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Gallup-Studie : Corona spaltet die Arbeitnehmer

Typisch für die Corona-Zeit: Die emotionale Bindung muss oft am Bildschirm aufgebaut werden. Bild: AFP

In der Pandemie ist das Engagement deutscher Arbeitnehmer gestiegen. Das besagt der berüchtigte Gallup-Index, der normalerweise das Land voller Zombie-Mitarbeiter wähnt, die nur Dienst nach Vorschrift machen.

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          Eigentlich ist es Jahr für Jahr eine ähnliche Nachricht, die die Psychologen des Beratungsunternehmens Gallup im März herumschicken: Deutschland ist voller schlechter Führungskräfte und unmotivierter Arbeitnehmer. Kaum ein Mitarbeiter legt sich so richtig für seinen Laden ins Zeug, die meisten machen Dienst nach Vorschrift.

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          In der Pandemie klingen die Nachrichten von Gallup an diesem Donnerstag aber anders. Zum ersten Mal seit Jahren ist der Anteil der hoch engagierten Mitarbeiter der repräsentativen Befragung zufolge gestiegen. 17 Prozent haben eine „hohe emotionale Bindung“ an ihren Arbeitgeber, schreiben die Berater, 2019 waren es nur 15 Prozent. Entsprechend sei der Anteil derer, die nur Dienst nach Vorschrift machen oder gar innerlich gekündigt haben, leicht gesunken. Befragt wurden dazu im vergangenen November und Dezember für die Studie insgesamt 1000 zufällig ausgewählte Arbeitnehmer ab 18 Jahren in Deutschland; die Ergebnisse sind repräsentativ für die Arbeitnehmerschaft hierzulande.

          „Die hohe emotionale Bindung ist eine gute Nachricht und möglicherweise auf die geänderten Rahmenbedingungen zurückzuführen, die die Pandemie mit sich gebracht hat“, sagt Marco Nink, der die Analyse-Abteilung von Gallup für die hiesige Region leitet. Da schwingt ein bisschen der Gedanke mit: Wer in diesen Zeiten eine gute Arbeit hat, will sie tunlichst behalten und engagiert sich.

          Allerdings schiebt Nink hinterher: „Einen plötzlichen Wandel in der Unternehmenskultur können wir nicht beobachten.“ Denn verändert haben sich die Kennzahlen zum Mitarbeiter-Engagement eher in Nuancen. Noch immer bescheinigen die Macher der Studie, dass 68 Prozent der Arbeitnehmer und damit der überwiegende Teil nur eine „geringe emotionale Bindung“ zum Arbeitgeber verspürt. Entsprechend hoch ist die Wechselbereitschaft. Nur noch sechs von zehn Beschäftigten möchten ihrem Arbeitgeber ohne wenn und aber treu bleiben, in den Vorjahren waren es fast acht von zehn. Von denjenigen, die pandemiebedingt in Kurzarbeit waren, sieht sich fast die Hälfte nach einer neuen Stelle um oder sucht schon aktiv.

          Gespalten sind die Befragten auch, wenn sie das Krisenmanagement ihrer Vorgesetzten bewerten sollen. Eine große Mehrheit verteilt gute Noten an die Top-Etage, wenn es um das generelle Corona-Management geht; drei Viertel der Befragten zeigten sich mit der Geschäftsführung zufrieden. Geht es um die engere Führung der Einzelpersonen, fällt das Urteil dagegen etwas kritischer aus. Fast ein Drittel (32 Prozent) sagt, ihr Unternehmen interessiere sich nur mäßig oder gar nicht für das Wohlergehen der Beschäftigten. Gerade mit Blick auf die gesundheitlichen Risiken in der Coronazeit sind die Befragten kritisch: Nur rund jeder dritte Beschäftigte sagt, er fühle sich am Arbeitsplatz derzeit sicher. Seltener als in den Vorjahren bescheinigten Mitarbeiter ihren Vorgesetzten, dass sie vor allem Stärken und positive Eigenschaften der Mitarbeiter sehen und hervorheben.

          „Die Corona-Krise polarisiert die Arbeitnehmerschaft in Deutschland“, folgert Nink. „Unternehmen, die sich in den vergangenen Monaten um ihre Beschäftigten als Mensch und nicht nur als reine Arbeitskraft gekümmert haben, profitieren von einer hohen emotionalen Mitarbeiterbindung.“ Zugleich seien die negativen Seiten der Krise zu beobachten: Dort, wo Führungskräfte deutliche Defizite zeigten, hätten Mitarbeiter innerlich gekündigt, seien bereit für einen Jobwechsel oder schauten sich schon nach einem neuen Arbeitgeber um.

          Mehr noch: Die Corona-Krise schlaucht viele Beschäftigte so sehr, dass deutlich mehr Beschäftigte als früher angeben, sich „innerlich ausgebrannt“ zu fühlen. Mehr als ein Drittel (35 Prozent) der Befragten sagte das im Corona-Jahr 2020, in den beiden Vorjahren lag der Wert bei 26 Prozent.

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