogar den Männern. Ein Gastbeitrag.

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          Mit Aussagen wie „Die Quote ist Unfug“, wie der Headhunter Dieter Rickert neulich in der Sonntagszeitung schrieb, wird die von der Koalition beschlossene Quote für Frauen in den Vorständen oft ablehnend diskutiert. Die Argumente: Die ökonomischen Vorzüge divers besetzter Führungsgremien in Unternehmen ließen sich evidenzbasiert nicht nachweisen, und es wird bestritten, dass es genügend qualifizierte Frauen für offene Vorstandspositionen gibt.

          Die Boston Consulting Group (BCG) weist in einer Studie 2020 für die Top 100 an der Börse notierten Unternehmen in Deutschland nach, dass Unternehmen mit diversen Führungsteams eine 9 Prozent höhere Gewinnmarge (Ebit) und einen 20 Prozent höheren Umsatzanteil durch Innovationen erreichen als ihre männerlastigen Wettbewerber. Die Top-30-Champions des BCG Gender Diversity Index 2019 übertrafen zudem zum wiederholten Mal die Dax-Konzerne in ihrer Entwicklung an der Börse um mehr als zwei Prozentpunkte – und das bei geringerer Volatilität.

          Oft wird argumentiert, dass Korrelationen nicht gleich Kausalitäten beweisen, aber die Vielzahl von Studien zum Erfolg divers besetzter Führungsgremien, „Mixed Leadership“, ist überwältigend. So zeigen Langzeit-Untersuchungen von Catalyst, McKinsey, EY und Boston Consulting Group, dass ein Frauenanteil von mindestens 30 Prozent in den wichtigsten Entscheidungsgremien zu einer höheren Leistung der Organisation als Ganzes führt, da Frauen und Männer sich in ihren Fähigkeiten ergänzen. Warum 30 Prozent? Weil dann die Person und nicht mehr das Geschlecht gesehen wird. Investoren legen immer mehr Wert auf einen hohen Frauenanteil im Management, weil hierdurch die Rendite gesteigert und Preisblasen an der Börse verhindert werden können.

          Frauen achten darauf, dass jedes Teammitglied zu Wort kommt

          Der Grund, der jetzt auch zu Pandemiezeiten deutlich wird: Frauen sind oft die besseren Krisenmanager. Zudem zügeln sie das übermäßige Selbstbewusstsein männlicher CEOs. Die Gründe für den Erfolg von geschlechtergemischten Teams liegen hauptsächlich in den unterschiedlichen Herangehensweisen beider Geschlechter. Die verschiedenen Perspektiven und Arbeitsweisen von Mann und Frau führen oftmals zu einem effektiveren und effizienteren Prozess und damit zu mehr Erfolg als bei homogenen Teams. Aaron Dhir zeigt in seinem Buch „Challenging Boardroom Homogeneity“ (2015) auf, wie vorteilhaft die 40 Prozent Frauenbeteiligung in norwegischen Aufsichtsräten das Zusammenarbeiten beeinflusst hat: bessere Arbeitskultur und Vorbereitung der Sitzungen, besseres Risiko- und Krisenmanagement.

          Die amerikanischen Forscher Chabris, Woolley und Malone zeigten in ihren MIT-Langzeitstudien, dass ein höherer Frauenanteil in einem Team die Gruppenintelligenz deutlich ansteigen lässt. Der Grund: Frauen achten darauf, dass jedes Teammitglied zu Wort kommt, während Männer schnell ein Platzhirsch- und Rudelverhalten entwickeln, wo der Ranghöchste das Sagen hat.

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          Gleichwohl bewegt sich der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Deutschland auf dem Niveau von Indien und der Türkei. In den Top 100 börsennotierten Unternehmen liegt Deutschland in Europa 2020 mit 10 Prozent Frauenanteil auf Platz 24 (von 27). In den Dax-30-Unternehmen betrug der weibliche Anteil im September 2020 12,8 Prozent, in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich liegen die Vergleichszahlen bei 25 bis 30 Prozent. Woran liegt das?

          Notwendige Selbstausbeutung schreckt ab

          Erstes Argument der Opponenten einer Frauenquote ist regelmäßig die in Deutschland angeblich nicht ausreichende Zahl an Frauen mit der „richtigen“ Qualifikation für Managementaufgaben. Die Bildungselite in Deutschland ist aber insgesamt weiblich: Frauen, die 45 Jahre alt und jünger sind, verfügen über ein höheres Qualifikationsniveau als gleichaltrige Männer. Bei den 30- bis 35-jährigen Frauen liegt der Anteil mit Hochschulreife mit 51 Prozent deutlich über dem der Männer mit 46 Prozent.

          Einen Hochschulabschluss haben 31 Prozent der 30- bis 35-jährigen Frauen, aber nur 28 Prozent der Männer. Im Prüfungsjahr 2019 waren von den 512.000 Hochschul-Absolventinnen und -Absolventen 52 Prozent weiblich. Aufgeschlüsselt nach Fächergruppen, zeigt sich, dass bei den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Frauen 60 Prozent der Absolventinnen und Absolventen stellen, bei Mathematik und Naturwissenschaften 50 Prozent und bei den Ingenieurwissenschaften 24 Prozent.

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